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Women's March gegen Trump - "Wir müssen es für unsere Töchter tun"

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Ein Jahr nach der Amtseinführung von Donald Trump zieht es landesweit wieder Hunderttausende Frauen auf die Straße. Sie wollen ein Zeichen setzen. Und es geht ihnen um Respekt

Frauen demonstrieren in NYC
Teresa (Mitte) fordert: "Frauen an die Wahlurne." Quelle: Maya Darhne

"Frauen Power", "Truth not Trump" steht auf den Plakaten. Dicht gedrängt sehen Frauen, Mädchen und Männer im Subway-Waggon. Debra und Laurette haben keine Protestplakate, sondern Kleiderbügel dabei. "Mein Körper gehört mir", steht darauf. "Wenn der Kerl im Weißen Haus so weitermacht, werden wir die Kleiderbügel bald wieder brauchen", erklärt Debra. "Damit haben Frauen vor gar nicht allzu langer Zeit selbst Abtreibungen vorgenommen." Debras Frau Laurette nickt. Die beiden sind unterwegs zu Freunden an der Upper West Side. Von dort aus wollen sie sich dem Protestmarsch anschließen. "Wir waren letztes Jahr dabei, wir sind dieses Jahr dabei und wir werden wahrscheinlich noch sehr lange marschieren und kämpfen für Frauenrechte in diesem Land unter diesem Präsidenten. Das hier ist kein Sprint, das ist ein Marathon."

Larry und Erica sind aus New Rochelle nach Manhattan gekommen, um mitzumarschieren. "Vor genau einem Jahr waren wir mit unserer Tochter beim Women's March dabei", erzählt Erica und zeigt Fotos auf ihrem Smartphone. "Diesmal haben wir unsere Freunde mitgenommen." Die ganze Gruppe trägt pinkfarbene Wollmützen. Auch Larry, ein rüstiger Mitsiebziger, hat sich seine grell rosafarbene Mütze über die Ohren gezogen. "Ein Bekannter von uns hat hundert dieser Mützen gestrickt, verschenkt und verkauft. Das Geld hat er an eine örtliche Frauenorganisation gespendet."

#MeToo und der Grabscher im Weißen Haus

Im Jahr eins der Regierung Trump ist der Women's March längst nicht mehr nur Frauensache. Ehemänner, Freunde und Brüder gehen ebenfalls auf die Strasse. "Schlimm genug, dass wir einen frauenfeindlichen Grabscher im Weißen Haus sitzen haben", sagt Larry. "Die #MeToo Debatte über Männer in Politik, Medien und Showbusiness, die Frauen missbrauchen, ist absolut widerlich. Für mich geht es bei diesem Protest vor allem um Respekt." Erica nickt und rückt ihre Mütze zurecht.

Die Strassen rund um den Columbus Circle sind weiträumig abgesperrt. Polizisten in Schutzkleidung lotsen die Menschenmassen vorbei an Absperrgittern. "Counter-Terrorismus" steht auf den Uniformjacken. Vor dem Trump International Hotel and Tower am Central Park geht nichts mehr. Ein Mann mit weißer Perücke, eingewickelt in eine amerikanische Flagge, steht vor dem verspiegelten Schriftzug des Hochhauses. "Gründerväter gegen Trump" steht auf seinem Plakat. "George Washington, Thomas Jefferson, Alexander Hamilton drehen sich im Grab rum", sagt er. Ein paar Meter weiter steht ein als Donald Trump verkleideter Mann mit Handschellen. Bereitwillig lässt er sich von einer Demonstrantin "abführen" und fotografieren.

Etwas abseits stehen zwei Männer und schwenken ebenfalls Plakate. "Keep America Great" und "Stimmt für Trump 2020". "Wir sind die Gegendemonstration", sagt der eine und schiebt seine rote "Make America Great Again"-Baseballkappe nach oben. Mädchen in rosa Pussy-Mützen machen kopfschüttelnd einen Bogen um die beiden einsamen Trump-Fans.

Die Stunde der Frauen

"Wo gehts denn hier zur Bühne", fragt eine ältere Dame ihre Freundin auf deutsch. Die beiden wohnen ganz in der Nähe und sind eigentlich hier verabredet. "Meine Tochter sucht uns", sagt Esther. Sie lebt seit 35 Jahren in New York. "Letztes Jahr sind wir mitmarschiert, weil wir unserem Ärger über den Wahlausgang Luft machen mussten. Aber es sieht so aus, als ob wir noch sehr lange marschieren müssen." Ihre Freundin nickt. "Wir müssen es für unsere Töchter tun."

Auch Teresa findet, dass 2018 die Stunde der Frauen gekommen ist. "Wir müssen nicht nur protestieren. Wir müssen wählen", sagt die Studentin aus New Jersey. "Bei der Wahl 2016 haben 53 Prozent der weißen Frauen für Trump gestimmt aber nur 2 Prozent der schwarzen Frauen." Sie zeigt auf ihr Plakat. "2018 seid ihr dran, weiße Schwestern. Geht im November zur Wahl und wählt Frauen!"

Präsident Trump reagierte mit einem Tweet auf die Demonstrationen zum ersten Jahrestag seiner Amtseinführung: "Wundervolles Wetter überall im Land. Der perfekte Tag für alle Frauen zu marschieren und den einzigartigen wirtschaftlichen Aufschwung der letzten zwölf Monate zu feiern."

Trumps Personalkarussell

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