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IAA in Frankfurt - Autobauer kommen bei den Jungen nicht an

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Auch diese IAA präsentiert dem Publikum so manche Innovation. Und die Kunden? Vor allem viele Junge schert es anscheinend wenig, was die Autoindustrie in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Das Durchschnittsalter der Fahrzeuge steigt stetig – und ebenso das Alter der Käufer.

Deutsche Autobauer sind auf der Flucht nach vorn und präsentieren neben viel PS-Power auch neue Elektro-Autos. Richtig umweltfreundlich sind die erst, wenn auch Strom sauber erzeugt wird.

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Alte Möhren auf deutschen Straßen unterwegs - das war doch vor langer Zeit, oder? Fehlanzeige! Tatsächlich steigt das Durchschnittsalter der in Deutschland zugelassenen Pkw permanent. 6,8 Jahre waren es noch im Jahr 1995, aktuell sind es 9,3 Jahre. "Das Interesse der Privatkunden an Neuwagen sinkt", sagt Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des CAR-Center Automotive Research. Seine aktuelle Untersuchung der Gesamtdaten des Kraftfahrtbundesamtes offenbart klare Ermüdungserscheinungen am heimischen Automarkt.

Viele Neuzulassungen durch Hersteller und Händler

Nur knapp 35 Prozent aller Pkw-Neuwagen wurden im ersten Halbjahr 2017 auf Privatkunden zugelassen. Und der Rest als Dienstwagen von Unternehmen oder von Autovermietern? Weit gefehlt, denn ein Großteil der Neuzulassungen geht direkt auf die Kappe von Herstellern und Händlern, die auf diese Weise aus Neuwagen junge Gebrauchte machen und diese mit entsprechenden Abschlägen anbieten. Wer ein Neufahrzeug beim Händler nach Listenpreis kauft, scheint offenbar nicht richtig hingeschaut zu haben, denn enorme Preisabschläge waren gängige Praxis schon vor der jetzt überall propagierten Umweltprämie.

Dass die Deutschen trotz aller Innovationen der vergangenen Jahre beim Kauf von Neuwagen eher zurückhaltend sind und stattdessen lieber ihr altes Schätzchen weiter fahren, ist die eine Seite der Medaille. Deutlich frustrierender muss es da für Hersteller sein, immer mehr den Anschluss an junge Kunden zu verlieren: Ebenso wie das Durchschnittsalter der Pkw ist in Deutschland auch das Durchschnittsalter der Autokäufer konstant gestiegen. Bei Neuwagenkäufern von rund 46 (1995) auf knapp 53 Jahre (2017), bei Gebrauchtwagenkäufern von 37,5 auf knapp 45 Jahre.

Generation 60+ hält fast ein Drittel aller Pkw

Dass fast ein Drittel (31,8 Prozent) aller gut 45 Millionen Pkw im Besitz von über 60-Jährigen ist, spiegelt ganz gut die Altersverteilung unserer Gesellschaft wider. Trotz sinkender Kilometerleistung übrigens eine Generation, die großen Wert auf ein eigenes Fahrzeug legt. "Gerade für ältere Menschen bedeutet ein Auto Freiheit. Und so irrational es klingen mag, das vermeintlich letzte Auto, das man sich zulegt, ist meistens das teuerste, das mit den meisten PS und dem höchsten Komfort", sagt Rainer Hauck vom Verkehrsclub Deutschland (VCD).

"Da wird aus der A-Klasse, die man bislang gefahren hat, schnell die C-Klasse oder eben ein SUV. Und die Händler wissen ganz genau, dass viele der Senioren sich das auch leisten können“, sagt Rainer Hauck. Senioren seien eben auch diejenigen, die von der Vielzahl an Fahrassistenzsystemen am meisten profitieren: Denn wenn eigene Beweglichkeit oder Reaktionsfähigkeit nachlassen, hilft die Technik weiter, den Wunsch nach eigener Mobilität so lange wie möglich aufrecht zu erhalten. Hauck: "In der Außenwirkung altert man nicht so erkennbar."

