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Konjunkturforscher - "Deutsche Wirtschaft brummt"

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Volldampf, Hochkonjunktur - Forscher bescheinigen der deutschen Wirtschaft einen anhaltenden Boom. Sie haben die Prognose für dieses und das nächste Jahr kräftig erhöht.

Baukräne in Berlin
Baukräne in Berlin
Quelle: picture alliance/Bildagentur-online

Das Ifo-Institut sagt der deutschen Wirtschaft im kommenden Jahr das stärkste Wachstum seit 2011 voraus. Die Münchner Forscher hoben am Donnerstag die Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von 2,0 auf 2,6 Prozent an. Für das zu Ende gehende Jahr erwarten sie nun 2,3 (bisher 1,8) Prozent.

"Die deutsche Wirtschaft brummt", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. "Der Schwung vom Jahre 2017 verlängert sich bis weit ins Jahr 2018 hinein." 2019 soll es dann noch zu einem Plus von 2,1 Prozent reichen - es wäre das zehnte Wachstumsjahr in Folge.

Durch den Boom entstehen den Prognosen zufolge immer mehr Jobs. 2019 sollen 45,2 Millionen Frauen und Männer in Lohn und Brot stehen - so viele wie noch nie und 900.000 mehr als in diesem Jahr. Parallel dazu dürfte die Zahl der Arbeitslosen bis auf 2,2 Millionen sinken, was 300.000 weniger wären als 2017. "Viele Branchen florieren, vom Bau über die Industrie bis zum Handel", sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. Die Inflation dürfte schrittweise anziehen. 2019 soll die Teuerungsrate mit 2,2 Prozent erstmals seit Jahren über der Marke von zwei Prozent liegen, bis zu der die Europäische Zentralbank von stabilen Preisen spricht.

Arbeitsmarkt unter Druck

Der Boom spült viel Geld in die Staatskassen. Für dieses Jahr erwartet das Ifo-Institut einen Überschuss im Staatshaushalt von 42,1 Milliarden, im kommenden Jahr von 50,6 Milliarden und 2019 sogar von 62,1 Milliarden Euro. Wegen der noch ausstehenden Regierungsbildung seien diese Schätzungen allerdings mit Unsicherheit behaftet. Auch der international viel kritisierte deutsche Leistungsbilanzüberschuss dürfte immer weiter steigen und 2019 bei 278 Milliarden Euro liegen.

Auch das Institut für Weltwirtschaft (IfW) hob seine Prognose für das BIP-Wachstum an - von 2,2 auf 2,5 Prozent im nächsten Jahr. "Die deutsche Wirtschaft steht unter Volldampf", erklärten die Forscher am Donnerstag. "Bei bereits deutlich über normal ausgelasteten Kapazitäten nähert sie sich damit in großen Schritten der Hochkonjunktur." Anspannungen zeigten sich zunehmend am Arbeitsmarkt. Hier zeichneten sich immer stärker Knappheiten ab.

Den Aufschwung sieht das IfW auf einem breiten Fundament stehen. "Die privaten Konsumausgaben werden aufgrund der hohen Einkommenszuwächse wohl weiter lebhaft expandieren", erwarten sie. "Der Bau-Boom wird sich angesichts der anhaltend günstigen Finanzierungsbedingungen fortsetzen, auch wenn Kapazitätsengpässe hier zu zunehmend steigenden Baupreisen führen werden." Die Exporte dürften vom Aufschwung der Weltwirtschaft profitieren. Auch mehrten sich die Zeichen dafür, dass die Unternehmen angesichts stark ausgelasteter Kapazitäten und hervorragender Geschäftsaussichten mehr investieren.

Experten warnen vor wachsender Fallhöhe

"Mit zunehmender Überauslastung steigt die Fallhöhe für die deutsche Konjunktur", warnen die Experten zugleich. Ressourcen drohten in systematischer Weise fehlgelenkt zu werden. "Hierdurch bilden sich vermehrt Produktionsstrukturen heraus, die nicht dauerhaft marktfähig sind", so die Ökonomen. Finanzwirtschaftliche Übertreibungen in Zeiten sehr expansiver Geldpolitik – insbesondere verzerrte Vermögenspreise – verstärkten diesen Prozess noch. "Die Bereinigung dieser Fehlentwicklungen geht dann typischerweise mit einer Anpassungsrezession einher, die umso härter ausfällt, je stärker sich der vorangegangene Boom ausprägen konnte", betonte das IfW.

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