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Gegenwind für die Unterhaltungsindustrie

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IFA in Berlin - Gegenwind für die Unterhaltungsindustrie

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In Berlin öffnet die IFA jetzt auch für das Publikum. Die Branche erhofft sich durch neue Trends in der Unterhaltungselektronik Rückenwind. Denn aktuell schlägt ihr Wind entgegen.

IFA Elektronikmesse in Berlin, aufgenommen am 047.09.2019
IFA Elektronikmesse in Berlin
Quelle: AP

Viele Verbraucher sprechen täglich mit einer Spielart Künstlicher Intelligenz. Wenn sie beispielsweise Kurznachrichten in ihr Smartphone nicht mehr eintippen, sondern einsprechen oder das Smartphone in Gänze per Sprachbefehl bedienen. Denn die dahinter liegenden Programme lernen quasi von selbst und werden deswegen immer leistungsfähiger und treffgenauer.

Künstliche Intelligenz und hochauflösende Fernseher im Trend

Künstliche Intelligenz ist einer der Trends, die sich mittlerweile – zumindest in Ansätzen – in vielen technischen Geräten wiederfindet. Bildschirme "lernen" ihre Auflösungen optimal anzupassen, das Soundsystem aus dem Fernseher erkennt per Software, ob die Akustik, die die Bilder auf dem Bildschirm begleitet, aus einem Studio, einem Konzertsaal oder einem Stadion kommt – und passt sich dementsprechend an.

Damit sind die wichtigsten Trends benannt: Neue, hochauflösende Fernseher werden die Hallen der IFA ebenso bespielen wie kabellose Soundboxen, die sich untereinander vernetzen lassen. Doch all das Technikrauschen wird begleitet von einem kühlen Gegenwind, den die Branche in wirtschaftlicher Hinsicht spürt. "Wir erhoffen uns durch die IFA Rückenwind, weil die Produkte der Branche damit wieder im Rampenlicht stehen", sagt der Sprecher der gfu, Roland Stehle. Die gfu ist die Gesellschaft zur Förderung der Unterhaltungselektronik in Deutschland – ein Branchenverband. "Zum anderen ziehen die Geschäfte im zweiten Halbjahr gewöhnlich immer etwas an, durch das Weihnachtsgeschäft."

Branche leidet unter schwindenden Umsätzen und Preisverfall

Das würde den Umsätzen und Verkäufen in der Elektronik- und Unterhaltungsindustrie guttun. Denn in den ersten sechs Monaten des Jahres ist der Umsatz im Bereich klassischer Unterhaltungselektronik nach einem Branchenindex der Konsumforscher der GfK in Nürnberg um gut sieben Prozent auf 3,9 Milliarden Euro zurückgegangen. Dabei lässt sich diese Zahl allerdings etwas differenzieren: Denn während die Absätze in etwa stabil geblieben sind, leidet die Branche vor allem unter einem Verfall ihrer Verkaufspreise. Das wiederum betrifft nicht alle Produktgruppen, aber wichtige, wie beispielsweise Fernseher.

Dabei geraten die Mattscheiben von einst größer, und sie lösen immer besser auf. So werden auf der IFA in diesem Jahr hochauflösende 8K-Fernseher von den vielen Neuheiten besonders im Fokus stehen. Die Fernsehgeräte sind zudem mittlerweile fast alle vernetzt und werden selbstlernend immer smarter. Nur sind Verbraucher nicht bereit, dafür tiefer in die Tasche zu greifen. Mittlerweile bezahlen die Kunden für einen neuen Fernseher im Durchschnitt rund 560 Euro. Vor einem Jahr waren es noch knapp 620, das entspricht einem Preisverfall von über zehn Prozent.

Teure Smartphones sind sehr gefragt

Auch der Digitalverband Bitkom registriert die Preisflaute. Seinen Berechnungen zufolge werden die Umsätze bei Geräten wie Fernseher, Digitalkameras, Audioanlagen oder Spielekonsolen im laufenden Jahr um 7,7 Prozent zurückgehen. Das größte Segment in diesem Markt sind mit rund 45 Prozent besagte Fernsehgeräte, was auch einen Großteil des Rückganges erklärt. Doch auch Bitkom-Präsidiumsmitglied Olaf May ist zuversichtlich für die nahe Zukunft. "Neue Trends wie 8K und künstliche Intelligent werden zu einer Belebung des Marktes führen."

Bei den Beobachtern von Bitkom übrigens firmieren Smartphones in der Statistik nicht mehr unter der Überschrift Unterhaltungselektronik – zu vielseitig seien deren Einsatzmöglichkeiten. "Ein Smartphone, das tagsüber im Projektmanagement oder zur Erfassung von Kundendaten im Einsatz ist, wird zwischendurch zur Spielkonsole und abends zum Fernsehempfänger und Fotoalbum", erklärt May. "Für Lehrer kann ein Smartphone ein Arbeitsmittel sein, für Schüler ein Bildungsmedium."

Faltbare Handys und kabellose Lautsprecher beliebt

Entsprechend ist die Nachfrage nach den Wunderflundern im Taschenformat ungebremst. In diesem Jahr geben die Verbraucher statt für Fernseher ihr Geld lieber für neue Smartphones aus - deren Durchschnittskaufpreis steigt nach Berechnungen von Bitkom um satte 12 Prozent auf 532 Euro. Der Trend geht hier also eindeutig zu den hochwertigen Modellen, zu hoher Auflösung und größeren Bildschirmen. Die wiederum drängen auch in Form neuer Modelle mit faltbaren Bildschirmen auf den Markt - auch das einer der Trends auf der diesjährigen IFA. Damit können Verbraucher den Vorteil eines quasi doppelt so großen Bildschirmes mit einem kompakten Taschenformat kombinieren.

Da über Apps auch gleich Musik und Filme aus dem Netz gestreamt, gehört und angeschaut werden können, sind kabellose Soundsysteme weiter gefragt. Nach jüngsten Daten der GfK und deren HEMIX-Index ist die Nachfrage nach (schnurlosen) Kopfhörern im ersten Halbjahr um weitere satte 31 Prozent gestiegen, die Nachfrage nach Bluetooth-Lautsprechern immerhin um sechs Prozent.

Passend dazu wird es auch einige Modelle mit dem neuen Empfangsstandard 5G geben - für das Surfen in superschnellen Kommunikationsnetzen der Zukunft. Allerdings werden die wohl einfach durch die schnöde Realität ausgebremst, dass diese Übertragungstechnologie in ihren Anfängen steckt und erst nach und nach in den Alltag der Verbraucher hereinstrahlen wird.

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