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Malawi-See in Afrika - Fischfarmen gegen den Hunger

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Der Malawi-See in Afrika ist fast leer gefischt. Den Menschen dort fehlt nun die wichtigste Eiweißquelle, Mangelernährung droht. Deutsche Forscher sollen das verhindern.

Dr. Marina Gebert mit Projektteam beim Abfischen zur Probenahme
Dr. Marina Gebert mit Projektteam beim Abfischen zur Probenahme
Quelle: ZDF/Ulrike Peichert

Der Malawi-See in Ostafrika ist einer der ältesten Seen der Erde. Und lange Zeit galt er als schier unerschöpfliche Quelle des beliebten Chambo - eine Buntbarsch-Art. Der Speisefisch ist sehr eiweißreich und gilt daher als ein wichtiges Nahrungsmittel der Malawier. Die stetig wachsende Bevölkerung und die damit einhergehende Überfischung haben nun aber dazu geführt, dass der Chambo-Fisch im drittgrößten See Afrikas fast ausgestorben ist.

Die Regierung hat gegen diesen Prozess nichts unternommen. Eine Fangbegrenzung wurde niemals ausgesprochen - zu groß war die Angst vor einer Hungersnot. Um wenigstens ein paar Speisefische im See zu fangen, verkleinerten die Fischer die Maschenweite ihrer Netze - so fehlen inzwischen die geschlechtsreifen Jungfische. Neue Ideen sind daher im Kampf gegen Mangelernährung und Hunger gefragt.

Revolution im Fischbecken

Ein deutsches Entwicklungshilfeprojekt soll jetzt mit einer neuen Form der Fischzucht den Menschen in Malawi helfen. Das Besondere daran: Die Fischzucht findet an Land statt. Marina Gebert vom Lübecker Fraunhofer-Institut und Bernd Ueberschär von der Gesellschaft für marine Aquakultur sind die beiden Hauptakteure. Sie wollen ganz gezielt die Fische vermehren, die ein besonders gutes Wachstum aufweisen und somit viel eiweißhaltige Nahrung produzieren.

Wir wollen die Traditionen, die im Land vorhanden sind, unterstützen und nicht etwas völlig Neues einführen.
Biologin Marina Gebert

Die Grundidee der beiden Wissenschaftler ist es, die seit über hundert Jahren in den Dörfern vorhandenen Teiche in effektive Aquakulturen umzuwandeln. Der vorhandene Lehmboden eignet sich gut, um das Wasser in den Fischteichen am Versickern zu hindern. Als ersten Zuchtfisch haben sie zunächst den Nationalfisch Chambo ausgewählt: "Wir wollen die Traditionen, die im Land vorhanden sind, unterstützen und nicht etwas völlig Neues einführen. Und die malawische Regierung hat verboten, exotische Arten zu importieren", sagt die Biologin Marina Gebert.

Er gilt als fischartenreichster See der Erde – der Malawi-See an der Grenze zwischen Malawi und Tansania. Doch der wichtigste Speisefisch des drittgrößten Sees Afrikas ist fast ausgestorben. Hemmungslos abgefischt von einer stetig wachsenden Bevölkerung.

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28 min
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Das vom Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung mit 1,25 Millionen Euro unterstützte Fischprojekt setzt direkt bei den Ärmsten im Land an. Bernd Ueberschär arbeitet mit einheimischen Projektassistenten zusammen. Sie haben den besten Zugang zu den Farmern und versuchen, sie für das Fischzuchtprojekt mit dem Namen 'Ich liebe Fisch' zu gewinnen. Der technische Aufwand ist überschaubar. Bernd Ueberschär hat einen speziellen Brutkasten ("Hatchery") entwickelt. "Wir entnehmen die von einem Weibchen erzeugten Eier, setzen sie in unsere Hatchery, brüten sie aus und setzen die geschlüpften Larven dann zunächst in unsere Tanks", erklärt Ueberschär.

Nachwuchs entsteht

Ziel der Wissenschaftler ist es, dass der gesamte Nachwuchs an Jungfischen aus den speziellen Hatcherys kommt. Die Tanks mit den Jungfischen werden dann an ausgewählte Fischfarmer im ganzen Land verteilt. In den Naturteichen kann der Speisefisch heranwachsen. Gefüttert werden die Tiere lediglich mit Mais-Hülsen, die bei der traditionellen Maismehlproduktion als Abfallprodukt übrig bleiben.

Teures Kraftfutter, das in industriellen Aquakulturen zum Einsatz kommt, wird in der malawischen Fischzucht nicht verwendet. Ebenso wenig wie Antibiotika: "In Malawi ist es so, dass keine Antibiotika genutzt werden, da sich die Bevölkerung das finanziell gar nicht leisten kann. Das wäre viel zu teuer", sagt Marina Gebert. Dennoch sehen die deutschen Forscher dringenden Handlungsbedarf, was die Verbesserung des Futters betrifft. Denn die Abfälle aus der Maismehlproduktion reichen nicht aus, damit der Nachwuchs zu prächtigen Chambos heranwächst. Einheimische Insekten könnten da eine Nahrungsergänzung sein. Damit das Teichwasser immer mit genügend Sauerstoff versorgt wird, ist eine solarbetriebene Umwälzpumpe im Einsatz.

Oberstes Ziel: Nachhaltigkeit

Das Projekt soll als Blaupause dienen für Anlagen, die hoffentlich in ganz Malawi und vielleicht sogar in ganz Afrika stehen.
Marina Gebert

Für den nächsten Schritt des Projektes kommen demnächst malawische Studenten zum Studium nach Deutschland. Denn Weiterbildung ist der Grundstock des Erfolgs in Malawi. Mit dem angeeigneten Know-how sollen  die Menschen vor Ort selbständig werden und im Laufe der Zeit eigene Fischlarven-Stationen einrichten.

Für die beiden deutschen Wissenschaftler ist ihre Forschungsarbeit kein Betriebsgeheimnis: "Das Projekt soll als Blaupause dienen für Anlagen, die hoffentlich in ganz Malawi und vielleicht sogar in ganz Afrika stehen", meint Marina Gebert. Langfristig soll mit Hilfe der Zuchtanlagen so viel Fisch produziert werden, dass er nicht nur die Nahrungssicherheit garantiert, sondern dass Chambo-Fische direkt aus den Zuchtteichen in den Malawi-See ausgesetzt werden können. So könnte sich letztlich der Nationalfisch wieder in seinem angestammten See ansiedeln. 

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