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Klimaanlagen in Zügen - Bahn: Haben Hitze-Hausaufgaben gemacht

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Die Bahn sieht sich für Hitze im Sommer gerüstet. Sie tue alles, um ausfallende Klimaanlagen zu verhindern. Fachleute sehen das anders. Die ersten Ausfälle gab es schon.

Defekte Klimaanlage in einem ICE am 26.06.2019 in Frankfurt
Defekte Klimaanlage in einem ICE
Quelle: dpa

Für die Bahn war es ein einziges PR-Desaster: Berichte von Schülern, die in über 50 Grad aufgeheizten Zügen kollabierten. Der Vorfall ist nun zwar schon neun Jahre her, trotzdem wird die Bahn immer wieder neu daran erinnert, wenn wieder einmal eine Klimaanlage ausfällt.

Regionalzüge in Düsseldorf betroffen

Auch in diesem Sommer gab es schon wieder Pannen: Am Dienstag waren in zwei Regionalzügen bei Düsseldorf die Klimaanlagen gestört. Verletzte gab es nicht, dennoch rief die Bahn Rettungskräfte zum Düsseldorfer Flughafen-Bahnhof. "Wir machen das vorsorglich", teilte die Bahn mit. Auch in den sozialen Medien gibt es viele Posts, in denen Fahrgäste von ausgefallenen Klimaanlagen berichten. "Liebe Bahn, wenn die Klimaanlage ausfällt und Sie keine Ersatzplätze zur Verfügung haben, hilft der Hinweis, sich an das Zugpersonal zu wenden, auch nichts", beschwerte sich eine Kundin auf Twitter.

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Bahn vom Klimawandel stark betroffen

Laut einem von der Bahn in Auftrag gegebenen Gutachten aus dem Jahr 2015 ist der Konzern "von den Auswirkungen des Klimawandels so stark betroffen wie wohl kein anderes großes Unternehmen in Deutschland". Dennoch gibt sich die Bahn lernfähig und selbstbewusst. Sie beteuert, ihre Hitze-Hausaufgaben gemacht zu machen.

"Wir entwickeln unsere Maßnahmen zur Hitzevorbereitung kontinuierlich weiter und lassen dabei selbstverständlich die Erfahrungen aus den vergangenen Sommern mit einfließen", teilte eine Bahn-Sprecherin auf Anfrage von heute.de mit. Bereits in den letzten Sommern habe es "keine auffälligen Häufungen von Klimaanlagenausfällen" gegeben.

Insgesamt 34.000 Klimaanlagen

Die Erfahrung der letzten Jahre zeige, dass es "bei rund zwei bis drei Prozent der 34.000 Klimaanlagen" zu Störungen komme – wobei hier Störungen in einzelnen Wagen gemeint seien, nicht im gesamten Zug. Nach Angaben der Bahn ist die komplette ICE-Flotte mit Klimaanlagen ausgestattet. Von den Intercitys seien es 93 Prozent der Züge, im Regionalverkehr gut 80 Prozent. Alte Waggons würden nach und nach durch neue Züge mit Klimaanlagen ersetzt.

 "Die DB wie auch die anderen Bahnen haben vieles gemacht", bestätigt auch Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband "Pro Bahn". Allerdings kritisiert Naumann, dass immer noch viele alte Züge in Betrieb seien. "Die Klimaanlagen und Antriebseinheiten sind nicht für Temperaturen wie jetzt ausgelegt. Hier muss weiter modernisiert und nachgebessert werden", fordert Naumann.

Verwerfungen der Betonplatten möglich

Doch nicht nur die Züge bereiten ihm Sorgen - sondern auch die Infrastruktur: "Aufgrund der Hitze kann es zu Verwerfungen der Betonplatten kommen." Zum Teil seien Hochgeschwindigkeitsstrecken wie Berlin-Wolfsburg und Köln-Frankfurt fragil. "Wir brauchen weitere Forschungen und Tests, um präventiv arbeiten zu können", sagt Naumann. Im Gleisbereich könnte es zu hitzebedingten Verwerfungen kommen. Auch Lokomotiven und Triebwagen könnten versagen.

Laut dem Bahnspezialisten könnte die Bahn mit neueren Fahrzeugen und einer größeren Reserve besser auf Störungen reagieren. "Im Fernverkehr sind weitere ICE 4 bestellt worden. Bei den üblichen Lieferzeiten von drei bis vier Jahren wird man hier noch warten müssen", sagt Naumann. Der Verbandsvertreter kritisiert die Informationspolitik der Bahn. Diese sei "alles andere als optimal". Gerade bei heißen Temperaturen solle sie "mit mehr Personal für bessere Informationen sorgen". Auch solle die Bahn über die App "rechtzeitig über Störungen informieren und vor allem Alternativen nennen".

Erstattungen: Bahn verspricht Kulanz

Und wie sieht es mit Erstattungen aus? "Natürlich kommen wir unseren Kunden entgegen, sollte ihr Reisekomfort wegen einer gestörten oder ausgefallenen Klimaanlage beeinträchtigt gewesen sein", heißt es von Seiten der Bahn. Kunden sollten sich "mit einem Nachweis des benutzten Zuges an den Kundendialog wenden, der dann eine kulante Lösung finden wird", so das Versprechen.

Bahn-Kritiker verweisen gerne auf die Schweiz, wo der öffentliche Verkehr pünktlicher und besser organisiert sei. Allerdings ist die Schweiz flächenmäßig kleiner als Niedersachsen. Entsprechend ist das Streckennetz der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) dichter - sowohl was die Verteilung der Haltestellen als auch was den Taktverkehr betrifft. "Wir können zeitnah auf alternative Verbindungen ausweichen", sagt SBB-Sprecher Daniele Pallecchi.

Experte lobt Schweizer Bahn

Der Ingenieur Markus Hecht sieht die Eidgenossen deutlich besser aufgestellt. "Die Unterschiede liegen vor allen in der Wartung. Hier sind die SBB sorgfältiger und ziehen die Lieferindustrie hinzu, wenn sie Probleme haben", sagt der Professor der TU Berlin. Die Deutsche Bahn hingegen wolle "alles selber machen, um keinen Ärger mit den Gewerkschaften zu bekommen".

Auch hätten die SBB auf der Führungsebene "mehr Fachkenntnis" und gäben sich "nicht mit halben Lösungen zufrieden". Überhaupt lässt Hecht kein gutes Haar an der Deutschen Bahn: "Das Drama ist wie häufig bei der Bahn: Das Problem ist seit über zehn Jahren bekannt - und noch immer ist keine Lösung erkennbar."

Dem Autor auf Twitter folgen: @raphael_rauch

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