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Verkehrschaos am Brenner - "Dadurch entstehen Staus auf deutscher Seite"

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Tirol macht seit Herbst bei zu viel Verkehr den Brenner dicht - mit Auswirkungen auch in Deutschland. Vertreter der betroffenen Länder treffen sich nun, um eine Lösung zu finden.

Lastwagen, Staus, Blockabfertigung. Die Brenner-Autobahn von Österreich nach Italien ist eine der meistbefahrenen Alpentransitstrecken Europas. Eine Lösung für den LKW-Verkehr soll heute der „Brenner-Gipfel“ bringen. Doch die Fronten sind verhärtet.

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2 min
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heute.de: Es stockt an einer der wichtigsten Hauptschlagadern durch die Alpen. Vor allem die so genannten Blockabfertigungen für Lastwagen stehen aktuell in der Kritik. Worum genau geht es da?

Sabine Lehmann: Mit den Blockabfertigungen will das österreichische Bundesland seit Herbst 2017 den Verkehr an Tagen mit absehbar hohem Verkehrsaufkommen regulieren. Dann werden pro Stunde nur etwa 250 bis 300 Lkw durchgelassen, danach ist Stillstand. Die Tage mit Blockabfertigung werden sehr kurzfristig festgelegt und bekanntgegeben.

heute.de: Was will man damit erreichen?

Sabine Lehmann
Sabine Lehmann ist Geschäftsführerin des Landesverbands Bayerischer Spediteure (LBS). Der Verband agiert als Fach-, Arbeitgeber- und Interessenverband für das Speditions- und Logistikgewerbe in Bayern. Quelle: privat

Lehmann: Anlass war offensichtlich ein Verkehrschaos auf der A12 in Tirol rund um Pfingsten im vergangenen Jahr. Durch die Blockabfertigung will man durch weniger Verkehr für weniger Staus und mehr Verkehrssicherheit sorgen. Auf der anderen Seite erreicht man genau das Gegenteil: Es entstehen dadurch lange Staus auf deutscher Seite - teilweise auf der A93 bis zum Inntaldreieck und zurück bis auf die A8. Das Problem der Verkehrssicherheit wird damit also auf die deutsche Seite verlagert. Aber dort steigt nicht nur die Unfallgefahr, das zieht auch weitere Probleme nach sich. Die Fahrer, die über Stunden im Stau stehen, können zum Beispiel ihre Lenk- und Ruhezeiten nicht mehr einhalten. Die können ihre Fahrzeuge ja nicht einfach auf dem Seitenstreifen abstellen und Pause machen.

heute.de: Eine willkürliche Schikane seitens Tirol?

Lehmann: Schikane würde ich das jetzt nicht nennen wollen. Natürlich ist die Situation problematisch. Der hohe Verkehr durch Pkw und Lkw sorgt dafür, dass Österreich ein erhebliches Transitproblem hat. Das hat Deutschland aber auch. Schon seit langer Zeit laufen viele, eigentliche österreichische Verkehre über deutsche Autobahnen und Bundesstraßen. Es kann nicht die Lösung sein, dass ich mein Problem auf die Nachbarländer verschiebe. Deshalb begrüße ich dieses länderübergreifende Treffen jetzt auch ausdrücklich. Es wird allerhöchste Zeit, dass man eine Lösung findet.

Karte Brennerautobahn
Karte mit der Autobahn über den Brenner Quelle: ZDF

heute.de: Wie ließe sich denn der Transitverkehr durch Österreich reduzieren?

Lehmann: Man könnte natürlich einiges auf die Schiene verlagern. Es ist ja nicht so, dass die Spediteure das nicht gerne nutzen würden - aber diese Angebote reichen derzeit nicht aus, auch in der Qualität nicht. Die "rollende Landstraße" durch Tirol, bei der der komplette Lkw samt Fahrer mit der Bahn fährt, hat zum Beispiel den Nachteil, dass der Fahrer auf dieser Strecke laufenden Lohn kostet. Außerdem wurden da die Kapazitäten heruntergefahren. Aber auch die Lösungen, bei denen nur der Auflieger des Lkw im kombinierten Verkehr auf der Schiene transportiert wird, haken. Da haben wir auf deutscher Seite zum Beispiel noch viel zu wenig Kapazitäten. Und es fehlen Verladeterminals. Es macht keinen Sinn, mehr als 100 Kilometer mit dem Lkw zu fahren, um einen Hänger auf die Schiene zu setzen oder abzuholen. Es müssen neue Kapazitäten geschaffen werden, damit eine wirtschaftlich sinnvolle Verlagerung auf die Schiene überhaupt möglich ist.

heute.de: In absehbarer Zeit wird es ja dann auch den Brenner-Basistunnel für Güterverkehr auf der Schiene geben.

Lehmann: Bis 2026 oder 2027 werden wir da wohl noch warten müssen - dann wird der Brenner-Basistunnel fertig sein. Aber schon jetzt ist absehbar, dass die Zulaufstrecke auf deutscher Seite dann noch längst nicht fertig ist. Richtig rosig sind die Ausblicke da also auch noch nicht.

heute.de: Ließe sich denn nicht wenigstens ein Teil des Transitverkehrs durch Österreich über die Schweiz leiten?

Sabine Lehmann: Das hängt doch immer auch davon ab, welches Ziel man jenseits der Alpen hat. Es gibt mehrere Alpenquerungen, nicht jede ist sinnvoll für jedes Ziel. Unnötige Umwege zu fahren, ist weder ökonomisch noch ökologisch sinnvoll. Und gegenüber der Schweiz hat Österreich natürlich den klaren Vorteil, dass es zu EU gehört. Da ist die Schweiz als Drittland schon deutlich komplizierter beim Warenverkehr.

Das Interview führte Christian Thomann-Busse.

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