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Zahlen und Fakten zu Suizid - Tabuthema mit hohem Risiko bei Männern

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Mit der "Woche für das Leben" wollen die großen Kirchen auf das Thema Suizid aufmerksam. Zahlen und Fakten zeigen, wie brisant das Thema ist.

Archiv: Burnout-Patient schaut aus dem Fenster einer Klinik, aufgenommen am 01.04.2011
Burnout-Patient schaut aus dem Fenster einer Klinik (Archivfoto)
Quelle: dpa

Die katholische und die evangelische Kirche Deutschland befassen sich bei ihrer am Samstag eröffneten "Woche für das Leben" in diesem Jahr mit dem Thema Suizid. Die Aktionswoche steht unter dem Leitwort "Leben schützen. Menschen begleiten. Suizide verhindern". Sie will Beratungsangebote für suizidgefährdete Menschen bekannter machen und die Öffentlichkeit für das Thema sensibilisieren.

Gibt es Zahlen zu Suiziden in Deutschland?

Nach den aktuellsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes beendeten im Jahr 2016 durch einen Suizid 9.838 Menschen ihr Leben. Damit sterben in Deutschland deutlich mehr Menschen durch Suizid als zum Beispiel aufgrund von Verkehrsunfällen, Drogen und HIV zusammen. Die Zahl der Selbsttötungen in Deutschland ist in den vergangenen Jahrzehnten jedoch insgesamt stark gesunken.

Wer ist am stärksten betroffen?

Der Anteil der Männer bei Suiziden in Deutschland war 2016 mit 75 Prozent dreimal so hoch wie der Anteil der Frauen. Männer begehen über alle Altersgruppen hinweg signifikant häufiger Suizid als Frauen. Nach Schätzungen der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention liegt die Zahl der Menschen, die es versuchen, deutlich höher, etwa bei 100.000 Menschen jährlich. Suizidversuche werden besonders häufig von Frauen und in jüngerem Lebensalter unternommen und können oft als "Hilferufe" interpretiert werden. Ungefähr jeder Dritte unternimmt nach dem ersten einen weiteren Suizidversuch.

Wie geht die Gesellschaft mit dem Thema Suizid um?

Suizid wurde in Gesellschaften und Epochen sehr unterschiedlich bewertet, was sich auch in der Sprache niederschlug. Im Alltag wird noch häufig der Begriff "Selbstmord" verwendet. Darin spiegelt sich das Tabu, mit dem Selbsttötungen als "Mord" lange umgeben waren. Noch heute steht der Suizidversuch in manchen Ländern unter Strafe. In der katholischen Kirche galt er über Jahrhunderte als Todsünde, weil das Leben als Geschenk Gottes aufgefasst wird, das der Mensch annehmen und verantwortlich gestalten muss. Das Verbot, einen Suizidenten kirchlich zu bestatten, wurde erst im Kirchenrecht von 1983 aufgehoben.

Die Bezeichnung Freitod geht unter anderem auf den Philosophen Friedrich Nietzsche zurück. Sie suggeriert, dass der Mensch völlig frei über seinen Tod entscheidet. Gelegentlich wird auch eine heroische Haltung unterstellt. Das Wort Suizid wird vor allem in der wissenschaftlichen und der medizinischen Sprache verwendet. Es gilt als sprachlich neutral; ebenso der Begriff Selbsttötung.

Was sind die Gründe für Suizide?

Traumatisch erlebte Ereignisse wie der Verlust wichtiger Bezugspersonen, schwerere Erkrankungen, Veränderungen von Lebensumständen wie der Verlust des Arbeitsplatzes und schon die Angst vor solchen Ereignissen können bei verletzbaren Menschen Suizidgedanken auslösen. Wichtige Motive sind auch das Gefühl der Wertlosigkeit, Einsamkeit und der drohende Verlust der Autonomie. Das Suizidrisiko ist erhöht bei Männern, Menschen im höheren Lebensalter, Menschen mit gleichgeschlechtlicher sexueller Orientierung und jungen Frauen mit Migrationshintergrund.

Der Anteil psychiatrischer Erkrankungen an Suiziden ist methodisch nur sehr schwierig zu erheben. Je nach Studie wurden 15 bis 95 Prozent der durch Suizid Verstorbenen als depressiv beurteilt. Dabei ist nach Angaben von Experten zu berücksichtigen, dass aus Suizidgedanken nicht zwangsläufig auf eine psychische Erkrankung zu schließen ist.

Gibt es Auswirkungen auf andere Menschen?

Von jedem Suizid sind nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation durchschnittlich deutlich mehr als sechs Personen betroffen, die nicht selten selbst in große seelische Not geraten. Nicht nur Angehörige, auch Freunde, Kollegen, Mitschüler, Feuerwehrleute oder Lokführer können in einem Maße betroffen sein, dass sie selbst Unterstützung benötigen.

Kann man drohende Suizide erkennen?

In der Regel senden Suizidgefährdete Signale aus und wünschen sich, dass jemand darauf reagiert. Alarmzeichen können sein: sozialer Rückzug, Gleichgültigkeit, traurige Stimmung, Hoffnungslosigkeit, Stimmungsschwankungen, Nutzung von Suizidforen, Verwahrlosungstendenzen, selbstverletzendes Verhalten, Alkohol-/Drogen- oder Medikamentenmissbrauch, aggressives abwehrendes Verhalten oder Äußerungen über den Tod und das Sterben.

Gibt es Möglichkeiten der Vorbeugung?

Eines der wirksamsten Mittel ist nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention - soweit überhaupt möglich - die Einschränkung der Verfügbarkeit von Suizidmethoden (Waffen, Medikamente, Chemikalien, Absicherung von Bauwerken). Weitere Mittel der Suizidprävention sind unter anderem die Verfügbarkeit niedrigschwelliger Behandlungsangebote, die Fortbildung in medizinischen und psychosozialen Berufen sowie die Förderung der Früherkennung von Suizidgefährdung und von psychischen Erkrankungen und nicht zuletzt ein gesellschaftliches Klima, in welchem die Suizidproblematik wahr- und ernst genommen wird.

Was ist assistierter Suizid?

Einen Sonderfall stellen die von Land zu Land gesetzlich unterschiedlich geregelten Formen der Beihilfe zum Suizid dar, mit der unheilbar oder schwerstkranken Patienten körperliches und seelisches Leid erspart werden soll. In solchen Fällen spricht man vom "assistierten Suizid", von "Tötung auf Verlangen" oder "Beihilfe zum Suizid".Da Selbsttötungsversuche in Deutschland juristisch nicht belangt werden, ist auch die Beihilfe zum Suizid straffrei. Allerdings können Helfer anschließend wegen unterlassener Hilfeleistung angeklagt werden. Der Bundestag hat Ende 2015 ein Gesetz verabschiedet, das ein Verbot aller organisierten oder sogar auf Gewinn ausgerichteten Formen von Suizidbeihilfe enthält. Dieses Gesetz wird derzeit vor dem Bundesverfassungsgericht angefochten.

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