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Unternehmensgründung gegen Gewalt - Von der Street Gang zum Fashion Start Up

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Schwarz, schwul, ausgegrenzt: In Washington D.C. haben junge homo- und transsexuelle Afro-Amerikaner eine Gang gegründet, um im alltäglichen und allgegenwärtigen Schwulenhass zu überleben. Jetzt suchen sie mit dem Einstieg ins Modegeschäft einen Ausweg aus der Kriminalität.

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Lippenstift, Designertaschen und High Heels gehören normalerweise nicht zur Grundausstattung eines typischen Gang Mitglieds. Anders bei der Gang "Check It": Gegründet 2005 von einigen wenigen Jugendlichen - zum gegenseitigen Schutz vor homophober Gewalt - zählt die Gang heute mittlerweile über 200 Mitglieder. Viele von ihnen ausgestattet mit Vorstrafen, darunter Raubüberfälle, Drogenhandel und Schlägereien.
Star Bennett ist eine der Veteraninnen der Gang. Die heute 27- Jährige erzählt, dass die "Check It"-Familie ihr und den anderen Jugendlichen ein Gefühl der Sicherheit, einen Zufluchtsort, bot, in einer Welt, in der das "Anders-sein" mitunter ziemlich gefährlich werden kann. Rache, Vergeltung, Gewalt schienen für sie der einzige Weg, sich zu schützen. "Die Leute in der Stadt sollten wissen, dass sie sich nicht mit Schwulen und Transsexuellen anzulegen hatten", so Bennett.

"Es war für mich nie eine Gang, ich sehe uns mehr als eine Familie"

Meist früh auf sich allein gestellt, hatten die Gangmitglieder sowieso schon mit allerlei Problemen zu kämpfen. In ihren Familien beherrschten schon früh Drogen, Gefängnis und Missbrauch den Alltag und in den Ghettos wurden sie geächtet, bedroht und zum Teil sogar attackiert.

"Strength in numbers" - zusammen hofften sie ihren Peinigern begegnen zu können, bisweilen mit ziemlicher Brutalität. Die Gang war ein Ort der Geborgenheit, an dem sie zum ersten Mal das Gefühl hatten, zu einer Gemeinschaft zu gehören. Hier brauchten sie keine Angst zu haben, ihre Sexualität konnten sie voll und ganz ausleben. Sie waren eine Ersatzfamilie. Für die Polizei waren sie eine Gang.

Von der Kleinkriminalität ins Modebusiness

Für Star Bennett kam 2011 der große Wendepunkt. Eines Nachts, sie war auf dem Weg nach Hause, wurde sie in eine Schlägerei verwickelt. Wieder mal! Aber diesmal landete sie im Gefängnis. Dort kam sie langsam zu sich. Gewalt war nicht die Antwort auf ihre Probleme. Aber ihr war auch klar: Wenn sie den Fängen des Gang-Lebens entkommen wollte, musste sich etwas ändern. Und da kam ihr die Idee mit dem Modeprojekt. Die Frage, wieso gerade Mode ein Ausweg für sie sei, beantwortet Bennett sehr klar: "Mode kennt keine sexuelle Orientierung, sie bekämpft dich nicht."
Natürlich haben Star Bennett und ihre Freunde den Wandel nicht alleine geschafft. Ronald Moten, selbst einmal Drogendealer und heute Sozialarbeiter, half ihnen dabei, einen Einblick in die Modewelt zu bekommen. Angefangen mit einer selbst organisierten kleinen Modenschau, ergatterten später sogar zwei Mitglieder die Chance, hinter den Kulissen der New-York-Fashion-Week zu arbeiten. Von nun an ging alles sehr schnell, sie besuchten ein dreimonatiges Modedesigner-Seminar, organisierten weitere Shows und verkauften ihre T-Shirts und Hoodies in einem lokalen Laden.

CHECK-IT-Enterprises

CHECK-IT-Enterprises ist ein kleiner Laden mitten in einem der ehemals gefährlichsten Viertel Washingtons. Früher regierten hier Drogen, Gangs und Gewalt. Heute bestimmen Yogastudios und Bioläden das Straßenbild. "Es fühlte sich so, so gut an! Ich war total aufgeregt", erzählt Bennett, die sich als Jungunternehmerin versteht. Diesen Sommer öffnete das Geschäft seine Türen. Mitglieder können dort auch Näh- und Tanzkurse besuchen oder Hilfe bei Fragen sexueller Aufklärung bekommen, hin und wieder werden auch kleine Partys organisiert - Designerladen und Szenetreffpunkt. Vor einigen Jahren wäre dies nicht möglich gewesen.

Glitzer und Glamour vs. Gangbrutalität

Auch die "Check It"-Mitglieder sehen sich noch heute vielen Anfeindungen gegenüber. Vor allem über das Internet erreichen sie häufig Hasskommentare, teilweise auch Bedrohungen, erzählt Bennett. "Diese Bedrohungen werden nie aufhören, sie hat es immer gegeben und wird es immer geben." Die Jugendlichen haben sich der Gesellschaft gegenüber geöffnet, sie haben einen Ausweg aus der Kriminalität gefunden. Mit ihrem Laden haben sie sich Respekt verschafft, ihren Platz in der Welt gefunden. Ganz ohne Gewalt.

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