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Straßen, Schienen, Kraftwerke - Infrastruktur im Sommerstress

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Die Hitzewelle strapaziert nicht nur uns Menschen, sondern auch unsere Infrastruktur. Bleibt es weiter heiß und trocken, wird es für Schifffahrt und Energiegewinnung eng.

Hitzeschäden am Flughafen Hannover
Hitzeschäden am Flughafen Hannover
Quelle: dpa

Eine Reise zu Ferienzeiten verursacht bei vielen Urlaubern in jeder Hinsicht Schweißausbrüche. Die extreme Hitze der vergangenen Tage macht es nicht leichter: Unter dem gleißenden Licht der Sonne wölben sich Straßen, spalten sich Landebahnen und leeren sich Flüsse. Problematisch wird das vor allem, wenn eine Einschränkung zur nächsten führt. Glaubt man den Wettervorhersagen, ist Entspannung noch lange nicht in Sicht. Hier ein Überblick über den Sommerstress der deutschen Infrastruktur.

1. Straßen

In diesen Tagen glüht der Asphalt nicht nur in Actionfilmen. Bei sengender Hitze weitet sich der Beton auf Autobahnen aus und es gibt nur einen Ausweg, nämlich nach oben. Zu sogenannten "Blow-ups" kommt es laut ADAC vor allem bei alten Betonautobahnen. Bei stetigen Temperaturen über 30 Grad passieren solche Zwischenfälle immer wieder, zuletzt auf der A27. Bei den meisten betroffenen Autobahnen seien laut ADAC jedoch bereits Maßnahmen getroffen worden, um die Hitzeprobleme zu beheben.

Auch die Verkehrslage bleibt nach ADAC-Angaben schlecht, besonders am Wochenende. Seit dieser Woche befinden sich alle Bundesländer in den Sommerferien und während die einen mit dem Auto in den Urlaub aufbrechen, enden die Ferien für Urlauber aus Rheinland-Pfalz, Hessen oder dem Saarland. Der geübte Ferien-Autofahrer kann sich schon denken, was das bedeutet: Stau in beide Richtungen.

2. Flughäfen

Wie aufgerissener Asphalt aussieht, weiß seit letzter Woche auch der Flughafen Hannover. Hier sind vergangenen Dienstag drei mehr als 50 Jahre alte Betonplatten in der Landebahn unter der Hitze zerbrochen. 85 An- und Abflüge mussten gestrichen werden, die Bahn wurde über Nacht repariert. Die Flughafenfeuerwehr versucht jetzt, die Strecke mit Wasser zu kühlen, um weitere Brüche zu vermeiden. Trotzdem kämen solche "Blow-ups" an Flughäfen nur selten vor, sagt Isabelle Polders vom Flughafenverband ADV. Ausgeschlossen werden können sie aber auch nicht, warnt Polders: "Extreme und lang andauernde Wettersituationen wie die aktuelle Hitze stellen eine enorme Belastung für Beton- und Asphaltflächen dar."

Klimaforscher Stefan Emeis macht den Klimawandel für solche Szenarien verantwortlich und fordert im heute.de-Interview, die DIN-Normen für Landebahnen und Straßen entsprechend anzupassen.

3. Züge

Bei der Deutschen Bahn zwingt die Hitze vor allem eins in die Knie: die Klimaanlage. Reisende klagen alljährlich über die Ausfälle und auch dieses Jahr stellt keine Ausnahme dar. "Die Anzahl von hitzebedingten Ausfällen von Klimaanlagen oder sonstiger Fahrzeugkomponenten ist derzeit zwar leicht erhöht", räumt die Deutsche Bahn ein, "auffällige Häufungen oder größere Beeinträchtigungen der Fahrgäste wurden aber noch nicht festgestellt." Bislang laufe der Zugverkehr trotz der hohen Temperaturen weitgehend stabil.

4. Flüsse

Ein Frachtschiff passiert am 26.07.2018 eine Sandbank am Mittelrhein bei Kaub
Niedrigwasser am Rhein (Archivbild)
Quelle: dpa

Mit sinkenden Wasserständen kommt es auch zu Einschränkungen in der Schifffahrt. Zwar ist die Binnenschifffahrt weiterhin möglich, doch funktioniert das nur, wenn die Frachter leichter werden. "Die Ladungen werden wegen des Niedrigwassers auf mehrere Schiffe verteilt", erklärt Claudia Thoma von der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes. Doch auch dieses Prinzip geht in manchen Gewässern nicht mehr auf. Auf der Donau können nur noch leere Güterschiffe oder kleine Tagesausflugsschiffe verkehren. Teile der Elbe sind nicht einmal mit größeren Sportbooten befahrbar und die Oder ist für Güter- und Fahrgastschiffe zu flach.

Da wo es noch geht, versuchen die Schiffführer mit mehreren kleineren Fahrten Lieferengpässe zu vermieden. Doch das funktioniert nicht überall reibungslos.

5. Energiegewinnung

Den Engpass bekommt beispielsweise das Steinkohle-Kraftwerk Westfalen zu spüren. Es musste am Wochenende heruntergefahren werden, da die Kohle-Lieferungen stockten. "Die Braunkohle kommt vom Weltmarkt und wird über die Nordseehäfen Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam angeliefert", erklärt Guido Steffen von Kraftwerksbetreiber RWE. Von da aus muss sie über den Rhein verfrachtet werden. Hier kommt es aber zu Problemen. Wegen des stockenden Kohlenachschubs musste gespart werden, so Steffen. "Am Wochenende ist der Strombedarf geringer, deshalb wurde das Kraftwerk heruntergefahren." Mittlerweile laufe die Energiegewinnung aber wieder auf Hochtouren.

Auch bei den Kernkraftwerken spitzt sich die Lage zu. Sie benutzen Flusswasser zur Kühlung, das dann erwärmt wieder in die Flüsse zurückgeführt wird. Das Problem dabei: Das zurückgeführte Wasser darf nicht wärmer als 28 Grad sein, weil sonst die Fische sterben. Bei den jetzigen Temperaturen können Kernkraftwerke diese Werte aber schwer einhalten. Sieben Werke in Baden-Württemberg haben deshalb Ausnahmeanträge gestellt, die vom dortigen Umwelt- und Energieminister Franz Untersteller genehmigt wurden. Nur so sei die Energieversorgung gesichert und die Auswirkungen auf die Gewässerökonomie "vertretbar".

Doch was ist, wenn die Temperaturen weiter steigen? Die Solarstromeinspeisung sei zwar hoch, doch das reiche nicht, um ein Industrieland wie Deutschland ausreichend mit Strom zu versorgen, meint Steffen. Für diese Woche sei außerdem eine sehr geringe Windstromeinspeisung vorhergesagt. "Die meisten Windparks in Deutschland stehen." Ein Engpass sei aber trotzdem nicht zu erwarten, denn die Energieversorgung sei auf viele verschiedene Quellen gestützt.

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