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Eine Brücke XXL für das Moseltal

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Verbindung vom Hunsrück zur Eifel - Eine Brücke XXL für das Moseltal

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Die Bauzeit war lang, die Kosten hoch und die Kritik laut - jetzt ist die Hochmoselbrücke fertig und für den Verkehr freigegeben. Eine Direktverbindung vom Hunsrück zur Eifel.

Nach acht Jahren Bauzeit wurde sie heute eröffnet – die Hochmoselbrücke. Das Bauwerk mit 1,7 Kilometern Länge und einer Höhe von 160 Metern verbindet den Hunsrück und die Eifel.

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Es ist ein Mega-Projekt im strukturschwachen Raum: die Hochmoselbrücke bei Zeltingen-Rachtig in Rheinland-Pfalz. Sie ist Teil eines 25 Kilometer langen Bundesstraßen-Ausbaus, genannt Hochmoselübergang, der eine Direktverbindung schafft zwischen Hunsrück und Eifel und damit auch zwischen den Benelux-Ländern und dem Rhein-Main-Gebiet.

Prestigeprojekt für 175 Millionen Euro

Für Politiker und Ingenieure ist es ein Prestigeprojekt: 1,7 Kilometer lang, 160 Meter hoch, 35.000 Tonnen Stahl wurden verarbeitet. Acht Jahre lang war es die größte Baustelle Europas. Der Stahlüberbau wurde Stück für Stück per Schwertransport an die Mosel gebracht, dort zusammengeschweißt und Millimeter genau vom Hunsrück auf der rechten Seite der Mosel bis zur Eifel auf der linken Seite der Mosel verschoben. Eine Meisterleistung der Ingenieure.

Hochmoselbrücke
Karte: Hochmoselbrücke verbindet Hunsrück und Eifel
Quelle: ZDF

Die Ausgaben allein für die Brücke betragen nach jetzigem Stand: 175 Millionen Euro, 45 Millionen mehr als veranschlagt. Das gesamte Projekt des Bundesstraßenausbaus kostet bisher 483 Millionen Euro. Kein Wunder, dass Politiker von Bund, Land und Region den neuen Mosel-Übergang als wichtiges Infrastrukturprojekt preisen, das nicht nur eine Verkehrsverbindung über Deutschland hinaus schaffe, sondern auch viele Vorteile schaffe für die Menschen in Hunsrück und Eifel, die sich immer schon abgehängt fühlten von den großen europäischen Wirtschaftsräumen.

Ein umstrittenes Mammutprojekt ist fertig: Heute wird die zweithöchste Brücke Deutschlands, die Hochmoselbrücke, für den Verkehr freigegeben.

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Größtes Brückenbauwerk Europas

Das ist eine ganz wichtige Verkehrsachse. Und das ist die Grundlage für weiteres Wachstum.
Volker Wissing, Wirtschaftsminister Rheinland-Pfalz (FDP)

"Es handelt sich um das größte Brückenbauwerk Europas, das neu in Betrieb genommen wird", sagt Volker Wissing, Wirtschaftsminister von Rheinland-Pfalz (FDP). "Die Hochmoselbrücke ist höher als der Kölner Dom. Sie hat auch sehr viel Geld gekostet. Aber sie schafft neue Chancen. Das ist eine ganz wichtige Verkehrsachse. Und das ist die Grundlage für weiteres Wachstum."

Doch das gigantische Projekt im schönsten Teil des Moseltals ist bis heute hoch umstritten. Als vor über 40 Jahren die ersten Planungen begannen, war es großes Thema in der Region. Die Meinung der Anwohner war von Anfang an geteilt. Dann war kein Geld da, die Pläne landeten in der Schublade. 30 Jahre später wurden sie wieder hervorgeholt. Eine Bürgerinitiative kämpfte jahrelang gegen das Projekt Hochmoselübergang. Doch nach acht Jahren Bauzeit haben sich selbst die Anwohner von Zeltingen-Rachtig in direkter Nähe der Riesenpfeiler mit dem Leben unter der Brücke abgefunden.

Sorge um Qualität des Weinanbaus

Die Hochmoselbrücke bei Zeltingen-Rachtig.
In der Kritik: die Hochmoselbrücke.
Quelle: Thomas Frey/dpa

Die Befürworter der Brücke hoffen auf den wirtschaftlichen Nutzen. Für die Kritiker verschandelt sie das Tal an seiner schönsten Stelle. Hier wachsen Spitzenweine. Die Winzer fürchten, dass die Brücke und ihre Zufahrtsstraßen den Wasserhaushalt und das Klima beeinträchtigen – und damit die Qualität ihrer Weine. Andere meinen, das Projekt sei überdimensioniert und berufen sich auf Zahlen des Bundes-Verkehrsministeriums. Laut Professor Rudolf Juchelka, Verkehrsgeograf an der Universität Duisburg-Essen, belief sich die Prognose auf 25.000 Fahrzeuge am Tag.

Hunsrück und die Eifel sind strukturschwache Regionen. Aber nur über Straßenbau kann man Regionen nicht stärken.
Rudolf Juchelka, Verkehrsgeograph Uni Duisburg-Essen

Die letzten Berechnungen des Verkehrsministeriums kurz vor Baubeginn 2010 gingen jedoch von nur 13.000 Fahrzeugen am Tag aus. "Politiker wollen sich mit Infrastruktur häufig Denkmäler setzen", meint Professor Juchelka. "Hunsrück und die Eifel sind strukturschwache Regionen. Aber nur über Straßenbau kann man Regionen nicht stärken. Man muss die Potenziale in den Regionen stärken. Und die Straße kann auch dazu dienen, dass man aus der Region wegfährt. Dann wäre der gegenteilige Effekt erreicht."

Betonsicherung für Berghänge

Blick auf die hohen Pfeiler der Brücke, im Vordergrund die Rebstöcke der Weinberge.
Berghänge nahe der Brücke musste gesichert werden.
Quelle: ZDF/Michele Parente

Eine Herausforderung für Ingenieure ist die Brücke allemal. Die steilen Mosel-Hänge mit ihren lockeren Böden sind gut für erstklassigen Riesling – aber schlecht für eine standfeste Brücke. Deshalb musste während der Bauarbeiten seit 2015 nachgebessert und ein sogenannter Kriechhang auf der Eifelseite stabilisiert werden, der sich um wenige Millimeter pro Jahr bewegte. Professor Rolf Katzenbach, Ingenieur für Bodenmechanik, hat dafür eine spezielle Konstruktion erarbeitet: sechs Betonröhren von sieben Metern Durchmesser, sogenannte Dübel, wurden senkrecht und bis 45 Meter tief in den Hang eingegossen, um ihn zu fixieren und zwei Pfeiler zu stabilisieren. Einer davon ist mit 160 m der höchste der Brücke.

Mögliche Erdbewegungen werden nun ständig beobachtet. "Dieses Monitoring macht uns sicher, dass das, was wir uns im Entwurf ausgedacht und ausgerechnet haben, stimmt", erklärt Professor Katzenbach. "Wir kontrollieren uns selbst durch diese Kontrollmessungen. Alles wird gesammelt in kleinen örtlichen Messzentralen und dann elektronisch kontinuierlich ausgewertet. Seitdem alles fertig gebaut worden ist, ist Ruhe eingekehrt und der Hang ist absolut stabil." Bei allem Für und Wider: Nun wird die Brücke für den Verkehr freigegeben. Ab Donnerstagnachmittag rollen die ersten Fahrzeuge in 160 m Höhe über das Moseltal. Eines ist sicher: Der Hochmoselübergang wird die Region auf jeden Fall verändern.

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