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Hypo Real Estate - Schrecken mit langsamen Ende

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Am 5. Oktober 2009 wurde die Hypo Real Estate zu einer staatlichen Abwicklungsgesellschaft. Ihr Auftrag: Schrumpfen aus Überzeugung. Wie fällt die Bilanz nach zehn Jahren aus?

Kommentar: Hypo Real Estate
Vor zehn Jahren wurde aus der Hypo Real Estate eine staatliche Abwicklungsgesellschaft.
Quelle: dpa

Zehn Mitarbeiter und eine Teilzeitkraft - so sieht eigentlich kein Milliarden-Unternehmen aus. In München aber wirken diese Leute in einer ehemaligen Großbank, nun in Staatsbesitz, an der schonenden Schrumpfung des einst überblähten Portfolios mit.

Als im Oktober 2009 die Bundesregierung die taumelnde Hypo Real Estate angesichts der ungedeckten Verpflichtungen in die Obhut des Staates überführen ließ, zürnten die Aktionäre - sie glaubten tatsächlich, dass ihre Anteile noch einen nennenswerten Besitz darstellten. Um den der Staat sie gebracht habe.

Das zehnte Jahrestag ist eher eine Mahnveranstaltung

Der damalige Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) ließ sie dagegen wissen, dass es ohne Übernahme die Bank nicht mehr geben würde - ein Totalverlust. Übrig blieb in jedem Fall eine "Bad Bank", was man nach Belieben mit "schlechte" oder auch "böse Bank" übersetzen darf.

Die heutige Hypo Real Estate Holding dagegen hält sich im Geschäft. Der zehnte Jahrestag in diesem Herbst ist denn auch eher eine Mahnveranstaltung - denn die Angewohnheiten von damals mit Drang zum Abgrund sind längst wieder eingekehrt: Zocken mit gebündelten Krediten gilt kaum noch als unfein, und viel billiges Geld von den Notenbanken, vor allem der EZB, lädt zum Schuldenmachen geradezu ein.

Kommt eine zweite Finanzkrise?

Und so meint mancher, die nächste Finanzkrise komme nicht erst, sondern sei schon da. Die Erfindung der "Bad Bank" als Zweckgesellschaft, in der man toxische Wertpapiere ohne dauerhaften Wert bündeln und auslagern konnte, ließ das Mutterinstitut nämlich über Nacht blütenweiß dastehen - oder wenigstens hellgrau, jedenfalls bereit zu neuen Taten. Im Falle der alten Hypo Real Estate benannten findige Naturen die Zweckgesellschaft mit dem Kürzel "FMS Wertemanagement".

Nominal 176 Milliarden Euro an Papieren wurden dahin verschoben und nach und nach verwertet: Immobilienkredite, Schiffsbeteiligungen oder auch Staatsanleihen dubioser Provenienz versuchte man schonend abzustoßen. Griechenland-Anleihen musste man abschreiben - neun Milliarden Euro waren weg.

Der reale Stresstest lauert noch in der Zukunft

Aber die FMS verbuchte auch Gewinne: Einige Wertpapiere erholten sich, für einige "notleidende" Kredite gab es im allgemeinen Aufschwung wieder Tilgung und Zinsen, für andere Bestände fand sich die Bereitschaft risikofreudiger Investoren, ihr Glück mit den sogenannten Schrottpapieren zu versuchen. So sind bei der FMS per Ende 2018 "nur" noch 69 Milliarden Euro Buchwert vorhanden.

Wie die Sache für den Steuerzahler als Eigentümer am Ende ausgeht, ist offen. Viel wird davon abhängen, ob die Banken inzwischen gut genug gerüstet sind für die nächste Finanzkrise oder Wirtschaftsflaute - der reale Stresstest lauert noch in der Zukunft. Und die Ertragslage der großen Kreditinstitute erlaubte seither sicher nicht, bequeme Polster anzulegen.

Verhoben mit der Depfa-Bank

Der Todesstoß für das Hypo-Banking in München kam damals aus Irland: Legendär wurde die Übernahme der irischen Depfa-Bank durch die Hypo im Juli 2007: Kurz vor Ausbruch der Finanzkrise zahlte man für den Staatsfinanzierer aus Dublin 5,2 Milliarden Euro.

Etwa 120 Millionen in Aktien erhielt der damalige Vorstandschef Bruckermann, der die Papiere unverzüglich versilberte und sich rasch einen neuen Wohnsitz suchte: Da wusste jemand, wie es um die Depfa stand. 2014 ging die Depfa dann für 323 Millionen Euro an die FMS Wertemanagement. Sie steht inzwischen seit längerem wieder zum Verkauf. 2020 soll es etwas werden, für einen dreistelligen Millionenbetrag - immerhin.

Die Depfa also jonglierte damals schon per typischem Känguru-Management, wie Spötter sagen: Mit leerem Beutel kann man große Sprünge machen. So finanzierte man Staaten teils über Anleihen, die bis 2078 laufen - und refinanzierte sich mit kurzfristigen Krediten. Sobald die kurzfristigen Zinsen die langfristigen überstiegen, was manchmal vorkommt, war Schluss mit lustig. Verzockt, verspielt, verloren.

Crash hätte viele in den Abgrund gerissen

Denn die Hypo Real Estate hatte ein zu großes Rad gedreht, ohne dafür nennenswert Eigenkapital vorzuhalten. Ein ungeordneter Crash dieses Instituts, das den wenigsten Bürgern vor 2008 überhaupt ein Begriff war, hätte zahlreiche Kreditgeber der Hypo mit in den Abgrund gerissen, darunter auch andere Banken, und Kreditnehmer der Bank hätten über Nacht vor der Rückzahlungsverpflichtung gestanden.

Für fremdfinanzierte Mittelständler ein Albtraum. Zumal, wenn der Kredit zuvor an einen internationalen Investor weitergereicht wurde, der kaum Hemmungen hat, die Schuld einzutreiben. Kaskadenartig setzte sich so das Dilemma fort und kostete auch außerhalb der Banken zahlreiche Arbeitsplätze.

Eine Bilanz nach zehn Jahren fällt schwer - noch ist vieles offen. Aber dass der lang anhaltende Aufschwung in Deutschland und der Welt seit 2009 viele der schlimmsten Folgen zu vermeiden half, das ist amtlich. Da haben viele Pechvögel nach der Krise gerade noch mal Glück gehabt.

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