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Einmal Feuerwerk für 700 Euro, bitte

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Böllern zu Silvester - Einmal Feuerwerk für 700 Euro, bitte

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Feuerwerksscham? Welche Feuerwerksscham? Auf dem Werksgelände von Deutschlands größtem Hersteller Weco kaufen Fans Feuerwerk für Hunderte Euro. Umweltbedenken haben die wenigsten.

Susanne und Sabrina aus Köln kaufen Feuerwerk
Susanne und Sabrina aus Köln kaufen Feuerwerk
Quelle: ZDF/Dominik Rzepka

Die Rechnung von Sabrina und Susanne hat es in sich: 700 Euro für die "Premium-Bombetten-Batterie" mit 28 Schuss. Für die Raketen-Mischung "Magic Moments" mit 144 Schuss. Und für 40 "Super Böller". Das Feuerwerk, das die beiden Freundinnen aus Köln hier gerade kaufen, passt so gerade in vier große Kartons. Es sind große Kartons. Sehr große. Aus ihnen gucken oben die Raketen heraus.

Böllern bis fünf Uhr morgens

Susanne zückt erst Bargeld. Einen Hunderter, ein paar Fünfziger. "Kann ich mit Karte zahlen?", fragt sie dann. Ja, sie kann. Auf Kunden, die mehr Geld ausgeben, als sie Bargeld dabei haben, sind sie hier offenbar vorbereitet. Hier, beim Werksverkauf von Weco, Deutschlands größtem Feuerwerksproduzenten mit Sitz in Eitorf bei Bonn.

Die Umwelt kann man ja den Rest des Jahres schützen. Feuerwerk gehört einfach dazu.
Sabrina, Feuerwerks-Fan

"Wir treffen uns an Silvester um 20 Uhr mit Freunden", sagt Sabrina, die zum ersten Mal beim Werksverkauf dabei ist. "Um Mitternacht fangen wir dann mit dem Böllern an", sagt ihre Freundin Sabrina. Wie lange man Feuerwerk für 700 Euro verballert? "Meistens bis fünf Uhr morgens", sagen sie. Bedenken wegen der Umwelt haben sie nicht. "Ach, die Umwelt kann man ja den Rest des Jahres schützen", sagt Sabrina. "Feuerwerk gehört einfach dazu".

4.000 Tonnen Feinstaub

Ute Dauert würde diese Haltung gerne ändern. Sie ist Expertin für Luftqualität beim Umweltbundesamt. "In den ersten Stunden des neuen Jahres messen wir die höchsten Feinstaubkonzentrationen überhaupt in einem Jahr", sagt sie. Zu Silvester würden etwa 4.000 Tonnen Feinstaub explosionsartig in die Luft geschleudert, das entspreche etwa zwei Prozent der gesamten Feinstaubmenge in Deutschland. Gerade für Menschen mit Vorerkrankungen der Atemwege sei das gefährlich.

Das Bundesumweltamt rät auf seiner Webseite, Feuerwerk einzuschränken oder ganz darauf zu verzichten. 8.000 Menschen würden jedes Jahr Gehörschäden in der Silvesternacht erleiden. Außerdem helfe ein Verzicht der Umwelt. Schließlich würden bei der Produktion von Feuerwerk erhebliche Mengen Müll entstehen sowie Energie verbraucht.

Weco kritisiert Feinstaub-Schätzungen

Oliver Gerstmeier vom Feuerwerkshersteller "Weco"
Oliver Gerstmeier vom Feuerwerkshersteller "Weco" kritisiert die Feinstaub-Schätzungen.
Quelle: ZDF/Dominik Rzepka

In Eitorf wehren sie sich gegen solche Zahlen. Die Menge von 4.000 Tonnen Feinstaub beruhe auf Schätzungen, nicht auf Messungen, sagt Oliver Gerstmeier von Weco. Er wirft dem Bundesumweltamt zwar nicht Fake News vor, aber "definitiv politische Einflussnahme." Die Branche habe deswegen eigene Messungen in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse Ende Januar 2020 vorlägen. Die wahre Belastung durch Feinstaub dürfte deutlich geringer sein, so Gerstmeier.

Die aktuelle Verbotsdiskussion hält er für eine Stellvertreterdiskussion. Es stimme zwar, dass durch Feuerwerk Feinstaub entstehe. Ein Verbot hätte aber einen nicht messbaren Effekt auf die Umwelt. Außerdem würde der Sektor des illegalen Feuerwerks dann immens Zuspruch gewinnen. Und dann sei Feuerwerk auch eine Tradition: "Es ist für viele Deutsche ein Ausdruck von Freiheit im Sinne eines Demokratiebegriffes - hört sich vielleicht hochgestochen an, aber es ist so."

Zum Schluss die Batterie mit 905 Schuss

Die Batterie "Pyro Concept 905" kostet 250 Euro
Die Batterie "Pyro Concept 905" kostet 250 Euro
Quelle: ZDF/Dominik Rzepka

Vor der Fabrikhalle stehen inzwischen Hunderte Feuerwerks-Fans. Sie werden nur noch grüppchenweise in die Halle gelassen. Aus großen Boxen läuft Helene Fischer. Es gibt Kaffee für alle und Gummibärchen für die Kinder. Sabrina und Susanne verladen ihre Raketen auf einen Paketwagen, der mit einem Bügel geschoben wird. "Von Euch muss man ja ein Foto machen", sagen zwei Männer Anfang 50. "Dass Frauen mal Feuerwerk kaufen, das ist ja geil!"

Doch die beiden Frauen sind noch nicht fertig. Ganz am Schluss legt ihnen ein Verkäufer noch die "Pyro Concept 905" auf den Wagen. Die 905 steht für 905 Schuss. Es ist die Art von Batterie, die Nachbarn verstummen lässt. Sie wird zweimal angezündet und brennt rund fünf Minuten lang. Zum Finale sprüht sie Goldregen. Für die beiden Freundinnen aus Köln ist das heute das Highlight. "Ja, die brauchen wir auch", sagen sie und zahlen. Kostenpunkt: 250 Euro.

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