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Angriff auf Idlib erwartet - Sorge vor "humanitärer Katastrophe"

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Millionen Zivilisten leben in Syriens Rebellenhochburg Idlib. Der erwartete Angriff syrischer Truppen könnte zu einer humanitären Katastrophe führen, warnen Politiker und Helfer.

Eine Frau sitzt mit ihrem Kind auf dem Boden vor Ihrem Zelt in einem provisorischen Flüchtlingslager, aufgenommen am 05.09.2018 in Sarman, Syrien.
Eine Frau sitzt mit ihrem Kind vor ihrem Zelt in einem provisorischen Flüchtlingslager.
Quelle: dpa

Bundesaußenminister Heiko Maas drang während seines Türkei-Besuchs auf eine diplomatische Lösung zum Schutz der Zivilbevölkerung. "Die Türkei wird morgen zusammen mit Russland und dem Iran ein Treffen haben, um darüber zur reden", sagte Maas am Donnerstag in der ARD. "Deshalb haben wir die Türkei und die Vertreter der Türkei noch einmal ermuntert, dieses Treffen zu nutzen, auf die anderen einzuwirken, eben nicht mit großen Bombardements dieses humanitäre Desaster in Idlib anzurichten." Die Weltgemeinschaft könne dies nicht akzeptieren. Jetzt sei die Diplomatie gefragt.

Der syrische Präsident Baschar al-Assad hat Truppen an der Front im Nordwesten nahe Idlib zusammengezogen, wo zahlreiche Zivilisten, aber auch viele aus anderen Landesteilen geflohene und vertriebene Rebellen ausharren. Bei einem Gipfeltreffen am Freitag in Teheran wollen Assads Verbündete Russland und Iran sowie die Türkei, die einen Teil der Rebellen in Syrien unterstützt, über die Lage beraten. Zuletzt bombardierte auch Russland die Aufständischen in der Region wieder.

Die Situation in Idlib ist auch Thema im UN-Sicherheitsrat. Die zehn gewählten Mitglieder mahnten verstärkte Bemühungen für eine friedliche Lösung an. In einer gemeinsamen Stellungnahme erklärten sie am Mittwoch, eine umfangreiche Militäroperation dort werde zu einer humanitären Katastrophe führen. Unterdessen warnte US-Präsident Donald Trump den syrischen Staatschef Baschar al-Assad vor den Konsequenzen einer Offensive. "Wenn es ein Gemetzel ist, wird die Welt sehr, sehr wütend werden und die Vereinigten Staaten werden ebenfalls sehr wütend werden", sagte er in einem Gespräch mit dem Emir von Kuwait.

Röttgen erwartet menschliche Tragödie

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Deutschen Bundestag, Norbert Röttgen (CDU), attestierte der EU ein Scheitern in der Syrien-Politik. "Europa hat in Syrien auf ganzer Linie versagt", sagte der CDU-Politiker den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. Die Europäer seien "zum diplomatischen Bettler geworden", weil ihnen eine abgestimmte Nahost-Politik fehle und sie in Syrien von anderen Mächten an den Rand gedrängt worden seien.

Dies zeige sich schmerzhaft an der befürchteten Militäroffensive in der syrischen Rebellenhochburg: "In Idlib droht die größte humanitäre Katastrophe des gesamten Syrien-Krieges", sagte er. "Die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass das syrische Regime, Russland und Iran ausgesprochen brutal und ohne jegliche Rücksicht auf Zivilisten bei der Rückeroberung der Gebiete vorgegangen sind."

Hilfsorganisationen warnen vor Flüchtlingswelle

Auch Hilfsorganisationen warnten vor einer Eskalation. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen betonte, dass besonders Heranwachsende von der Kriegssituation betroffen seien. "Viele Familien harren dicht gedrängt in überfüllten Notunterkünften unter jetzt schon sehr schwierigen Bedingungen aus", sagte der Geschäftsführer von Unicef Deutschland, Christian Schneider, der "Passauer Neuen Presse". Eine weitere Eskalation der Gewalt bringe nicht nur all diese Mädchen und Jungen in akute Lebensgefahr; Unicef vor Ort gehe davon aus, dass Hunderttausende Kinder erneut fliehen müssten.

Der Malteser Hilfsdienst (MHD) kündigte in Köln die Vorbereitung medizinischer Nothilfe für die Verletzten an. In den kommenden Monaten erwarte man bis zu 700.000 neu Vertriebene in der Grenzregion zur Türkei, so der MHD. Die Kapazitäten der Krankenhäuser seien sehr begrenzt. Das katholische Hilfswerk teile die Einschätzung der UN, dass eine Großoffensive der syrischen Armee für die Zivilbevölkerung katastrophale Folgen haben werde, hieß es.

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