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Wirbelsturm - "Irma": Tod und Trümmer im Paradies

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Mehrere Tote, zerstörte Häuser, überflutete Straßen: Mit voller Wucht ist der Monster-Hurrikan "Irma" über die Inseln der Karibik hinweggefegt. Mindestens zehn Menschen starben - und die nächsten Stürme brauen sich gerade zusammen.

In der Karibik hinterlässt Hurrikan Irma eine Spur der Verwüstung. Die Zahl der Todesopfer ist auf mindestens zehn gestiegen. Die Vereinten Nationen schätzen, in den kommenden Tagen könnten 37 Millionen Menschen von Irma betroffen sein.

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Auf den Inseln Saint-Martin, Saint Barthélemy und Barbuda bot sich an diesem Donnerstag ein apokalyptisches Bild: Der Großteil der Häuser war zerstört, die Versorgung mit Strom, Trinkwasser und Benzin brach zusammen, die Rettungsdienste waren vielerorts nicht mehr einsetzbar. "Irma" setzte ihren Weg durch die Karibik derweil ungebremst fort.

Mehrere Tote

Mindestens zehn Menschen starben bis Donnerstag. Allein im französischen Teil der Insel Saint-Martin kamen nach Angaben der Pariser Zentralregierung bis Donnerstag mindestens vier Menschen ums Leben. Vier Menschen starben in Saint-Barthélemy. Ein Todesopfer gab es auf Barbuda, ein weiteres in Barbados. Noch sind die Zahlen aber unklar,das die Katastrophenregion kaum zugänglich ist.

Die ersten Schadensbilanzen auf den betroffenen Inseln waren verheerend. Die Insel Saint-Martin sei zu "zu 95 Prozent zerstört", sagte der Präsident des französischen Teils der zwischen Frankreich und den Niederlanden aufgeteilten Insel, Daniel Gibbs. Frankreichs Premierminister Edouard Philippe sagte, 60 Prozent der Häuser dort seien unbewohnbar. Die Insel Barbuda sei zu 95 Prozent zerstört und "kaum mehr bewohnbar", sagte der Premierminister des Zwei-Insel-Staats Antigua und Barbuda, Gaston Browne. Er bezeichnete die Insel als "Trümmerhaufen".

"Lebende zählen"

Sollte in den kommenden Tagen ein weiterer Wirbelsturm die Region heimsuchen - zwei Stürme lauern derzeit über dem Atlantik - "werden wir nicht mehr die Toten zählen, sondern die Lebenden", warnte Gibbs. Mindestens 50 Menschen wurden auf Saint-Martin verletzt. Der niederländische Teil von Saint-Martin - Sint Maarten - war nach den Worten des niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte wegen starker Schäden am Flughafen und am Hafen von der Außenwelt abgeschnitten.

Der Chefredakteur der Sint Maartener Zeitung "Daily Herald", Paul de Windt, berichtete im niederländischen Radiosender Paradise FM von katastrophalen Zerstörungen: "Alle Häuser, Läden und Tankstellen sind weggefegt", sagte er. "Es ist unbeschreiblich. Viele Leute irren ziellos umher, sie haben kein Zuhause mehr und wissen nicht was tun."

Luftbrücke

Die französische Ministerin für die Überseegebiete, Annick Girardin, kündigte eine Luftbrücke für den französischen Inselteil an. Ihren Worten zufolge konnte eine Start- und Landebahn des Flughafens dort wieder geöffnet werden. Frankreich wollte von der nahe gelegenen Karibikinsel Guadeloupe aus zudem per Schiff Trinkwasser- und weitere Hilfslieferungen auf die betroffene Insel senden. Rund 200 Soldaten und Sanitäter waren im Einsatz.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will so bald wie möglich in die Region reisen, wie der Elysée-Palast ankündigte. Er rief zudem zu einem verstärkten Kampf gegen den Klimawandel auf. "Von solchen Katastrophen sind Menschen betroffen, die ohnehin in sehr schwierigen Bedingungen leben", betonte er.

Sorge um bitterarmes Haiti

Mit Sorge blicken Experten vor allem auf das bitterarme Haiti. Das Land hat sich noch immer nicht von dem schweren Erdbeben 2010 sowie Hurrikan "Matthew" im vergangenen Jahr erholt und ist auf einen neuen Monster-Sturm schlecht vorbereitet. "Viele leben nach wie vor in provisorischen Behausungen und es ist zu befürchten, dass viele Menschen durch "Irma" obdachlos werden", sagt Lisiane Harten vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) in der Hauptstadt Port-au-Prince.

"Matthew" war im Oktober 2016 über Haiti hinweggezogen und hatte weite Teile des Südens zerstört. Mehr als 540 Menschen kamen damals allein in Haiti ums Leben, Zehntausende verloren ihr Hab und Gut. Jetzt zittern die Haitianer vor "Irma". "Dieser Hurrikan bringt starken Regen und Fluten nach Haiti, wo der ärmste Teil der Bevölkerung immer noch an den Konsequenzen, darunter chronischer Mangelernährung, des Sturms leidet", sagt Ascension Martínez von Save the Children.

Lebensmittel und Hygiene-Kits

Hilfsorganisationen aus der ganzen Welt bringen sich in Stellung. "Wir werden 300 Kubikmeter Lebensmittel sowie Hygiene-Kits und Haushaltsgegenstände in die Region schaffen", kündigt Georg Dörken von der Welthungerhilfe an. Ein Team der Hilfsorganisation Oxfam steht in Cap-Haïtien bereit, und will unmittelbar nach dem Durchzug des Sturms in die am schwersten betroffenen Gebiete aufbrechen.

"Es ist davon auszugehen, dass Straßen durch umgerissene Bäume und Erdrutsche unpassierbar werden", sagt DRK-Länderreferentin Harten. "Daher haben wir bereits jetzt Hygieneartikel, Wasserkanister und Pakete mit Planen und Seilen in den Norden verlagert."

Florida bereitet sich vor

"Irma" war am Mittwoch mit Hurrikan-Stärke 5 über die nördlichen Antillen hinweggefegt. Nach Angaben von Meteorologen zählt er zu den stärksten Stürmen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Atlantik. An diesem Donnerstag bewegte sich "Irma" auf die Dominikanische Republik zu, Ende der Woche soll der Hurrikan Florida erreichen.

In der Dominikanischen Republik ordnete die Regierung erste Evakuierungen in Küstennähe an. Nach Angaben der Organisation Save the Children sind dort und in Haiti Millionen Kinder bedroht. Erst vor einem Jahr hatte Hurrikan "Matthew" auf Haiti 800 Menschen getötet.

US-Präsident Donald Trump rief für die Amerikanischen Jungferninseln, Puerto Rico und Florida den Alarmzustand aus. Die Behörden der Florida Keys appellierten an die Bewohner, sich in Sicherheit zu bringen. Auch die kubanischen Behörden waren in Alarmbereitschaft.

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