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Marathon-Sieg bei 32,7 Grad

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Leichtathletik-WM in Katar - Marathon-Sieg bei 32,7 Grad

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Sport in Katar - eine Herausforderung auch für Profis. Die Hitze ist sogar in der Nacht unerträglich. Die Leichtathleten leiden jetzt. 2022 sollen die Fußballer ran.

Bei extremer Hitze haben die Frauen bei der Leichtathletik-WM in Doha den Marathon bestritten. Die Kenianerin Chepngetich gewann – mit der schlechtesten Siegeszeit der WM-Geschichte.

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Beim letzten Interview 20 Minuten nach dem Zieleinlauf kippte Ruth Chepngetich plötzlich nach vorne. Ein Offizieller packte die neue Marathon-Weltmeisterin gerade noch am Arm. Die 25 Jahre alte Kenianerin triumphierte beim ersten Mitternachts-Lauf der WM-Geschichte in Doha, aber: Was für eine Tortur! Als Scheich Tamim bin Hamad Al Thani, das Staatsoberhaupt des Emirats, um Mitternacht den Startschuss gegeben hatte, wurden 32,7 Grad und eine Luftfeuchtigkeit von 73,3 Prozent gemessen. Die gefühlte Temperatur lag bei über 40 Grad.

Langsamste Siegeszeit der Geschichte

Es war ein hartes Rennen. Ich bin sehr glücklich über den Sieg und darüber, Gold nach Kenia zu bringen
Ruth Chepngetich

Die 25-jährige Chepngetich setzte sich nach 42,195 Kilometern in 2:32:43 Stunden durch. Es war die langsamste Siegeszeit der WM-Geschichte. Nur 40 der 68 gestarteten Teilnehmerinnen kamen in Katars Hauptstadt ins Ziel. "Es war ein hartes Rennen. Ich bin sehr glücklich über den Sieg und darüber, Gold nach Kenia zu bringen", sagte Chepngetich in ihrem ersten Interview und formulierte auch gleich Medaillenwünsche für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio.

Auf dem Kurs über sechs Runden à 7 Kilometer an der Strandpromenade Corniche hatte Chepngetich bei einer Verpflegungsstation nach 35 Kilometern entscheidend das Tempo verschärft und sich abgesetzt. Ihre Konkurrentinnen waren noch auf ihre Trinkflaschen konzentriert. Silber ging an Bahrain und Titelverteidigerin Rose Chelimo: Die gebürtige Kenianerin kam nach 2:33:46 Stunden ins Ziel vor Helalia Johannes aus Namibia (2:34:15). "Es war sehr heiß, die Luftfeuchtigkeit war sehr hoch", sagte Johannes später, während ihr Sturzbäche von Schweiß über den Körper liefen.

"Organisation war richtig gut"

Eine deutsche Teilnehmerin war nicht am Start. Die Szenerie hatte trotz der beleuchteten Strecke zunehmend etwas Gespenstisches: Nur am Anfang standen noch zahlreiche Zuschauer an der Strecke. "Die Fans haben nach den ersten Runden das Interesse verloren", sagte die amerikanische Läuferin Carrie Dimoff. "Aber die Organisation war richtig gut." Das befürchtete Szenario der Veranstalter, dass eine Athletin vor den Fernsehkameras zusammenbricht und diese Wüsten-WM mit ihren schwierigen Bedingungen weiter ad absurdum führt, blieb aus.

Jubel war bei Chepngetichs Zieleinlauf vor einem kleinen Publikum kaum zu hören. Immerhin bekam die Siegerin ein Küsschen von Weltverbandspräsident Sebastian Coe, ehe sie weitergereicht wurde und ihr dann irgendwann endgültig die Kräfte schwanden. Die Kenianerin hatte sich mit ihrem Streckenrekord beim Dubai-Marathon Ende Januar als WM-Favoritin empfohlen. Damals gewann sie in 2:17:08 Stunden - die drittbeste je gelaufene Zeit.

Nur Weltrekordlerin Paula Radcliffe (Großbritannien/2:15:25) und Afrika-Rekordlerin Mary Keitany (Kenia/2:17:01) waren schneller. An solche Zeiten war in Doha nicht zu denken. Im Zielraum stand jedoch auch die 41 Jahre alte Roberta Groner aus den USA. Sie bildet im Hauptberuf Krankenschwestern aus und ist Mutter von drei Kindern. Nach 2:38:44 Stunden kam sie als sagenhafte Sechste ins Ziel - und hatte noch Luft für jede Menge Interviews. "Ich weiß meine Zeit nicht, aber ich bin absolut zufrieden", sagte sie und redete und lachte und hörte gar nicht mehr auf damit.

Leichtathletik-WM in Katar - Läufer schleppt entkräfteten Konkurrenten über die Ziellinie
Ein 5.000-Meter-Läufer in Katar schleppt seinen entkräfteten Konkurrenten über die Ziellinie.
Quelle: reuters

Minister Müller fordert Klima-Ausgleich

Anlässlich der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Katar hatte Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) die Organisatoren dazu aufgerufen, einen Ausgleich für die Klimabelastung zu schaffen. Katar liege mit 50 Tonnen Kohlendioxid pro Kopf an der Weltspitze und richte jetzt die Leichtathletik-WM bei 45 Grad Hitze im Stadion mit Klimaanlage aus, sagte Müller in Berlin.

Auch bei der dortigen Fußball-WM in drei Jahren habe Klimaschutz keine Rolle gespielt. Mit acht gekühlten Stadien werde sogar noch eins oben draufgesetzt, so Müller weiter. Die Organisatoren in Katar und die teilnehmenden Verbände müssten ihren Beitrag erbringen. Das Mindeste, was die Organisatoren in Katar und die teilnehmenden Verbände leisten sollten, sei ihre Teilnahme klimaneutral zu stellen "und das mit einem vollen Ausgleich durch Kompensationsmaßnahmen in den Dürreregionen Afrikas und zum Schutz der Tropenwälder weltweit".

Die Vergabe der Fußball-WM 2022 an das finanzkräftige Katar ist besonders umstritten. Wegen der extremen Hitze im Sommer muss das Turnier dort wohl zu einer anderen Jahreszeit gespielt werden, was die Terminpläne der Profiklubs durcheinanderbringen würde.

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