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Grillkohle aus Tropenholz - Raubbau für den Grillspaß im Garten

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Für das Grillen im Garten wird wertvolles Tropenholz gerodet und ganz legal nach Deutschland importiert. Gesetzeslücken und Preisdruck führen zu dubiosen Praktiken in der Branche.

Stiftung Warentest hat 17 Holzkohlesäcke geprüft: In fünf Produkten steckte Tropenholz. Für den Grillspaß im Garten wird wertvolles Tropenholz illegal gerodet und nach Deutschland importiert.

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28 min
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Holzkohle - ein brandheißes Thema, nicht nur aus Sicht des Klimaschutzes. Bei einer aktuellen Untersuchung der Stiftung Warentest kam heraus, dass von 17 getesteten Grillkohlesäcken fünf nicht deklariertes Tropenholz enthielten, eine Marke war sogar mit einem falschen FSC-Siegel versehen. Das Siegel steht für eine nachhaltige Forstwirtschaft, bei der nur so viel Holz für Grillkohle entnommen wird, wie nachwächst. Die Umweltorganisation WWF hatte schon in den Vorjahren ähnlich viel Tropenholzkohle entdeckt – und massive Gesetzeslücken moniert, die den Import sogar legal machen.   

Die EU ist ein wichtiger Markt für Grillkohle. 850.000 Tonnen nutzen die Europäer jährlich zum Grillen. Ein Großteil kommt aus Afrika und Südamerika. Auflagen für die Einfuhr in die EU gibt es – anders als bei Möbeln – nicht. Herkunftsländer wie Nigeria und Paraguay forcieren den Export und liefern einen Großteil der Ware, die in der EU die Grills befeuert. Dabei ist Tropenholzkohle aus diesen Ländern mit einem hohen Risiko verbunden. Illegaler Holzeinschlag, Raubbau, Ausbeutung und Korruption führen zur massiven Umweltzerstörungen.

"Die Branche ist höchst intransparent", kritisiert Johannes Zahnen vom WWF Deutschland. "Die Grill-Freunde freuen sich auf einen schönen Grillabend und rechnen nicht damit, dass sie hier für zwei Euro Regenwaldzerstörung einkaufen."

Klimaveränderungen und Ernteausfälle

Zwei Drittel der weltweit produzierten Holzkohle kommt aus Afrika. Die Auswirkungen sind enorm. Allein Nigeria stellt Holzkohle fast ausschließlich für den Export in die EU her. Dafür nimmt das Land in Kauf, riesige Waldareale zu vernichten. Denn die Bäume werden meist unkontrolliert - oft sogar illegal - gefällt und nicht nachgepflanzt. Nur noch zwölf Prozent der Landesfläche ist mit Wald bedeckt. Dennoch setzt Nigeria weiterhin auf das Wirtschaftsgut Holzkohle. Dadurch gehen pro Jahr 400.000 Hektar fruchtbares Land verloren. Bodenerosion, Ernteausfällen und Verwüstung sind die Folge.

Gerade die Big Player am Markt - Paraguay, Nigeria und andere afrikanische Staaten -  sind hochproblematische Herkunftsländer von Holzkohle. Dort gibt es nur wenige zertifizierte Wälder, wo nachhaltig gewirtschaftet wird – und wo es Kontrollen gibt, sind sie lückenhaft. Korruption spielt ebenfalls eine große Rolle.

Gesetzeslücke fördert Intransparenz

Die problematische Billigkohle kommt ganz legal in die EU. Für die Einfuhr von Holz nach Europa gilt die Europäische Holzhandelsverordnung (EUTR – European Timber Regulation). Darin werden von allen importierenden Unternehmen Nachweise für den Ausschluss von illegalen Holzquellen gefordert. Das gilt also auch für Tropenhölzer jeglicher Art.

Aber eben nicht für Holzkohle. Für die gibt es keinerlei Beschränkungen und Kontrollen, wenn sie in die EU eingeführt und dort verkauft wird. Weder Produzenten noch Zwischenhändler noch Abfüller müssen also angeben, woher ihre Holzkohle genau kommt. Auch Angaben über Herkunftsländer sowie die enthaltenen Holzsorten bleiben unklar. Zudem halten sich Supermärkte, Tankstellen und Baumärkte, die die Ware verkaufen, bedeckt und verlangen keine genaue Etikettierung.

Denn die Tropenholzkohle ist besonders billig, oft sogar ein Lockangebot. Hinweise auf den bedenklichen Inhalt gelten als Kaufhemmnis. So finden Grillfreunde, die es genauer wissen wollen, oft nur vage oder sogar irreführende Informationen auf den Papiersäcken. Im Kleingedruckten findet sich hierzulande meist nur der Hinweis auf "europäische Wälder".

Polen: Drehscheibe für Holzimporte in die EU

Meist wird die tropische Holzkohle oft zunächst nach Polen importiert, wo heimische Kohle beigemischt und umetikettiert wird. Von Polen geht die Ware dann nach Deutschland und in andere EU-Länder. Natürlich gibt es auch seriöse Anbieter, die ihre Grillkohle aus nachhaltiger Waldwirtschaft herstellen. Aber nur vier Betriebe stellen sie selbst her. Viele andere panschen ihre Kohle aus zweifelhaften Quellen rund um die Welt zusammen und packen sie dann um.

Seit neuestem haben Umweltschützer auch die Ukraine im Visier. Dort gibt es zwar kein Tropenholz; dennoch werden oft unkontrolliert uralte Laubwälder abgeholzt. "Gerade nach Polen liefert der bedeutende Holzmarkt Ukraine mittlerweile sehr viel Holz für Grillkohle aus zweifelhaften Quellen, aus alten, nicht nachhaltig bewirtschafteten Wäldern, die so zerstört werden, und die Polizei schaut weg. Das ist nicht besser, als das, was mit den tropischen Wäldern passiert", so Grillkohlehändler Werner Berg.

Auf Nachhaltigkeitssiegel achten

In westeuropäischen Ländern ist das Umweltbewusstsein immerhin gestiegen. Doch die Billigpreise verlocken weiterhin viele Anbieter in der EU zu diesem Etikettenschwindel. Immer noch findet sich die Billigkohle aus den Tropen und der Ukraine bei Discountern, die über den Preis punkten. Und auch große Handelsketten, die ihren deutschen Kunden Ware mit Herkunftsnachweisen anbieten, verkaufen Tropenholzkohle in ihren ausländischen Filialen bedenkenlos weiter. In osteuropäischen Ländern können sich viele Menschen die teurere Ware aus nachhaltiger Produktion gar nicht leisten.

Schutz vor dubioser Ware bieten die gängigen Umwelt-Zertifikate FSC und PEFC.  Beide Siegel bescheinigen, dass die Grillkohle aus nachhaltiger Waldwirtschaft stammt und unbedenklich genutzt werden kann. Dabei legt das FSC-Siegel strengere Maßstäbe an und macht unangemeldete Kontrollen vor Ort. Diese Kontrollen sind auch der Grund dafür, warum zertifizierte Grillkohle in der Regel etwas teurer ist als die gepanschte Billigware vom Discounter.

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