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ZDFzoom: Im Reich der Mitte - Chinas Gier nach deutschen Firmen

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Fast 70 Unternehmen haben chinesische Investoren allein 2016 gekauft. Dabei haben sie über 10 Milliarden Euro investiert - für Übernahmen wie den Roboterbauer Kuka, den Flughafen Hahn, den Maschinenbauer Krauss-Maffei oder Beteiligungen etwa an der Deutschen Bank.

Der Maschinenbauer Romaco ist eine von vielen Firmen, auf die sie ein Auge geworfen haben. Aus dem Reich der Mitte ist er nach Karlsruhe gekommen, um einzukaufen: Yue Tang, ein millionenschwerer Investor. Viele Investoren aus dem In- und Ausland haben sich die Fertigung schon angeschaut. Der Chinese Yue Tang bietet 150 Millionen Euro und lockt damit, dass Romaco seine Maschinen künftig problemlos in Asien verkaufen kann.

Mitarbeiter fürchten um ihre Arbeitsplätze

Die größte Sorge der Mitarbeiter: Dass der Standort Karlsruhe wackelt und mit dem Verkauf die gesamte Produktion nach China abwandern könnte. "Für uns wäre das natürlich nicht gut, wenn man das alles woanders machen würde", sagt etwa Industriemechaniker Frank Hartlieb.

Das Berliner Merics-Institut hat zahlreiche chinesische Firmenübernahmen analysiert und herausgefunden: Hinter angeblich privaten Übernahmen steckt mitunter der Staat als Geldgeber - so etwa bei der Anlassersparte von Bosch oder beim Chiphersteller NXP. Bei letzterem offenbart sich hinter diversen Schachtelfirmen ein Staatsfonds, angesiedelt direkt unter dem Staatsrat.

Hinter privaten Investoren steckt oft der Staat

"Warum versucht man hier den Eindruck zu erwecken, es handele sich um einen privaten Akteur? Warum steht faktisch die Regierung dahinter? Wenn man nichts zu verbergen hat, kann man doch ganz klar sagen: Hier ist die Regierung am Zuge.", kritisiert Merics-Experte Jost Wübbeke. In seinen Augen birgt Chinas Shoppingtour Risiken für den Wirtschaftsstandort Deutschland: "Es gibt eben einen zunehmenden Anteil von Investitionen, die durch staatliche Akteure vorangetrieben werden. Und deren Ziel ist im Grunde, ausländische Produkte durch chinesische Produkte zu ersetzen."

Die zahlreichen Firmen-Übernahmen, die verdeckte Hand des Staates und der Masterplan 2025 schüren Misstrauen. Doch Chinas ranghöchster Vertreter in Deutschland kann das nicht nachvollziehen: "Wir stehen erst am Anfang einer Investition in Deutschland. Das ist eine Win-Win-Situation", so Botschafter Shi Mingde. Für ihn hat das Misstrauen einen anderen Grund: "Man fürchtet sich vor chinesischen Unternehmen. Im Kern hat man Angst vor Konkurrenz."

150 Millionen Euro für den Maschinenbauer Romaco

Nach dem ersten Besuch von Yue Tang ist bei Romaco alles ganz schnell gegangen: Der Maschinenbauer wurde verkauft, ist nun eine Werkbank der Chinesen. Für 150 Millionen Euro bekommt der chinesische Investor die Mehrheit der Anteile. Der Standort soll bleiben, die Jobs auch. Auch wenn es das nicht schriftlich gibt. Der Besitzer ist zufrieden: "Obwohl wir uns alle nicht kennen: Für mich ist das heute ein großer Tag. Denn wir alle tragen jetzt einen gemeinsamen Namen: Romaco!"

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