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IAA im Rückwärtsgang - Immer mehr namhafte Autohersteller springen ab

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Die Internationale Automobil-Ausstellung in Frankfurt verliert an Bedeutung: Bereits zwölf internationale Automobilherstellern haben abgesagt. So muss die 67. Ausgabe der IAA unter anderem auf Peugeot, Fiat, Nissan und Mitsubishi verzichten. Auch Elektro-Pionier Tesla fehlt.

Volvo machte es vor: Schon vor zwei Jahren sagten die Schweden ihre IAA-Teilnahme ab. Man wollte sich auf eine Messe pro Kontinent spezialisieren. Jetzt - gut einen Monat vor Beginn der IAA - haben neben den Schweden auch elf andere Automobilhersteller ihr Kommen für 2017 abgesagt. Die PSA Groupe lässt ihre französischen Marken Peugeot und DS Automobiles daheim. Auch Mitsubishi, Nissan und die Nissan-Tochter Infiniti haben der IAA einen Korb gegeben. Ebenfalls nicht auf der Teilnehmerliste steht der Fiat-Chrysler-Konzern mit seinen Marken Fiat, Alfa Romeo, Lancia, Abarth und Jeep. Selbst der aufstrebende Exot Tesla kehrt Frankfurt den Rücken.

Hersteller scheuen Kosten

Der deutsche PSA-Pressesprecher Stephan Lützenkirchen begründet die Absage von Peugeot und DS wie folgt: "Dass Messen ganz allgemein eine große Investition darstellen, ist bekannt und der Trend setzt sich fort." Als Beispiel spricht Lützenkirchen von nicht mehr vertretbaren Hotelkosten. Des Weiteren sagt er in seinem Statement: "Da der Presse-Effekt einer Messe inzwischen deutlich abgenommen hat, bedarf es neuer Reize und Impulse - nicht nur in Frankfurt."

Bei Nissan spielt der Faktor Finanzierung ebenfalls eine große Rolle. "Unsere Mittel für Sponsoring und Events in Deutschland sind begrenzt", sagt Managing Director Thomas Hausch. Man wolle künftig eine "flexible und zeitgemäße Event- und Messestrategie" verfolgen und sich auf Schwerpunkte wie die Einführung neuer Modelle konzentrieren.

Messe ein veraltetes Modell?

Für den Automobilexperten Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler ist der Rückzug der Unternehmen nachvollziehbar. "Die Hersteller müssen mehr Geld in die Entwicklung neuer Technologien stecken", sagt er. Gerade auch die aktuellen Schwierigkeiten mit dem Diesel sorgten dafür, dass Automarken mehr finanziellen Aufwand für Marketing und Vertrieb betreiben müssten.

"Die Messe verliert an Attraktivität", so Pieper. Autoherstellern läge mittlerweile mehr daran, neue Modelle gesondert direkt vorzustellen, statt sie nebst einer Vielzahl anderer untergehen zu lassen. Immer wichtiger hingegen würden Fachmessen für Unterhaltungselektronik. Laut Pieper spreche die IAA zwar mit gut einer Million Menschen in zwei Wochen ein großes Publikum an, dennoch müsse man sich die Frage stellen, ob man gezielt auf ein Publikum zugehen müsse, dass sich ohnehin schon stark für Autos interessiere.

Marketing verändert sich

In punkto Zielgruppenerfassung spricht Mitsubishi von einem "veränderten Kundenverhalten". Laut Pressesprecher Helmut Bauer gehe der Vermarktungs-Weg von der traditionellen Messe hin zu zielgerichteten Maßnahmen wie interaktivem Marketing und der verstärkten Präsenz am "Point of Sale", also der Verkaufsstelle. Das japanische Unternehmen habe sich dazu entschieden, mit Ausnahme von Tokio, Genf und Peking/Shanghai in diesem Jahr bei keinen Automobilmessen vertreten zu sein.

Die Luxusmarke Tesla war bereits 2015 auf der IAA mit einem kleinen Stand vertreten. Nach dem Verzicht auf US-Autoshows in Detroit und New York nun auch die Absage für Deutschland: „Wir bewerten jedes Event, um den besten Weg zur Interaktion mit unseren Kunden zu finden“, so erklärte eine Tesla-Sprecherin die IAA-Absage. Demnach sei das US-Unternehmen kein traditioneller Autohersteller und somit nicht auf Branchenevents fixiert. Zudem sei die Nachfrage derzeit so hoch, dass das Unternehmen keinen Sinn darin sehe, verstärkt Werbung zu machen.

IAA hat sich Ersatz gesucht

"Natürlich bedauern wir, wenn einzelne Aussteller diesmal nicht in Frankfurt sein werden. Gründe sind meist firmenintern, etwa wirtschaftliche Lage oder eine temporäre Änderung der Marketingstrategie", sagt der Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA), der die IAA veranstaltet.

Nichtsdestotrotz spricht der VDA von über 50 Pkw-Marken, die sich vom 14. bis zum 24. September auf dem Frankfurter Messegelände präsentieren werden. Erstmalig mit dabei: junge chinesische Hersteller und Aussteller aus Ägypten, Finnland, Mazedonien, Peru und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Sie sollen die "internationale Reputation der IAA unterstreichen" und nicht zuletzt die entstandenen Lücken füllen. Großen Wert legt der Veranstalter auf den Besuch von Facebook und der Geschäftsführerin Sheryl Sandberg. Anknüpfungspunkte zwischen Mobilität und dem Internetriesen gebe es in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Bilderkennung und der Virtuellen Realität.

Der Veranstalter legt seine Standpreise nicht offen. Auch die Frage nach finanziellen Verlusten durch die Massenabsagen konnte er zur Veröffentlichung dieses Artikels nicht klären. Es sollen aber alle freigewordenen Flächen gefüllt worden sein. VDA-Sprecher Peter Mair merkt an, dass die reinen Mietkosten einen eher geringen Posten bei der Gesamtinvestition der Aussteller einnehmen. Den Löwenanteil der Messekosten investierten die Standbetreiber in das Personal und in den Messebau. Laut Mair wisse man in den Reihen des VDA schon lange über die Absagen Bescheid. Ziel sei es, die Hersteller für die kommenden Veranstaltungen wieder zurück zu gewinnen.

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