Neu mit ZDF-Login:

Ab jetzt können Sie mit Ihrem ZDF-Login alle Videos der Mediathek beginnen und später geräteübergreifend fortsetzen.

Sie sind hier:

Herxheim in der Pfalz - "Hitler-Glocke" soll weiter läuten

Datum:

Die Kirchenglocke mit Hakenkreuz und Hitlerinschrift im pfälzischen Herxheim soll bleiben. Der Zentralrat der Juden ist fassungslos.

Der Gemeinderat des pfälzischen Örtchens Herxheim am Berg hat beschlossen, eine umstrittene Glocke aus der Nazizeit im Kirchturm hängen zu lassen. Eine Schrifttafel soll darauf hingeweisen, dass die „Hitler-Glocke“ ein Mahnmal zur Erinnerung sei.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Eng ist es im Saal des Gemeinschaftshauses von Herxheim am Berg. Nicht nur das Medieninteresse ist groß, auch rund 70 Dorfbewohner haben Platz genommen, um die Sitzung des Gemeinderats am Montagabend zu verfolgen. Einige von ihnen applaudieren, als das Abstimmungsergebnis verkündet wird: Die umstrittene "Hitler-Glocke", die das Dorf in der Pfalz im vergangenen Jahr bundesweit in die Schlagzeilen gebracht hat, soll auch in Zukunft im Kirchturm erklingen. Der Zentralrat der Juden in Deutschland reagiert fassungslos.

"Mahnmal gegen Gewalt und Unrecht"

"Die Gemeinde hat es nötig, dass wir Klarheit bekommen, in welche Richtung wir gehen wollen", sagt Ortsbürgermeister Georg Welker (parteilos) zu Beginn der Sitzung. Die Glocke mit einem Hakenkreuz und der Inschrift "Alles fuer's Vaterland - Adolf Hitler" gehört seit 1934 zum dreistimmigen Geläut der protestantischen Jakobskirche. Sie hatte über die Grenzen der kleinen Gemeinde hinaus für Aufsehen gesorgt. Der alte Ortsbürgermeister musste im vergangenen September zurücktreten, nachdem er in einem Fernsehinterview gesagt hatte, die Gemeinde sei stolz auf die Glocke. Die Glocke wurde zunächst stillgelegt. Die Evangelische Kirche der Pfalz bot an, die Kosten für die Demontage der alten und die Anschaffung einer neuen Glocke zu übernehmen.

Nach einem Gutachten der Glockensachverständigen Birgit Müller würden sich die Kosten für den Austausch auf insgesamt 50.500 Euro belaufen. Das Gutachten hatte der Gemeinderat im vergangenen Jahr in Auftrag gegeben - am Montagabend stellt Bürgermeister Welker die wichtigsten Aussagen vor: Die Glocke sei ein "akustisches Denkmal", heißt es im Gutachten. "Eine Entsorgung dieser Glocke in ein Depot eines Museumskellers, nur für etwaige Sonderausstellungen hervorzuholen, ist eine Flucht vor einer angemessenen und aufgeklärten Erinnerungskultur", schreibt die Sachverständige. Der Bürgermeister empfiehlt dem Gemeinderat daher, die Glocke im Turm zu lassen. Sie sei ein "Anstoß zur Versöhnung und Mahnmal gegen Gewalt und Unrecht", sagt er.

Gemeinderat stimmt deutlich für die Glocke

Die Gemeinderäte und der Bürgermeister stimmen geheim ab. Der Vorschlag des Bürgermeisters bekommt zehn Stimmen, drei votieren dagegen. Damit bleibt die Glocke im Turm. In Zukunft soll sie wieder in Betrieb genommen werden, an der Kirche soll eine Mahntafel auf die Geschichte des Geläuts hinweisen. Die Gemeinde will zudem jährlich zu Veranstaltungen einladen, die sich mit der Zeit des Nationalsozialismus befassen.

Auch Roswitha Kaiser, die Leiterin der rheinland-pfälzischen Landesdenkmalpflege, hat sich für den Erhalt der Glocke ausgesprochen. "Sie stammt aus einer renommierten Gießerei. Und die Qualität der Glocke ist so gut, dass man von einem Klangdokument sprechen kann", erklärte die Landeskonservatorin am Dienstag. "Zudem ist sie Teil einer Erinnerungskultur, der wir uns nicht entziehen können."

Zentralrat der Juden: Respektlosigkeit vor Opfern

Scharfe Kritik äußert dagegen der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster. "Die Entscheidung des Gemeinderats von Herxheim macht mich fassungslos. Sie zeugt von einer tiefen Respektlosigkeit vor allen Opfern des Nationalsozialismus", sagt Schuster. "Wie eine Kirchenglocke, die einem der größten Menschheitsverbrecher der Geschichte gewidmet ist, mit dem Christentum vereinbar sein soll, ist mir ein Rätsel."

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Ansicht aller Plattformen mit den dazugehörigen Geräten

Mit Ihrem ZDF-Login können Sie alle Videos der Mediathek beginnen und später nahtlos fortsetzen.

Screenshot von Mein ZDF

Eingeloggt, finden Sie Ihre Videos zum Weiterschauen auf der Startseite und in Ihrem "Mein ZDF"-Bereich.

Screenshot vom neuen Player Interface mit dem Weiterschauen-Button

Starten Sie die Videos ganz einfach an der Stelle, an der Sie zuletzt aufgehört haben zu schauen oder starten Sie mit einem Klick noch einmal von vorne.

Screenshot von der Startseite zdf.de

Haben Sie bereits einen "Mein ZDF"-Login, dann können Sie die Funktion direkt nutzen. Wenn nicht, freuen wir uns, wenn Sie sich anmelden!

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.