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Boykott-Aufruf gegen Disney-Film - Hongkong-Demonstranten trotzen Warnungen aus Peking

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Es sind junge Menschen, die heute in Hongkong protestierten. Für Sonntag werden Hunderttausende erwartet. Und Aktivisten rufen auf, einen Disney-Klassiker zu boykottieren.

In Hongkong protestieren wieder tausende Menschen gegen die Regierung - trotz scharfer Warnungen aus Peking. Die Europäische Union mahnt zum Dialog und zu einem Ende der Gewalt.

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Die chinesische Schauspielerin Liu Yifei spielt in einem Remake des Zeichentrick-Klassikers "Mulan" von Disney die Hauptrolle. Liu hatte im chinesischen Mikroblogdienst "Weibo" - der ist so ähnlich wie Twitter, wird jedoch vom chinesischen Staat zensiert - sinngemäß geschrieben, sie unterstütze die Hongkonger Polizei während der anhaltenden Proteste, auch wenn das vielleicht einigen missfalle.

Tatsächlich sorgte ihre Äußerung in sozialen Netzwerken für Unmut. Unter dem Hashtag #BoycottMulan gibt es viele Reaktionen auf Twitter. Die Aussage der Schauspielerin verstimmt viele Menschen, weil die Polizei in Hongkong teils mit Gummigeschossen, Schlagstöcken und Tränengas vorgeht.

Liu Yifei
Liu Yifei
Quelle: imago

In Hongkong selbst sind heute Zehntausende Menschen zu einem neuen Protest-Wochenende auf die Straßen Hongkongs zurückgekehrt. Vor allem schwarz gekleidete junge Demonstranten beteiligten sich am Samstag an einem Protestmarsch gegen die Regierung, der zunächst friedlich blieb. Auch Familien mit Kinderwagen waren dabei. Gegen Abend, als sich der Marsch auflöste, versammelten sich einige Hundert vermummte Demonstranten vor einem Polizeirevier.

Es werden Ausschreitungen befürchtet - Gegendemo läuft auch

Zuvor hatten sich Tausende Protestler an einer ebenfalls friedlichen Kundgebung beteiligt. Im Verlauf des Wochenendes sind in der ehemaligen britischen Kolonie, die heute als Sonderverwaltungszone zu China gehört, weitere Proteste geplant. Befürchtet wird, dass es wieder zu Ausschreitungen kommt.  Aus Angst vor Krawallen schlossen am Samstag viele Geschäfte entlang der Route früher. Auch trugen einige der Demonstranten Gasmasken bei sich, die bei vorangegangen Protesten genutzt wurden, um sich vor dem Tränengas der Polizei zu schützen.

Ebenfalls am Samstag versammelten sich in einem Park Tausende Gegendemonstranten, wie die Hongkonger Zeitung "South China Morning Post" berichtete. Sie schwenkten demnach die chinesische Flagge und sangen die Nationalhymne. Gefordert wurde ein Ende der Gewalt in der Stadt.

Hongkong gehört seit 1997 zu China

In der 7,5-Millionen-Einwohner-Stadt geht ein Teil der Bevölkerung seit mehr als zwei Monaten immer wieder auf die Straße. Auf dem bisherigen Höhepunkt der Protestbewegung waren es etwa zwei Millionen Menschen. Zu einem Marsch am Sonntag hoffen die Veranstalter vom Bündnis Civil Human Rights Front wieder auf Hunderttausende Teilnehmer.

Karte: Hongkong - China
Hongkong, ehemals britische Kolonie, wurde 1997 an China zurückgegeben. Seither wird Hongkong autonom regiert, zum Vorteil seiner Bürger.
Quelle: ZDF

Hongkong gehört seit dem Abzug der Briten 1997 zu China. Eigentlich hat es bis 2047 noch umfangreiche Sonderrechte wie Presse-, Versammlungs- und Meinungsfreiheit garantiert. Die Demonstranten werfen der prochinesischen Stadtregierung unter Regierungschefin Carrie Lam aber vor, diese Rechte auf Druck aus Peking immer weiter einzuschränken. Inzwischen wächst international die Sorge, dass China gewaltsam eingreifen könnte. Die Bewegung wird von der jüngeren Generation getragen. Bei den Kundgebungen sind die meisten Teilnehmer jünger als 30 Jahre alt. Derzeit sind in Hongkong noch Schul- und Semesterferien.

Erziehungsminister Kevin Yeung Yun warnte aber jetzt schon davor, den Protest in die Schulen zu tragen. Auf Facebook schrieb er, es gebe andere Orte als Klassenzimmer, um seine Meinung kundzutun. Am Freitagabend hatten sich nach unabhängigen Schätzungen bereits mehr als 25.000 Menschen in der Innenstadt an einer Kundgebung beteiligt. Die Veranstalter selbst sprachen von mehr als 60.000 Menschen. Die Polizei hielt sich zurück. Mehrere Redner forderten Staaten wie die USA und Großbritannien auf, Hongkong im Kampf für demokratische Grundrechte nicht allein zu lassen.

Bei der Veranstaltung wurde auch eine Videobotschaft des Demokratie-Aktivisten Ray Wong gezeigt, der in Deutschland lebt. Er forderte vom Westen ebenfalls mehr Druck auf Peking. "Falls sich die chinesische Regierung Hongkong ohne jegliche Konsequenzen einverleiben darf, würde dies andere autoritäre Regime ermutigen."

"Wir wollen nicht, dass Peking uns regiert", sagt Joshua Wong, Studentenaktivist in Hongkong in einem ZDF-Interview. Sei das gesichert, gebe es keinen Grund für Separatismus. Sehen Sie hier das komplette Interview:

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