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Holocaust-Überlebende mahnt - "Junge Menschen dürfen nicht schweigen"

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Sie wollte noch den Prozess gegen den ehemaligen KZ-Wachmann Bruno D. erleben. Esther Bejarano hat Auschwitz überlebt und engagiert sich gegen rechts. Auch mit 95 noch.

Esther Bejarano ist dem Grauen des KZ Auschwitz entkommen und lebt heute in Hamburg. Im ZDF-Interview warnt sie eindringlich vor dem Erstarken rechter Parteien in Deutschland.

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Es war ein schwerer Gang für die fast 95jährige alte Dame. Als sie vor einigen Tagen im Hamburger Landgericht den Saal 300 betrat, wusste sie natürlich schon, wie schwer die kommenden Stunden für sie werden sollten. Angeklagt ist hier der ehemalige SS-Angehörige 93jährige Bruno D., der sich als einer der vermutlich letzten NS-Täter vor Gericht verantworten muss. Als 17jähriger wurde er als Wachmann in das Konzentrationslager Stutthof bei Danzig kommandiert und bewachte dort mit der Waffe in der Hand die Lagerinsassen.

Der kann doch nicht behaupten, dass er nichts gewusst und nichts gesehen hat, das ist doch unmöglich. Wer dort war, der hat das alles gesehen. Furchtbar!

So sagt es Esther Bejarano, die das Grauen in Auschwitz und später auch im KZ Ravensbrück selbst erleben musste.  

Esther Bejarano war 18, als sie nach Auschwitz kam. Für sie war es das Schwerste überhaupt, für die Lagerinsassen Musik zu machen und "als die SS sich dann noch einfallen ließ, dass wir spielen müssen, wenn neue Transporte kommen, die für die Gaskammern bestimmt waren. Und wie die Leute uns zu gewunken haben aus den Zügen und gedacht haben, wo Musik spielt, da kann es ja nicht so schlimm sein. Das war das Schlimmste, was mir passiert ist."

Esther Bejarano, Jahrgang 1924, wuchs zunächst im Saarland auf, bevor sie 1943 in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz deportiert wurde. Sie spielte das Akkordeon im sogenannten Mädchenorchester und entging wohl nur deshalb den Gaskammern der Nazis. Anders als ihre Eltern und ihre gerade erst verheiratete Schwester Ruth, die grausam getötet wurden. Nur, weil sie Juden waren, oder "Halbjuden", wie es im Nazijargon hieß.

"Nie Wieder"

Esther Bejarano kann es nicht fassen, dass ein Dreivierteljahrhundert nach der Nazi-Diktatur wieder Anschläge gegen Juden und jüdische Einrichtungen - wie jüngst in Halle - Realität sind. Fast 75 Jahre ist es jetzt her, dass auch Esther Bejarano durch die Alliierten befreit wurde. Sie wanderte nach Israel aus, kam mit ihrem israelischen Mann nach Deutschland zurück und lebt nun schon lange als Witwe in Hamburg, ihren Sohn und ihre Tochter in der Nähe. Aber sie, die alte, kleine Dame ist zeitlebens die Kämpferin geblieben, zu der sie bereits als junge Frau unter der Nazi-Herrschaft wurde.

Das eigene Schweigen brechen

Seitdem hat sie viel getan, hat ihr eigenes Schweigen, auch gegenüber ihren Kindern, gebrochen. Und alles erzählt, was sie erlebt hat. Ist in Schulen gewesen, hat junge Menschen auch als Sängerin mit der "Microphone Mafia" erreicht, einer Rapper-Band, mit der sie nun schon seit Jahren Front macht gegen Neonazis und Rechtsextremismus. Auch mit dem Auschwitz-Komitee und mit der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN-BdA) macht sie immer wieder auf die Gefahren von Rechts aufmerksam.

Über Rechtspopulismus und über offenen oder versteckten Rassismus und Rechtsextremismus heutzutage, so Esther Bejarano, dürfe nicht wieder geschwiegen werden.

Ralf Zimmermann von Siefart leitet das ZDF-Studio in Hamburg.

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