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Nach "Irma" - Hurrikans befeuern US-Klimaschutz-Debatte

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Präsident Trump ist in Florida unterwegs, um Hurrikan-Opfer zu besuchen. "Harvey" und "Irma", die Stürme, die Texas und Florida verwüsteten, konnten ihn aber nicht bekehren. Er hält an seiner umstrittenen Meinung fest.

Nach Hurrikan „Irma“ reist US-Präsident Trump in die Katastrophengebiete. Durch den Sturm war in einem Altenheim bei Miami die Klima-Anlage ausgefallen. Acht Senioren starben vermutlich infolge der hohen Temperaturen.

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"Alles nur eine Verschwörung der Medien, der Liberalen und der Einzelhändler", tönte der rechtskonservative Radiomoderator Rush Limbaugh vor einer Woche in seiner Show. "Sie schüren Panik, sagen der Klimawandel macht Hurrikane zu Megastürmen. Das ist alles Fake News." Wenige Tage später musste Limbaugh sein Anwesen in Palm Springs verlassen. Hurrikan "Irma" war doch keine Erfindung, sondern gefährliche Realität.

"Klimawandel, eine Erfindung der Chinesen"

"Jetzt ist nicht der richtige Moment über die Ursache der Stürme zu diskutieren", meinte der Chef der Umweltbehörde EPA, Scott Pruitt in einem Interview mit CNN, kurz bevor Irma Florida erreichte. Zeit und Energie in diese Debatte zu investieren sei "sehr unsensibel den Menschen in Florida gegenüber."

Auch Präsident Trump, der in den ersten Monaten seiner Amtszeit Dutzende staatliche Umwelt-Forschungsprojekte gekürzt hat und aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigen will, bleibt offenbar dabei: "Der Klimawandel ist eine Erfindung der Chinesen, um der amerikanischen Wirtschaft zu schaden", hatte er 2012 behauptet. Die Frage, ob "Irma" und "Harvey" seine Ansicht zum Klimawandel geändert hätten, wiegelte Trump ab: "Wenn man in die 1930er und 1940er Jahre zurückschaut, dann hatten wir über die Jahre hinweg Stürme, die größer als das (jetzt) waren." Im Wahlkampf hatte er die durch Menschen verursachte Erderwärmung mehrfach als Schwindel bezeichnet.

Viele Amerikaner sind inzwischen allerdings anderer Meinung. Laut einer Gallup-Umfrage im März dieses Jahres meinen 62 Prozent, dass die Auswirkungen der globalen Erwärmung bereits zu spüren sind. Dass der Klimawandel eine ernsthafte Bedrohung darstellt, glauben immerhin 42 Prozent.

"Die immer häufiger auftretenden extremen Wetterphänomene haben in den vergangenen Jahren die Öffentlichkeit aufgerüttelt", so Fred Krupp, Chef der Umweltschutzorganisation "Environmental Defense Fund". "Früher oder später werden die Klimaleugner in Washington einbrechen", glaubt er. "Es wird nicht diese oder nächste Woche soweit sein, aber es ist absehbar."

Superstürme zwingen zum Umdenken

Das hofft auch der demokratische Senator Brian Schatz aus Hawaii. "Die öffentliche Meinung verändert sich. Und selbst diejenigen, die weder den Liberalen noch den Wissenschaftlern über den Weg trauen, müssen den Tatsachen ins Auge sehen." Tatsächlich schlagen sich angesichts immer neuer Superstürme immer mehr Republikaner auf die Seite der Klimaschützer. Oder sie arbeiten zumindest mit demokratischen Parteikollegen zusammen, wenn es um die Förderung alternativer Energien oder Küstenschutz geht. Die Mitgliederzahl im Klima-Ausschuss, einer überparteilichen Umweltarbeitsgruppe des Repräsentantenhauses hat sich seit Anfang des Jahres verdreifacht.

Tomas Regalado, der republikanische Bürgermeister von Miami redet Klartext. Ihm steht das Wasser buchstäblich bis zum Hals. "Es ist allerhöchste Zeit über Klimawandel zu sprechen. Denn wenn das hier mit dem Klimawandel nichts zu tun hat, dann weiß ich auch nicht, was noch passieren muss."

"Viele Republikaner würden gerne die Seiten wechseln", sagt Al Gore, dessen neue Klima-Dokumentation "Immer noch eine unbequeme Wahrheit" seit einigen Wochen in den amerikanischen Kinos läuft. Das große Problem sei aber, dass sie ihre Wahl oder Wiederwahl vor allem der Gas- und Ölindustrie verdankten.

In den vergangenen fünf Jahren ist Wahlkampfhilfe in mehrstelliger Millionenhöhe geflossen - und zwar praktisch ausschließlich in die Partei-Kassen der Republikaner, heißt es auf der Webseite des Center for Responsive Politics, OpenSecret.org.

Wo die Ölindustrie zahlt, gibt’s keinen Klimawandel

Offenbar ist es kein Zufall, dass in den großen Kohle, Erdöl und Gas fördernden Bundesstaaten, Wyoming, West Virginia, Kentucky, Pennsylvania, Texas ausschließlich Republikaner regieren. Sie verhalfen Trump im November 2016 zur Wahl. Und aus diesen Bundesstaaten kommen auch viele wichtige Mitglieder in Trumps Regierungsmannschaft, zum Beispiel Rick Perry aus Texas. Der amtierende Energieminister und ehemalige Gouverneur von Texas erhielt mehr als zehn Millionen Dollar Wahlkampfhilfe von der Öl- und Gasindustrie. Kein Wunder, dass Klimaschutzpolitik für ihn nicht existiert.

Sein Parteifreund Rick Scott, der Gouverneur des sturmgebeutelten Florida, geht noch einen Schritt weiter. Für ihn ist schon das Wort "Klimawandel" eine Zumutung. Scott hat bereits vor Jahren angeordnet, Begriffe wie "Globale Erwärmung", "Nachhaltigkeit" und "Klimawandel" in der offiziellem Kommunikation nicht zu verwenden.

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