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Dauerfrost und Sonnenschein - Hoch Hartmut bringt Eiseskälte

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Wer sich auf den Frühling gefreut hat, muss sich weiterhin gedulden. Denn eine neue Kältewelle sorgt ab dem Wochenende für eisigen Wind und bis zu 40 Zentimeter Neuschnee.

Archiv: Schneeverwehung mit Sonne und blauem Himmel in Bestensee, Brandenburg, Deutschland, aufgenommen am 10.01.2017
Noch aus dem Archiv, bald wieder aktuell: Schneeverwehungen nach eisiger Kälte.
Quelle: imago

Fast hatten wir die Hoffnung auf Schnee und Dauerfrost im Nicht-Winter 2017/18 schon aufgegeben: Seit Monaten rauschte ein Tiefdruckgebiet über den Atlantik mitten rein nach Mitteleuropa mit Wolken, Regen, Sturm und viel zu hohen Temperaturen im Gepäck. Da war kein kräftiges Winterhoch, dass dem frühlingshaften Treiben hätte Einhalt gebieten können. Frost gab es allenfalls kurz. Das ändert sich jetzt.

Hartmut bringt strammen Frost

Der späte Winter trägt den Namen Hartmut. So heißt das Hoch, das sich nun doch noch über Skandinavien gelegt hat, die Atlantikwärme blockiert und uns stattdessen die kälteste Luft zuführt, die Europa derzeit zu bieten hat: Unter minus 20 Grad Celsius liegen derzeit die Höchsttemperaturen im hohen Norden von Russland, Tendenz fallend. Dass es uns weniger hart trifft, liegt an der größtenteils eisfreien Ostsee, dem fehlenden Schnee in Mitteleuropa und dem inzwischen schon recht hohen Sonnenstand.

Wetterkarte: Hoch Hartmut - Hartmut bringt die Kälte, vom 23.02.2018
Hartmut bringt die Kälte.
Quelle: ZDF

Dennoch, die "Minus 20" kommt auch zu uns: Nachts, im Südosten und da vor allem in hochgelegenen Senken. Lokal wird es da auch noch kälter und es kann sogar der Kälterekord des Jahres unterboten werden. Der liegt seit dem 14. Februar bei minus 39,6 Grad, aufgestellt am Funtensee, einem Hochtal im Berchtesgadener Land. Da wohnt aber niemand.

Sonne, Wind und "Lake Effect"

In der Nacht zum Sonntag geht es los. Dann sinken die Temperaturen in Deutschland erstmals verbreitet unter minus 10 Grad. In der klaren und trockenen Luft kühlt der Boden besonders effektiv aus. Klare Luft in der Nacht, das bedeutet aber auch viel Sonne am Tag. Knapp elf Stunden sind astronomisch derzeit möglich und die bekommen wir in einem breiten Streifen von Nordrhein-Westfalen bis Bayern auch.

Im Nordosten gibt es einige Wolken und Richtung Ostsee beginnt es zu schneien. Das ist dort der Anfang einer brisanten Wetterlage: Ein strammer Nordostwind streicht über das mit 2 bis 4 Grad vergleichsweise milde Ostseewasser. Die Luft nimmt Feuchtigkeit auf, es bilden sich Schauer, die zum Teil weit ins Binnenland treiben und dort am Boden mitunter stattliche Neuschneemengen produzieren. Dieses Phänomen ist aus den USA von den Großen Seen bekannt und heißt "Lake Effect". Da es keine deutsche Bezeichnung dafür gibt, hat man den Begriff für die Ostsee übernommen.

Von Sonntag bis Mittwoch sind an einigen Abschnitten der Ostseeküste, auf den Ostseeinseln und zum Teil auch im Binnenland von Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern 10 bis 40 Zentimeter Neuschnee möglich. Da der Nordostwind in dieser Zeit fast durchgehend stark bis stürmisch weht, werden Schneeverwehungen auftreten, die den Verkehr enorm behindern.

Die Kälte fühlt sich noch kälter an

Wer weit genug im Süden und Westen wohnt (westlich der Weser sollte reichen), bekommt davon nur den Wind mit. Der weht auch hier frisch bis stark aus Nordost und lässt die Temperaturen, die selbst am Tag und bei Sonne nur im äußersten Westen null Grad erreichen oder knapp überschreiten rund 5 Grad kälter erscheinen. "Windchill" heißt dieses Phänomen, das sich nur schlecht ins Deutsche übersetzen lässt: "Windkühle" beschreibt die schneidende Kälte nur unzureichend.

Frühling erst mal nicht in Sicht

Bleibt die Frage, wie lange uns der Winter noch behelligt. Darauf gibt es im Moment keine sichere Antwort. Manches deutet auf eine zaghafte Milderung ab der zweiten Wochenhälfte hin. Es ist aber bekannt, dass diese spezielle Wetterlage von den Wettermodellen oft nicht richtig erfasst wird. Ein echtes Winter-Kältehoch hält sich - hat es sich einmal etabliert - hart(mut)näckig.

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