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Überschreiten der Grenze - Historische Schritte von Kim und Moon

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Es ist ein historisches Treffen, das vor kurzem kaum jemand für möglich gehalten hätte. Nordkoreas Machthaber Kim überquert Hand in Hand mit Südkoreas Präsident Moon die Grenze.

Hand in Hand überqueren Kim und Moon die koreanische Grenze (27.4.2018)
Hand in Hand überqueren Kim (l.) und Moon die koreanische Grenze Quelle: ap

Als Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und Südkoreas Präsident Moon Jae In heute Morgen Hand in Hand die Grenze überschreiten, bricht euphorischer Jubel aus unter den Südkoreanern, die im Pressezentrum die Szene verfolgen. Es ist ein Moment voller Hoffnung. Zum ersten Mal kommt ein Machthaber Nordkoreas nach Südkorea, ein historisches Treffen, das nach all den Drohungen, den Atom- und Raketentests noch vor wenigen Wochen kaum jemand für möglich gehalten hätte.

Große Probleme kommen erst noch

Beide Seiten wollen über eine Beseitigung der Atomwaffen und über einen Friedensvertrag sprechen. "Von jetzt an beginnt die Geschichte von neuem, am historischen Ausgangspunkt einer Ära des Friedens", schreibt Kim ins Gästebuch des Friedenshauses von Panmunjeom. Manchem scheint es da, als sei der Korea-Konflikt quasi schon gelöst. Tatsächlich aber kommen die großen Probleme erst noch. Und ein militärischer Konflikt ist nach wie vor möglich.

Panmunjeom, wo das Treffen stattfindet, ist ein merkwürdiger Ort. Er liegt mitten in der demilitarisierten Zone, dem vier Kilometer breiten Grenzstreifen, der Nord- und Südkorea trennt. Seit dem Ende des Koreakrieges 1953 stehen sich hier nord- und südkoreanische Grenztruppen gegenüber. Es ist ein stiller, aber vielleicht deshalb umso bedrohlicher wirkender Wettstreit des sich gegenseitig Anstarrens. Der Korea-Konflikt erscheint hier wie eingefroren, so als könnte er jeden Augenblick wieder ausbrechen. Erst im November flüchtete ein nordkoreanischer Soldat in Panmunjeom über die Grenze, wurde von den eigenen Grenztruppen angeschossen und schwer verwundet. 

Panmunjeom war schon oft Ort für Verhandlungen

Panmunjeom war schon oft der Ort für Verhandlungen, ein Ort großer Versprechungen von Seiten des Nordens und ebenso großer Hoffnungen auf Seiten des Südens. Tatsächlich waren beide Seiten Anfang der 2000er Jahre schon deutlich weiter in der gegenseitigen Annäherung. Die damalige Entspannungsinitiative scheiterte am gegenseitigen Misstrauen und daran, dass Nordkorea doch heimlich weiter an seinem Atomprogramm arbeitete.

Beide Seiten hätten bereits weitere Gespräche vereinbart, berichtet ZDF-Korrespondent Thomas Reichart aus Südkorea, wo die koreanischen Machthaber aufeinander treffen.

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Wie ernst also meint es Kim diesmal? Er hat sehr geschickt die diplomatische Tür geöffnet, erst mal ohne dafür viel zu geben, wozu er nicht ohnehin bereit gewesen wäre. Die Schließung von Nordkoreas Atomtestgelände etwa war unausweichlich. Nach dem letzten unterirdischen Atomtest im September vergangenen Jahres waren weite Teile des Berges eingestürzt. Bei Aufräumarbeiten sollen damaligen Berichten zufolge rund 200 Nordkoreaner verschüttet worden sein.

Nordkoreas Waffenarsenal nicht aus Pappmaché

Eine aktuelle Studie eines chinesischen Geologie-Instituts zeigt nun, dass bei dem Einsturz offenbar eine Art Kamin entstanden ist, durch den bei einem weiteren Test Radioaktivität austreten könnte. China hat gegenüber Nordkorea klar gemacht, dass sie es als einen Angriff auf ihr Territorium ansehen würden, sollte eine radioaktive Wolke aus Nordkorea sich nach China ausbreiten. Diese Warnung war mindestens so gewichtig wie das Friedenssignal, das Kim vor dem Gipfel damit offenbar aussenden wollte. 

Tatsächlich hat Kim die Entscheidung am vergangenen Wochenende auch erneut damit begründet, dass Nordkorea inzwischen über einsatzfähige Interkontinentalraketen und Atomsprengköpfe verfüge, dass also weitere Tests gar nicht mehr nötig seien. Es wäre ein gefährlicher Fehler, das für bloße Aufschneiderei und einen Bluff zu halten. Die Raketen- und Atomtests der vergangenen Monate waren für internationale Experten die messbare Warnung, dass Nordkoreas Waffenarsenal nicht aus Pappmaché besteht, sondern eine ernsthafte Bedrohung für den Weltfrieden darstellt. 

Kim will Abrüstung auf beiden Seiten

Wenn Kim verspricht, über Denuklearisierung verhandeln zu wollen, meint er damit außerdem etwas völlig anderes als Moon oder US-Präsident Donald Trump. Das hat er seinen Diplomaten in einer geheimen Richtlinie schon vor langem deutlich gemacht. Es gehe niemals um die vollständige Aufgabe des Atomwaffenarsenals, so berichtete es Nordkoreas höchstrangiger Überläufer Thae Yong Ho, sondern um Abrüstung. Nicht einseitig, sondern auf beiden Seiten der Grenze. Kim will letztlich einen Rückzug der USA aus Südkorea, ein Ende der übermächtigen Schutzmacht im Süden. Die gefährlichste Waffe der Welt wird Kim nie aus den Händen geben, sie ist seine Überlebensversicherung. Und immer noch strebt Kim wie sein Vater und Großvater nach wie vor die Vereinigung der beiden Koreas unter der Führung des Nordens an.

Unter der freundlichen Oberfläche also liegen gravierende Konfliktpunkte. Nach Monaten der Drohungen und der unmittelbaren Gefahr eines Krieges waren die Gespräche an sich aber schon mal ein großer Fortschritt. Sollten sie einigermaßen gut verlaufen, wäre damit der Weg bereitet für ein weiteres historisches Treffen zwischen Kim und US-Präsident Trump. Vielleicht ist sogar der Abschluss eines Friedensvertrages zwischen den beiden Koreas möglich, der auch das formale Ende des Koreakrieges besiegeln würde. Doch die Vergangenheit zeigt, dass der Weg zum Frieden lang und steinig ist. Bislang hat es nie gereicht für eine echte Versöhnung. 

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