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Huawei-Smartphones - Der Handelskrieg erreicht die Jackentasche

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Der chinesische Technologiekonzern Huawei gerät immer mehr zwischen die Fronten des Handelskriegs zwischen den USA und China. Wird da ein Unschuldiger zerrieben?

Ein Kunde mit einem Smartphone der Marke "Huawei"
Wer ein Huawei-Smartphone hat, dürfte die Folgen des Handelskrieges direkt zu spüren bekommen - etwa durch ausbleibende Android-Updates.
Quelle: dpa

Wären es doch nur metallene Bierfässer aus Deutschland oder Matratzen aus China. Die jüngste, erst einmal reichlich grotesk wirkende Runde im Zollstreit und Handelskrieg wurde von Donald Trump am Freitag um Mitternacht eingeläutet, und sie verheißt nichts Gutes.

Noch immer ist der amerikanische Präsident auf Konfrontation aus, wenn es um vermeintliche Handelsnachteile der USA geht, die in der Tat Güter für rund 540 Milliarden Dollar aus China importieren, dorthin aber nur Waren für 120 Milliarden verkaufen können. Hebel und Angelpunkt ist das US-Gesetz zur nationalen Sicherheit - die sieht man dort durch solche Ungleichgewichte bedroht, egal um welche Güter es sich am Ende handelt.

Huawei, der ideale Verdächtige

Mit dem Telekommunikationskonzern Huawei aber hat die amerikanische Regierung nun einen Verdächtigen ausgesucht, dem international tatsächlich Misstrauen entgegenschlägt. Huawei ist der zweitgrößte Smartphone-Hersteller der Welt, und der größte, wenn es um Netzwerkausrüstung geht. Enge Verbindungen zum chinesischen Staat und der herrschenden Kommunistischen Partei kann man kaum leugnen. Ob dies aber, wie behauptet, zum Verrat sensibler Daten und Erkenntnisse aus aller Welt an Peking führt, wurde bisher nicht nachgewiesen. Huawei klagt gegen seine Beschränkung des US-Geschäfts vor einem texanischen Gericht.

Doch die Lage ist weit ernster. Wenn nach einer Gnadenfrist von 90 Tagen Mitte August die Sanktionen in Kraft treten, bedeutet dies nicht nur das Aus für Huawei-Investitionen in den USA. Sondern auch das Ende jeder Zusammenarbeit mit amerikanischen Firmen. Deutschland wird besonders betroffen sein, denn diejenigen unter den hiesigen Unternehmen, die Huawei beliefern - und das sind nicht wenige -, die ihrerseits amerikanische Komponenten verwenden, müssen auf der Hut sein.

Sollte etwa ein Chip von Infineon oder eine Kamera von Leica mehr als 25 Prozent US-Bestandteile enthalten oder eine Software US-Lizenzen beinhalten, ist Schluss mit dem Business. Es drohen sonst Abermillionen an Strafen, ganz zu schweigen vom Ausschluss von amerikanischen Aufträgen. Es scheint sich Panik breitzumachen. Weit mehr als eine Milliarde Euro sind die deutschen Lieferungen an Huawei wert.

Angeblich beginnen Konzerne schon, ihren Mitarbeitern von Huawei-Smartphones abzuraten. Die Deutsche Telekom gar, die enorme Netzwerkkomponenten von Huawei bezieht, soll Diensthandys von Huawei nicht mehr ankaufen wollen - das Unternehmen will sich auf Anfrage dazu nicht äußern.

Sicher scheint allerdings, dass das Google-Betriebssystem Android in Zukunft nicht mehr für Geräte von Huawei lizenziert wird. Und US-Chips nicht mehr geliefert werden. Für Millionen Nutzer in Deutschland eine ernste Frage: Kauft man teurere Modelle wie etwa das P30 für rund 1.000 Euro noch, wenn demnächst keine Updates mehr kommen? Für deutsche Kunden kommt der Handelskrieg also nun direkt in die Jackentasche.

Zerstörung internationaler Zusammenarbeit

Auf globaler Ebene zeichnet sich weit mehr ab als nur ein Scharmützel um Geschäftsvorteile: Die Branche sei international so verflochten und arbeitsteilig, sagt der Technologie-Experte Klemens Skibicki, Professor an der Cologne Business School, dass kein Marktteilnehmer ohne Blessuren davonkommen dürfte. Dies auch noch vor dem Hintergrund, "dass da ja ein übergeordneter Kampf der USA mit China um die globale Vorherrschaft im Gange zu sein scheint".

In der Tat erinnert der Konflikt, in dem zurzeit auch alle Gesprächsfäden offiziell gekappt wurden, an Aufstieg und Fall von Großmächten in der Geschichte. Die längste Zeit der menschlichen Zivilisation war in der Tat China die allseits technologisch führende Macht. Und ist auf dem Wege, sich seine Rolle zurückzuerobern.

Den Vereinigten Staaten kommt der Riese immer näher - er ist längst nicht mehr verlängerte Werkbank des Westens. Mit dem Projekt der "Neuen Seidenstraße" ist China inzwischen größter Investor in Infrastruktur in zahlreichen Regionen Asiens, Afrikas und zunehmend auch Europas. Italien etwa hat sich als erstes EU-Land der Seidenstraßen-Initiative angeschlossen und damit keine neuen Freunde in Washington gewonnen - und in Brüssel sicherlich auch nicht.

Mann nutzt ein Smartphone vor einem Huawei-Store in Peking

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Die Google-Mutter Alphabet will nicht mehr an Huawei liefern. Der Android-Boykott hat Folgen: Was die Entscheidung für Bestandskunden bedeutet und warum Neukunden aufpassen müssen.

von Peter Welchering

Wird chinesische Technologie unabhängig?

Huawei könnte die Probe aufs Exempel werden, ob ein rein chinesischer Konzern es schafft, autark zu werden und auf solche Partner und Lieferanten wie Google oder etwa den Chiphersteller Intel zu verzichten. Das chinesische Wirtschaftswachstum stellt selbst in Schwächephasen das der USA oder gar Europas in den Schatten; die Mittelschicht in China wächst deutlich, und die Zahl der technischen Erfindungen ebenfalls.

Alle Zahlen deuten darauf hin, dass die Strategie des Donald Trump nicht aufgehen wird. Jedenfalls dann, wenn er eine "Eindämmung" des Rivalen China versuchen sollte. Huawei wird Wege finden, seine Marktmacht zu aus eigener Kraft zu erhalten - selbst wenn ein Gericht in Texas Trumps Sanktionen bestätigen sollte.

Geht die Entwicklung in China so weiter, dann werden die Schwerter der amerikanischen Zollkrieger schneller stumpf als man denkt. Aber der Weg zurück zu friedlicher Handelspartnerschaft ist dann erst einmal schwer zu finden, und gewiss nicht mehr aus einer Position der amerikanischen Stärke. Dann hätte der Furor des amerikanischen Präsidenten den chinesischen Fortschritt gar erst beschleunigt.

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