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"Historischer Moment" - Italien fliegt Flüchtende direkt nach Europa

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Mehr als 3.100 Menschen sind dieses Jahr bereits im Mittelmeer ertrunken. Nun hat Italiens Militär erstmals Flüchtlinge direkt aus Libyen geholt. Möglich macht das Italiens Kirche.

Flüchtlinge am italienischen Militärflughafen Pratica di Mare in Rom.
Die ersten per humanitärem Korridor geretteten Flüchtlinge.

Die geretteten 162 Flüchtlinge kommen aus dem Jemen, Somalia, Eritrea und Äthiopien. Sie haben zuletzt in libyschen Lagern gelebt - und wurden vom Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) nicht nur als Flüchtlinge anerkannt, sondern auch als besonders verletzlich eingestuft. Es sind Kinder, Familien, Schwache, Kranke und Senioren, auch ein drei Wochen altes Baby. Am Freitagabend sind sie die Ersten, die von italienischen Militärfliegern über einen humanitären Korridor in Sicherheit gebracht werden.

3.116 Tote auf dem Mittelmeer - allein 2017

Noch immer ist es für Flüchtlinge schwer, legal nach Europa zu reisen. Eine sichere Einreise ist praktisch unmöglich. Zwar haben in diesem Jahr bis zum 20. Dezember etwa 118.000 Menschen den Weg über das Mittelmeer an Italiens Küsten überlebt. Doch 3.116 Menschen kamen im selben Zeitraum auch ums Leben. Eine humanitäre Katastrophe vor den Augen Europas - die der humanitäre Korridor zumindest ein bisschen lindern soll.

"Das ist eine wirklich bahnbrechende Entwicklung", sagt der UN-Gesandte für das zentrale Mittelmeer, Vincent Cochetel. Und auch Italiens Innenminister Marco Minniti spricht nach den ersten Flügen von einem "historischen Moment". Erstmals sei ein humanitärer Korridor geöffnet worden, um vom UNHCR anerkannte Flüchtlinge aus der Illegalität zu holen. Der Vorsitzende der italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Gualtiero Bassetti, sieht in den humanitären Korridoren grundsätzlich einen Weg, um viele Menschen zu retten.

Denn das ist das Ziel der humanitären Korridore, einem Konzept, das Italiens Innenministerium und Bischofskonferenz gemeinsam entwickelt haben. Sie wollen zunächst die sichere und legale Einreise ermöglichen und anschließend mit einer längerfristigen Begleitung eine bessere Integration der Flüchtlinge gewährleisten.

Finanziert aus Kirchensteuermitteln

Italiens Bischöfe und die Regierung in Rom hatten im Januar ein auf zwei Jahre angelegtes Abkommen dazu geschlossen. Finanziert wird die Aufnahme demnach aus Kirchensteuermitteln. An der Unterbringung beteiligten sich Pfarreien, Familien, Ordenseinrichtungen und Hilfsorganisationen.

Zu den Vorreitern des Modells der humanitären Korridore zählt die katholische Gemeinschaft Sant'Egidio. Deren Gründer, Andrea Riccardi, wurde am Freitag von Papst Franziskus empfangen. Er berichtete hinterher, der Papst habe das Engagement der Gemeinschaft für Flüchtlinge und besonders die humanitären Korridore gewürdigt; sie seien inzwischen "ein Vorbild nicht nur für Italien, sondern für ganz Europa".

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