Junge Leute setzen andere Prioritäten

Die demografische Entwicklung ist jedoch nicht alleiniger Grund für die stetige Steigerung des Durchschnittsalters von Autokäufern. Hinzu kommen sich ändernde Lebensumstände und Wertvorstellungen der jungen Generation, die sie bei der Anschaffung eines Pkw zögern lässt.

So nennt die Mobilitätsstudie "Alles wie immer, nur irgendwie anders?" vom Innovationszentrum für Mobilität und Gesellschaftlichen Wandel unter anderem längere Ausbildungszeiten, einen späteren Berufseinstieg, eine späte Familiengründung und langes Wohnen bei den Eltern als Gründe, warum junge Menschen kein Auto kaufen. Hinzu gesellen sich veränderte Freizeitgewohnheiten (höhere Ausgaben für Reisen, mehr innovative technische Geräte), Wertewandel (das Auto verliert die emotionale Bindung) und ein verändertes Mobilitätsverhalten (mehr Bus und Bahn, Fahrrad, Mitfahr- und Sharing-Angebote).

Der Kick fehlt

Geldmangel alleine ist es also nicht, der die Jungen vom Autokauf abhält, sagt Ferdinand Dudenhöffer: "Einen Dacia kann ich derzeit für weniger als 7.000 Euro kaufen, den Golf mit Umweltprämie unter 10.000. Plus alle möglichen günstigen Finanzierungsmöglichkeiten." Aber moderner Lifestyle beschränkt sich da nun nicht mehr alleine aufs Auto.

Bedeutet das am Ende, dass all die schicken und jugendlich wirkenden SUV in Händen der Generation 60plus sind? Nicht alle, aber tatsächlich ein großer Teil. So hat beispielsweise eine Erhebung von Autoscout24 ergeben, dass SUV und Geländewagen bei den 18- bis 29-Jährigen Autobesitzern lediglich einen Anteil von 2 Prozent ausmachen. 5 Prozent sind es bei den 30- bis 39-Jährigen, 12 Prozent bei den 40- bis 49-Jährigen und 14 Prozent schließlich bei den 50- bis 65-Jährigen.

Dass viele Innovationen der Automobilindustrie, die Ältere gerne annehmen, an der jungen Generation abprallen, ist laut Dudenhöffer auch ein hausgemachtes Problem. Neue Automodelle hätten seit vielen Jahren bestenfalls "ein paar PS mehr, eine bessere Innenausstattung, ein netteres Design und eine bessere Sicherheitsausstattung - eben kontinuierlich Verbesserung" vorzuweisen, so der Auto-Experte. Im Grunde aber bleibe das Auto, "was es immer war, nur eben ein bisschen besser". Der Kick fehlt.

Neuer Kult: Tesla macht's vor

Welch große Emotionen neu gedachte Autos quer durch alle Altersgruppen auslösen können, zeigt der US-Hersteller Tesla. Firmengründer Elon Musk habe es geschafft, ähnlich wie Steve Jobs bei Apple, einen Kult um das Unternehmen und seine Produkte aufzubauen, so Dudenhöffer.

Und während ein Visionär aus den USA mit knackigen Elektromobilen ein ganz neues Auto-Image aufbaut, reden "die deutschen Autobauer über die Unendlichkeit des Verbrennungsmotors. Sogar die Kanzlerin rennt durch die Gegend und sagt, wir brauchen den Diesel". Und um nicht altmodisch zu wirken, sage man eben, auch Elektromobilität sei wichtig.

Auch auf dieser IAA stellen die Hersteller natürlich entsprechende E-Modelle der für die Zukunft vor. "Auf der Straße allerdings werden wir sie in den kommenden Jahren noch nicht sehen. Das dauert einfach zu lange", schätzt Dudenhöffer.

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