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St. Pauli empfängt den HSV - Ein Spiel spaltet Hamburg

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Allein durch die Rivalität der Vereine wäre im Derby St. Pauli gegen den HSV schon genug Brisanz vorhanden. Doch auch sportlich ist es ein echtes Spitzenspiel in der 2. Liga.

Spieler vom HSV und dem FC St. Pauli beim Hinspiel am 3. September 2018 im Volksparkstadion
Spieler vom HSV und dem FC St. Pauli beim Hinspiel am 3. September 2018 im Volksparkstadion
Quelle: imago

Die schlechte Nachricht vorab: Ein kühles Blondes wird es Sonntag am Millerntor nicht geben. Zumindest keines mit Alkohol. Aus Sicherheitsgründen. Denn es gilt der Ausnahmezustand in Hamburg: Der HSV trifft auf den FC St. Pauli. Das Stadtderby elektrisiert aber nicht nur Fußballfans und Polizei in der Hansestadt. Laut DFL wird es in über 60 Ländern live übertragen, schließlich haben beide Teams Fanclubs auf der ganzen Welt. Von den USA über die Vereinigten Arabischen Emirate bis Indonesien. Naturgemäß aber schlagen die Fußballherzen nirgendwo höher als in der Derbystadt selbst.

Geht um mehr als die Ehre

Am 25. Spieltag tritt der HSV als Tabellenzweiter im Millerntorstadion beim FC St. Pauli an, aktuell Vierter. Das Zusammentreffen der beiden Clubs, die - was Fankultur und sportliche Erfolge anbelangt - unterschiedlicher nicht sein könnten, birgt also nicht nur emotionalen Sprengstoff. Dieses Mal geht es nicht nur um die Ehre, es geht um die Tabellenspitze. Oder zumindest um die Aufstiegsplätze. Und dieses Mal treffen der ewige Underdog St. Pauli und der HSV als sechsfacher deutscher Meister und Europapokalsieger auf sportlicher Augenhöhe aufeinander.

Eingang des Millerntor-Stadions in Hamburg
Eingang des Millerntor-Stadions in Hamburg
Quelle: imago

Konflikte und gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Fanlagern hat es in der Vergangenheit auch ohne die ganz große sportliche Brisanz gegeben. Was also erwartet die Stadt am Sonntag? Fanclubs des HSV rufen zu einem Derbymarsch auf. Schon Stunden vorher wollen sie vom Dammtor-Bahnhof zum Millerntor marschieren. Die Gegenseite gibt sich entspannt. "Ein Derbymarsch ist normal", sagt der Fanclubsprecherrat des FC St.Pauli. "Mit dem Instrument der Provokation wird hier sicher auch gespielt. Inwieweit es dann zu Eskalation und Ausschreitungen kommt, hängt von vielen Faktoren ab."

Polizei reagiert auf "Risiko-Spiel"

Die Hamburger Polizei hat sich entsprechend gewappnet. Genaue Zahlen nennt Pressesprecher Timo Zill nicht, spricht aber von einem Großaufgebot, zu dem auch Bundespolizisten, Einheiten aus anderen Bundesländern und Wasserwerfer gehören. Im Hinspiel waren offiziell rund 1.800 Einsatzkräfte vor Ort. Weniger werden es dieses Mal mit Sicherheit nicht. "Die Deutsche Fußball Liga hat das Spiel als ein "Risikospiel" eingestuft", so Zill.

Die Polizeitaktik spaltet die Stadt dann auch geografisch: Nach Abpfiff soll es eine strikte Fantrennung geben, HSV-Anhänger dürfen sich nur südlich, St. Paulianer nördlich der Reeperbahn aufhalten. Im Falle von größeren Ausschreitungen hat die Polizei darüber hinaus angekündigt, das Hinweisportal für Bildaufnahmen zu reaktivieren, welches auch schon beim G20-Gipfel bei der Fahndung nach Straftätern eingesetzt wurde.

Duell um die Stadtmeisterschaft

Sportlich hatte das Hinspiel übrigens schiedlich-friedlich unentschieden geendet. Nach dem Abstieg des HSV aus der ersten Liga war das erste Stadt-Derby in der Geschichte der Zweiten Bundesliga Ende September 0:0 ausgegangen. Allerdings hat der HSV immer noch eine offene Rechnung zu begleichen. Den bislang letzten Sieg im Duell der Lokalrivalen können die Kiezkicker für sich verbuchen: 2011 gewannen sie im Volksparkstadion 1:0 und sind damit so etwas wie der amtierende Stadtmeister.

Derweil steckt der HSV - selbsternannter Aufstiegsfavorit - in einer Formkrise, die Euphorie der Hinrunde ist verflogen. Die zweitteuerste Mannschaft der Liga spielt seit Wochen schon nicht wirklich gut. Auswärts gab es in der Rückrunde bisher drei Niederlagen und ein Unentschieden. Zum Schrecken der zuletzt nicht immer sattelfesten HSV-Abwehr könnte Alex Meier werden. Der 36-jährige St.-Pauli-Stürmer ist so etwas wie das fleischgewordene Stadtderby, spielte in den Jugend-Mannschaften des HSV, wechselte zu Beginn seiner Profi-Karriere ans Millerntor, dann zurück zum großen Nachbarn. Nach 14 Jahren, in denen er bei Eintracht Frankfurt zum Publikumsliebling und "Fußballgott" wurde, schlüpfte er im Winter wieder ins Trikot der Braun-Weißen und erzielte in sechs Spielen fünf Tore.

Es ist also alles angerichtet für ein spannendes Derby. In Hamburg würde man jetzt sagen: "Budder bei die Fische". Die gute Nachricht zum Schluss wäre, wenn es dabei, davor und danach friedlich bliebe. 

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