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Historische Reise - Papst Franziskus besucht Arabische Halbinsel

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Es ist historisch: Der Papst reist in die VAE - um Brücken zu bauen und zum ersten Mal auf der Arabischen Halbinsel eine Messe zu halten - vor mehr als 100.000 Gläubigen.

Papst Franziskus besteigt am Internationalen Flughafen in Rom ein Flugzeug (03.02.2019)
Papst Franziskus besteigt am Internationalen Flughafen in Rom ein Flugzeug
Quelle: dpa

Es ist das erste Mal, dass ein Papst die Arabische Halbinsel besucht. Anlass für die historische Reise ist eine interreligiöse Friedenskonferenz in Abu Dhabi, an der Papst Franziskus am Montag teilnimmt. Im Mittelpunkt der 27. Auslandsreise des Pontifex steht der Dialog der Religionen. Außerdem will der Papst die kleine katholische Minderheit stärken. Erst am vergangenen Freitag forderte er beim Treffen mit Vertretern orthodoxer Kirchen, die Christen im Nahen Osten als vollwertige Bürger mit gleichen Rechten anzuerkennen.

Franziskus will friedlichen Dialog

In der Botschaft, die der Papst traditionell vor einer Reise an die Bürger des Gastlandes richtet, bezeichnete Franziskus die Vereinigten Arabischen Emirate als "Modell des Zusammenlebens, der menschlichen Geschwisterlichkeit und der Begegnung verschiedener Zivilisationen und Kulturen". Er hob den "Respekt vor der Verschiedenheit" hervor, der dort gelebt werde. Diese Haltungen entsprechen dem, was dieser Papst als Pontifex – Brückenbauer – versucht in seinem Pontifikat zu verwirklichen. Franziskus will zeigen, dass es trotz Unterschieden in Kultur und Religion möglich sein muss, miteinander in einen friedlichen Dialog zu treten.

Papst will moderate Kräfte im Islam unterstützen

Seit Beginn des Pontifikats von Franziskus hat sich das Verhältnis zu einer Reihe von islamischen Institutionen und Autoritäten entspannt. So wurde der Dialog mit der Al-Azhar-Universität in Kairo wieder aufgenommen und intensiviert, der im Pontifikat von Papst Benedikt XVI. zum Erliegen kam, unter anderem weil dieser mangelnden Schutz der koptischen Christen in Ägypten angeprangert hatte. Die Al-Azhar-Universität gilt als die wichtigste theologische Hochschule im sunnitischen Islam. Den Großscheich der Al-Azhar, Ahmed al-Tayyeb, bezeichnete Franziskus jüngst als "Freund und lieben Bruder".

Infografik: Anteil der Christen auf der arabischen Halbinsel
Infografik: Anteil der Christen auf der arabischen Halbinsel

Al-Tayyeb leitet auch den "Muslim Council of Elders". Dieses Gremium mit Sitz in Abu Dhabi wurde 2014 gegründet. Es hat sich zum Ziel gesetzt, Spaltungen innerhalb des Islam zu überwinden und gegen extremistische Brandstifter eine religiöse Botschaft humaner Werte und der Toleranz zu verteidigen. Der Rat ist Veranstalter der interreligiösen Friedenskonferenz, an der neben dem Papst rund 700 Vertreter aus Religion und Politik teilnehmen. Franziskus will die moderaten Kräfte im Islam und den anderen Religionen unterstützen. Daher hat er sich, für vatikanische Verhältnisse sehr kurzfristig, für die Teilnahme an dem Treffen in Abu Dhabi entschlossen.

Höhepunkt einer Phase der Entspannung und Annäherung

Politisch ist der Besuch auf der Arabischen Halbinsel nicht unumstritten. Immerhin gehören die Vereinigten Arabischen Emirate zu der von Saudi-Arabien angeführten Militärallianz, die im Jemen agiert. Dort führen Angriffe immer wieder zu Opfern unter Zivilisten. Kritiker hatten Franziskus daher zuletzt aufgefordert, die Reise abzusagen. Doch im Vatikan ist man überzeugt, dass mit der Reise mehr zugunsten von Frieden und Versöhnung erreicht werden kann, als durch eine Absage. Zumal der erste Besuch eines Papstes auf der Arabischen Halbinsel vorläufiger Höhepunkt einer Phase der Entspannung und Annäherung zwischen dem Vatikan und den höchsten islamischen Autoritäten sowie den Hütern der Wiege des Islam in Saudi-Arabien ist.

