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Hotelboom in Deutschland - Kein Ende des Trends?

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Nicht nur in Hamburg, einem populären Reiseziel in Deutschland, entsteht ein Hotel nach dem anderen. Die Bandbreite ist riesig wie nie: vom Pop-Up-Zimmer bis zur Mega-Luxus-Suite.

Zimmerschlüssel hängen am 10.02.2014 in einem Hotel in München an einem Brett an der Hotelrezeption
Zimmerschlüssel hängen am 10.02.2014 in einem Hotel in München an einem Brett an der Hotelrezeption Quelle: dpa

Nachts im Museum. In Wismar ist das nicht nur ein Hollywoodfilmtitel. Bis Ende Februar darf äußerst exklusiv und dennoch günstig im Technischen Landesmuseum Mecklenburg-Vorpommern übernachtet werden. Fünfundzwanzig Euro kostet eine Nacht im zwölf Quadratmeter großen Prototypen eines mobilen Hotelzimmers, das das Hamburger Unternehmen Sleeperoo dort aufgestellt hat. Ein Preis, der allerdings nur in der Testphase gilt. 100 bis 250 Euro pro Nacht - je nach Aufstellungsort und Wochentag - ist der Preis, den Sleeperoo-Erfinderin Karen Löhnert anstrebt, wenn ihre transportable Übernachtungsgelegenheit im Steckbausystem im Sommer in Serie geht. 

"Exklusive Pop-up-Erlebnisübernachtungen in traumhafter Natur und an imposanten Kulturspots" nennt Löhnert das Konzept, in das sie bislang rund 250.000 Euro gesteckt hat. Erste Tests mit dem sowohl in- als auch outdoor aufstellbaren Schlafwürfel gab es unter anderem bereits im Norwegen Cruise Terminal in Kiel und in der Ruine von Burg Wredenhagen in Mecklenburg-Vorpommern.

Neuntes Wachstumsjahr in Folge

Im wahrsten Sinne des Wortes: Der deutsche Hotelmarkt ist in Bewegung. Und kennt derzeit nur eine Richtung: aufwärts. Bis November 2017 stieg die Zahl der Übernachtungen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um drei Prozent auf 431 Millionen, meldet der Hotelverband Deutschland (IHA). Den Großteil (353 Miliionen) machen inländische Gäste aus, ein Plus von zwei Prozent, aber auch ausländische Gäste besuchen verstärkt Deutschland. 78 Millionen Übernachtungen bedeuten einen Zuwachs um vier Prozent. Auch für 2018 erwartet der Verband, dass die Übernachtungszahlen weiter steigen, um 1,5 bis zwei Prozent. Es wäre das neunte Wachstumsjahr in Folge und ein Ende des Trends ist nicht abzusehen. In Zeiten niedrigster Zinsen lockt das Investoren.

Die Folge: Allein in Hamburg, einem der aktuell populärsten Reiseziele in Deutschland, wuchs die Zahl der Hotelbetten zwischen 2016 und 2017 um 2.300 auf mittlerweile 36.000. Gleichzeitig stieg die Auslastung der angebotenen Zimmer auf über 80 Prozent, freut sich die Landesgeschäftsführerin des Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA, Ulrike von Albedyll. Auch Dank der Elbphilharmonie. Das lange als Steuergeldgrab gescholtene Konzerthaus beginnt, seine enormen Baukosten zurückzuzahlen. Ein Hotelentwicklungsplan der Stadt sieht das Potential langfristig gar bei über 50.000 Betten. Und damit der Hotelneubau nicht mit dem Wohnungsbau kollidiert, unterstützt die Hamburger Wirtschaftsbehörde Investoren bei der Suche nach geeigneten Standorten.

Gefragt ist "Lifestyle"

Denn der Kampf um neue Standorte wird härter, so die IHA. Für die nächsten drei Jahre seien bundesweit 571 Neu-, Um- und Ausbauten geplant, mit denen 85.000 zusätzliche Hotelzimmer auf den deutschen Hotelmarkt drängen würden, vor allem in größeren Häusern, die kleinere Betriebe wie Gasthöfe und Pensionen verdrängen.

Die Chance der Kleinen liege angesichts der zunehmenden Individualisierung der Gesellschaft in spezialisierten Hotelkonzepten, in der Fokussierung auf klar definierte Gäste- und Stilgruppen. Lifestyle heißt das so schön in Neudeutsch. "Neben einem guten Produkt geht es um Erlebnisse, positive Emotionen und Geschichten" - hier könnten gerade kleinere, privat geführte Hotels punkten.

Von Budget bis Luxus

In den Markt drängen zum einen verstärkt günstige Anbieter wie Motel One, Ibis oder die japanische Toyoko-Gruppe, die im vergangenen März am Frankfurter Hauptbahnhof mit Kampfpreisen von 40 Euro pro Nacht ihre erste Filiale in Europa eröffnete. Gerade deutsche Gäste gelten als Sparfüchse und auch Geschäftsreisende steigen immer häufiger in Hotels der Zwei- oder Drei-Sternekategorie ab, wie die Hamburger DEHOGA-Landeschefin von Albedyll beobachtet. Andererseits will Logistik-Milliardär Klaus-Michael Kühne in diesem Frühjahr mit "The Fontenay" an der Alster Deutschlands luxuriösestes Hotel eröffnen. Mit Preisen ab 350 Euro für ein Standardzimmer. Die 200 Quadratmeter große Luxus-Suite wird allerdings 9.000 Euro kosten - pro Nacht versteht sich. Von Budget bis Luxus scheint derzeit alles zu gehen.

Schlafwürfel
Schlafwürfel Quelle: Sleeperoo GmbH

Apropos Luxus: Zwar müssen die Gäste von Karen Löhnert ihren rollbaren Schlafwürfel nicht selbst aufbauen, dafür aber auf eine eigene Toilette und Waschmöglichkeit verzichten. Weswegen der gewünschte Aufstellungsort des Pop-up-Zimmers in fußläufiger Entfernung eines öffentlich zugänglichen WC sein muss. Was im Wismarer Technikmuseum schon mal gesichert ist. Und ausreichend Proviant sollte mangels Restaurantbetrieb auch einkalkuliert werden. Im Sleeperoo reduziert sich das Angebot auf ein "Chillpack" mit einer Auswahl verschiedener Knabbereien und Getränke. Man kann eben nicht alles haben.

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