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Trump warnt Autoriesen - General Motors und der Schulhof-Rowdy

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Die Chefin des einst weltweit bedeutendsten Autokonzerns General Motors (GM) muss einstecken können. Zumindest, wenn sie einen wie US-Präsident Trump an der Strippe hat.

Mary Barra: CEO - General Motors
Mary Barra: CEO - General Motors
Quelle: imago

Trump sucht nicht einmal, seine Wut über das geplante Sparprogramm des Unternehmens zu verbergen. Längerfristig betrachtet führt wohl an den Kürzungs- und Schließungsplänen von GM gar kein Weg vorbei.

War schon mal pleite: GM will diesmal weitsichtig handeln

Was eine Pleite ist, weiß man in Detroit nur zu gut. Denn GM war schon einmal insolvent, zehn Jahre ist das her, und musste sich mühsam mit Staatshilfe aus dem Schuldensumpf herausarbeiten. Da sorgt Mary Barra lieber vor: Die Chefin kann zwar auf Milliardengewinne in den letzten Quartalen verweisen, sieht jedoch die weltweite Herausforderung aller Autohersteller sehr deutlich: Die Entwicklung des autonomen Fahrens und die Zunahme von Elektroantrieben erfordern gewaltige Umstellungen.

Folgerichtig werden wohl fünf traditionelle Werke geschlossen, bis zu 15.000 Arbeitsplätze, also ein Fünftel der Belegschaft, fallen weg. Besonders auch Führungskräfte sind betroffen – die Entscheidungen sollen schneller und direkter ablaufen als heute. GM will sich auf dem Heimatmarkt auf die nachgefragten SUV- Geländewagen und die "Pickup" genannten Kleintransporter mit offener Ladefläche konzentrieren. Und eben auf zukünftige Modelle. Ähnliche Pläne verfolgt offenbar auch der Rivale Ford, ohne jedoch bislang Details zu nennen.

Die wüste Wut des Präsidenten

Dass der auf Abschottung setzende Donald Trump die Fassung verlieren würde, dürfte Mary Barra natürlich erwartet haben. Trifft das Sparprogramm doch ins Mark seiner Wirtschaftsideologie, die amerikanische Arbeitsplätze über alles stellt, zuvörderst in den traditionellen Industrien. Insofern geriert sich der Präsident als oberster Gewerkschaftsführer: Die mächtige United Autoworkers- Gewerkschaft UAW dürfte sich über die Hilfe von höchster Stelle gefreut haben.

Die betroffenen Bundesstaaten Michigan und Ohio im sogenannten Rostgürtel der USA bekamen aber stets schon die besondere Aufmerksamkeit Trumps und standen hinter der Idee von Strafzöllen auf Stahl, Aluminium und ausländische Autos – und nun das, ausgerechnet in der Heimat des typischen Trump-Wählers. In offenbar wüsten Beschimpfungen forderte er Barra auf, statt der Schließungen lieber ein neues Werk zu bauen. Wie man das auslasten könnte, weiß der Präsident natürlich sofort: Einfach ein attraktives Automodell bauen. Ms. Marra dürfte sich für den weisen Rat bedankt haben. Was das für ein Auto werden soll, ist nicht überliefert.

Selbst eingebrockt: Die Trump-Zölle gehen nach hinten los

Was offiziell niemand zugibt, was aber Beobachter, die mit Zahlen umgehen können, selbstverständlich als einen wichtigen Grund der Schließungen ausmachen: Die Zölle Trumps auf europäische Spezialstähle und chinesische Vorprodukte, die im Gefolge seiner aggressiven Politik gegenüber dem Ausland um 25 Prozent im Preis gestiegen sind. Zu diesen Bedingungen kann GM auf dem Massenmarkt nicht wettbewerbsfähig sein, zumal die Konkurrenz der Ausländer eben im Inland sitzt: BMW zum Beispiel produziert in den USA mit großem Erfolg und ist dabei noch der Größte Autoexporteur der Vereinigten Staaten.

Toyota, Daimler und andere sind fest etabliert. Aber feine Beobachtungen sind des Präsidenten Sache nicht. Eher das Gehabe eines Schlägertypen auf dem Schulhof, in den USA "Bully" genannt: GM werde schon sehen, was er dem Unternehmen antun könne, drohte Trump. Möglicherweise rudert General Motors dann doch noch etwas zurück – aber ökonomische Gesetze lassen sich häufig nur einmal brechen, dann folgt sofort die Höchststrafe: Insolvenz. Wie Trump seinen Stammwählern das dann erklären würde, kann man sich in etwa vorstellen.

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