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Hisbollah-Tunnel - Israels Nebenkriegsschauplatz

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Israel gegen den Erzfeind Iran: Dieser Machtkampf wird in Syrien ausgetragen - und auch an der Grenze zum Libanon, wo Israel kürzlich Tunnel der Hisbollah zerstört hat. Ein Besuch.

Israel blickt mit Sorge auf die Sicherheit der eigenen Grenzen – besonders der zu den Nachbarn Syrien und Libanon. Grund ist der stetig wachsende Einfluss des Iran.

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Es ist herrlich ruhig an der libanesischen Grenze im Norden Israels. Apfelplantagen, soweit das Auge reicht. Auf den ersten Blick. Doch auf den zweiten Blick stören Stacheldraht und militärische Wachposten das malerische Bild. Auf den Häusern, die hinter der Grenzmauer liegen, weht die Fahne der schiitischen Hisbollah-Miliz. Die Apfelplantage wurde zu militärischem Sperrgebiet erklärt. Denn im Dezember 2018 entdeckte und zerstörte das israelische Militär genau hier einen Tunnel, den die Hisbollah gebaut haben soll und der vom Südlibanon bis nach Israel reicht.

Insgesamt sechs solcher Tunnel hat Israel bislang gefunden und zerstört. Doch es gebe noch mehr, hieß es in der vergangenen Woche, nur reichten die noch nicht bis auf israelisches Staatsgebiet. Israels Premierminister Benjamin Netanjahu nennt die Tunnel einen "kriegerischen Akt" der Hisbollah gegen sein Land. Nach israelischer Darstellung will die Hisbollah die Tunnel dazu nutzen, israelische Soldaten oder Zivilisten zu entführen oder zu töten oder im Fall eines militärischen Konflikts einen Teil des israelischen Gebiets zu erobern. So erklären es die Soldaten vor Ort.

Tunnel im Grenzgebiet zu Israel
Es könnte ein idyllischer Hügel sein - doch die Lage im israelisch-libanesischen Grenzgebiet ist kritisch.
Quelle: ZDF/Nicola Albrecht

Die Hisbollah habe seit dem letzten Libanon-Krieg ihren Bestand an Raketen, den sie gegen Israel einsetzen kann, von 10.000 auf 200.000 aufgestockt, sagte Gilad Erdan, Israels Minister für öffentliche Sicherheit und strategische Angelegenheiten. Sie seien zum Teil in Privathäusern im Südlibanon gelagert. Auch sie seien eine schwerwiegende Bedrohung für Israel.

Tunnel lange verschwiegen

Von der Existenz der Tunnel wusste die israelische Führung seit Jahren. Der ehemalige Verteidigungsminister Mosche Yaalon erklärte, man habe darüber geschwiegen, um die andere Seite in die Irre zu führen. Auch auf die Hinweise der Bevölkerung im Norden, die immer wieder von unterirdischen Klopfgeräuschen berichtet hat, ist man nicht eingegangen.

Dass Netanjahu ausgerechnet im Dezember mit einer großen PR-Kampagne die Existenz der Tunnel öffentlich machte, wird von ehemaligen Militärs wie Yaalon als "Dramatisierung" der Lage abgetan. Ein Ablenkungsmanöver in Zeiten, in denen Netanjahu unter Druck steht: Die Situation in Gaza drohte im Dezember zu eskalieren und Netanjahu sah sich dem Vorwurf ausgesetzt, "nicht hart genug durchzugreifen". Zudem steht er im Zentrum einer Korruptionsaffäre. Israels Generalstaatsanwalt muss entscheiden, ob er Anklage erheben wird - und das mitten im Wahlkampf. In dem stehen sich unter anderem Yaalon und Netanjahu als Kontrahenten gegenüber. Derzeit ist Netanjahu Premierminister und Verteidigungsminister in Personalunion.

Schattenkrieg gegen Iran in Syrien

Der Kampf gegen Erzfeind Iran, der immer wieder damit droht, Israel auslöschen zu wollen, und dessen Verbündete, wie die Hisbollah-Miliz, gehört zu Netanjahus permanenter politischer Agenda. Dass ein Schattenkrieg zwischen Iran und Israel ausgetragen wird, daraus macht Netanjahu inzwischen keinen Hehl mehr.

Syrien und seine Nachbarstaaten
In Syrien tragen Israel und der Iran ihren Machtkampf aus. Er spiegelt sich auch an der libanesisch-israelischen Grenze.
Quelle: ZDF

Bereits seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs greift die israelische Armee regelmäßig angebliche Stellungen der iranischen Al-Kuds-Brigaden an oder bombardiert Waffenlieferungen aus dem Iran an die Hisbollah, die wie Teheran an der Seite des syrischen Machthabers Baschar al-Assad kämpft. Netanjahus erklärtes Ziel: eine dauerhafte militärische Präsenz iranischer Kräfte in Syrien verhindern.

Hisbollah droht Israel mit Flächenbrand

Bislang haben alle anderen Akteure in Syrien Netanjahus präventive militärische Alleingänge mehr oder weniger toleriert. Lediglich das Verhältnis zu Russlands Präsident Wladimir Putin ist deutlich abgekühlt. Doch Netanjahu nimmt das in Kauf, demonstriert bei jeder Gelegenheit Entschlossenheit, weiter gegen den Iran vorzugehen.

Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah hatte lange zur Zerstörung der Tunnel geschwiegen. Doch nun warnte er Israel vor weiteren Angriffen in Syrien und drohte mit einem Flächenbrand. Es könne jederzeit die Entscheidung fallen, mit der "israelischen Aggression" anders umzugehen. Eine gefährliche Situation in Zeiten, in denen in Syrien viele Akteure bei der Machtverteilung ihren Anteil bekommen möchten.

Der Kampf gegen Erzfeind Iran steht für Netanjahu ganz oben. Die Tunnel der vom Iran gesponserten Hisbollah-Miliz sind da allerdings allenfalls ein Nebenkriegsschauplatz. Der eigentliche Machtkampf zwischen dem Iran und Israel wird als Schattenkrieg in Syrien ausgetragen.

Nicola Albrecht leitet das ZDF-Studio in Tel Aviv.

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