2017 reiste der maronitische Patriarch, Kardinal Béchara Boutros Rai, als erster hochrangiger katholischer Vertreter nach Saudi-Arabien und traf dort unter anderem König Salman ibn Abd al-Aziz und Kronprinz Mohammed bin Salman. Damals berichtete Rai, es gebe Hoffnung auf größere Religionsfreiheit in der Region. Vergangenes Jahr besuchte Kardinal Jean-Louis-Tauran, der im Vatikan für den Dialog mit dem Islam zuständig war, Riad. Bei einem Treffen mit der Islamischen Weltliga hatte er zu Religionsfreiheit und einem gleichberechtigten Miteinander aufgerufen. Manche Beobachter sahen in der Visite Taurans eine Vorbereitung auf einen Papstbesuch in Riad. Doch dafür ist die Zeit nicht reif.

Erste christliche Massenveranstaltung auf der Arabischen Halbinsel

Der Papst betritt über die Vereinigten Arabischen Emirate die Arabische Halbinsel. Dort herrscht eine relative Religionsfreiheit. Die 900.000 Katholiken können hinter verschlossenen Türen in ihren Pfarreien den Glauben leben. Mit der Messe im größten Sportstadion von Abu Dhabi, zu der am Dienstagmorgen rund 120.000 Gläubige erwartet werden, findet zum ersten Mal in der Geschichte der Halbinsel eine christliche Massenveranstaltung im öffentlichen Raum statt. Die politisch Verantwortlichen in den Vereinigten Emiraten erhoffen sich durch die damit demonstrierte Offenheit auch einen Imagegewinn für ihr Land.

Archiv: Nahyan Bin Mubarak Al Nahyan, aufgenommen am 24.01.2019

Toleranzminister der VAE - "Respekt füreinander als Menschen verbessern"

Die Vereinigten Arabischen Emirate feiern das Jahr der Toleranz. Warum die Region sich über den Besuch von Papst Franziskus freut, erklärt der zuständige Minister im Interview.

Auf den Spuren seines Namenspatrons

Für Franziskus steht der Dialog im Vordergrund. Ende März wird er bei seiner nächsten Reise erneut ein mehrheitlich muslimisches Land besuchen. Dann geht es nach Marokko. Mit diesen beiden Reisen will er an eine Initiative seines Namenspatrons vor 800 Jahren erinnern. 1219 war Franz von Assisi zusammen mit Kreuzfahrern in den Nahen Osten gereist. Bei einer Begegnung mit Sultan Al-Kamil wollte er unter anderem die anstehende Schlacht verhindern. Der Versuch scheiterte, doch der Sultan zeigte sich sehr beeindruckt von dem Bettelmönch. Für viele Muslime war die Namenswahl von Papst Franziskus daher von Anfang an ein Signal des Dialogs.

Den sucht er bei seinen Reisen, die ihn in den vergangenen sechs Jahren mit Stationen in Jordanien und den Palästinensergebieten, der Türkei und Ägypten, Bosnien-Herzegowina und Bangladesch immer wieder in mehrheitlich muslimische Länder geführt haben. Mit Abu Dhabi nähert er sich nun dem Zentrum des Islams. Sein großes Ziel dabei ist es zu zeigen, dass ein friedliches Miteinander von Kulturen und Religionen möglich ist. Dabei lässt er sich auch nicht von Kritikern irritieren, die ihm große Naivität vorwerfen und die Sorge haben, dass beim Dialogkurs dieses Papstes die Belange der Christen zu kurz kommen. Franziskus ficht das nicht an. Er wirbt für Dialog und fordert gleichzeitig gleiche Rechte für alle Gläubigen und die, die nicht glauben.

Jürgen Erbacher ist Vatikan-Experte des ZDF.

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