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Globuli und guter Glaube - Die Homoöpathie und ihre Sonderstellung

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In Spanien, Frankreich und Großbritannien gerät die Homöopathie unter Druck. In Deutschland machen die Hersteller ein gutes Geschäft und setzen rund 600 Millionen Euro jährlich um.

Rund die Hälfte aller Deutschen hat laut einer Umfrage bereits Homöopathie ausprobiert. Auch Ärzte und Krankenhäuser setzen auf Globuli, ergänzend oder alternativ zur Schulmedizin.

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Die Homöopathie ist derzeit die populärste alternative Heilmethode in Deutschland. Bereits die Hälfte der Deutschen hat laut einer Forsa-Umfrage Globuli ausprobiert: 70 Prozent davon waren mit der Behandlung zufrieden. Auch die Ärzte- und Apothekerschaft setzt auf die Homöopathie als Behandlungsmethode. Rund 5.600 Ärzte haben derzeit eine fachliche Weiterbildung für Homöopathie und in jeder Apotheke sind homöopathische Mittel erhältlich. Die Kosten dafür übernehmen zum Teil die gesetzlichen Krankenkassen. Diese Stellung hat die Homöopathie sonst in keinem anderen Land der Europäischen Union.

Debatte um die Wirksamheit hat sich verschärft

Im Grundsatz fehlt bei der Homöopathie das Wirkprinzip: Während bei der Pflanzenheilkunde Auszüge aus Pflanzen gewonnen werden, werden bei der Homöopathie die Ausgangsstoffe so extrem verdünnt, dass von den Ausgangsstoffen in der Regel nichts mehr nachweisbar ist. Das Wissen darüber ist nicht neu - nur die Debatte darum hat sich europaweit verschärft.

Hierzulande verteidigt die deutsche Bundesärztekammer die seit 1937 bestehende ärztliche Weiterbildung für Homöopathie gegenüber ZDFzoom aus "Gründen der Patientensicherheit, denn nur der Arzt verfügt über die erforderlichen Kompetenzen, die Grenzen alternativmedizinischer Verfahren zu erkennen".

Einer der schärfsten Kritiker ist dagegen Josef Hecken, Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses: Jedes neue Medikament müsse dort gegenüber Vertretern der Ärzteschaft, Krankenkassen und Krankenhäuser "bis zur dritten Nachkommastelle" nachweisen, dass es besser wirke als bisherige Produkte. Nicht so die Homöopathe, kritisiert er: "Daneben existiert ein faktisch evidenzfreier Schrebergarten, in dem homöopathische Arzneimittel einem vereinfachten Zulassungsverfahren unterliegen, das keinerlei Wirksamkeitsnachweis verlangt. Das hat aber mit vernünftiger evidenzbasierter Medizin und mit vernünftiger Zulassungsprüfung überhaupt nichts zu tun." Hecken fordert deshalb, dass Homöopathika wie herkömmliche Arzneimittel das normale Zulassungsverfahren durchlaufen und in Studien ihre Wirksamkeit belegen müssen.

Sonderstellung dank starker Lobbyisten

Auch mit Hilfe der Überzeugungsarbeit von Lobbyisten befreite der Gesetzgeber 1978 die Homöopathie im Arzneimittelgesetz von jedem Wirknachweis - der sogenannten Evidenz. Seitdem müssen homöopathische Mittel lediglich beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) registriert werden. In der zuständigen Kommission sitzen ausschließlich Homöopathen. Einer der größten Lobbyisten-Verbände in Deutschland ist der Deutsche Zentralverein Homöopathischer Ärzte.

Ein zentrales Ziel des Verbandes ist die Verbreitung der Homöopathie im Gesundheitswesen sowie die Förderung von Forschungsvorhaben und die Ausbildung von Ärzten und Medizinstudenten in der Homöopathie. Letzteres ist auch das Ziel der Carstens-Stiftung: Sie unterstützt neben Forschungsvorhaben im Bereich der Homöopathie und Komplementärmedizin auch die Nachwuchsförderung an Hochschulen mit jährlich rund 1,5 Millionen Euro.

 

Apotheker bestehen auf Kontrolle

Der Bremer Gesundheitswissenschaftler Norbert Schmacke, der eines der kritischsten Fachbücher zur Homöopathie geschrieben hat, kritisiert die Hochschulen für die Kooperation mit der Carstens-Stiftung: "Man kann vereinfacht sagen, dass die Mehrheit der dort Lehrenden Überzeugungstäter sind. Und dass das Ziel ist, den Studierenden weiszumachen, dass die Homöopathie genauso ein medizinisches Fach ist wie Orthopädie, Frauenheilkunde, Allgemeinmedizin. Und das ist inakzeptabel."

Obwohl es kein Wirkprinzip gibt und keine Evidenz vorhanden ist, sind homöopathische Arzneimittel in Deutschland seit 1978 apothekenpflichtig. Der Apothekerverband und sein Präsident Friedemann Schmidt begründet dies heute mit der Patientensicherheit: "Bei Homöopathika ist der entscheidende Punkt, der für die Apothekenpflicht spricht, dass möglicherweise wichtige, lebensrettende Therapien unterlassen werden. Deswegen gehören die Arzneimittel in die Apotheke, auch wenn eine pharmakologische Wirkung bei diesen Arzneimitteln nicht vorhanden ist."

Mit homöopathischen Arzneimitteln werden oft erstaunliche Heilerfolge erzielt. Doch was ist eigentlich drin in den weißen Kügelchen und wie werden sie hergestellt? Mai Thi Ngujen-Kim zeigt das mal in unserem Lesch & Co-Labor.

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