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Arbeitskampf - IG Metall droht mit Ausweitung der Streiks

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Im Tarifkonflikt der Metallindustrie droht Gewerkschaftsboss Jörg Hofmann zum Auftakt der dritten Verhandlungsrunde mit härteren Streiks. Zugleich gibt er sich siegessicher.

Arbeiter von Hydro Aluminium laufen am 10.01.2018 in Hamburg vor dem Werkstor zu einer Kundgebung im Rahmen eines Warnstreiks der IG-Metall
Seit Jahresbeginn sind bereits viele Gewerkschafter auf die Straße gegangen, um Druck im Tarifkonflikt der Metallindustrie zu machen.
Quelle: dpa

Vorab lässt die IG Metall schon mal die Muskeln spielen: Umfangreiche Warnstreiks bundesweit in der Metall- und Elektroindustrie läuten den heutigen Donnerstag ein, bevor sich Gewerkschaftsvertreter am Nachmittag erstmals in diesem Jahr im baden-württembergischen Böblingen mit dem Arbeitgeberverband zusammensetzen. Seit dem Ende der Friedenspflicht zu Jahresbeginn gingen nach Angaben der Gewerkschaft in zahlreichen Bundesländern bereits rund 160.000 Beschäftigte für ihre Forderungen auf die Straße.

"Härtere Geschütze"

IG-Metall-Chef Jörg Hofmann spricht am 10.01.2018 in Homburg, Saarland, bei einem Warnstreik zu Beschäftigten des B0osch Werks
IG-Metall-Chef Hofmann will standhaft bleiben.
Quelle: dpa

IG-Metall-Chef Hofmann sagte zu den Warnstreiks: "Wenn die Arbeitgeber ihre Vetohaltung nicht aufgeben und mit uns über Arbeitszeiten sprechen, müssen wir härtere Geschütze auffahren." Das könnten erstmals Warnstreiks über 24 Stunden oder eine Urabstimmung über Flächenstreiks sein.

Die Gewerkschaft fordert für die 3,9 Millionen Metaller sechs Prozent mehr Geld - die Arbeitgeber haben bislang zwei Prozent geboten. Sie forderten aber wiederum von der Gewerkschaft, mehr Beschäftigte länger als 35 Stunden arbeiten lassen zu dürfen. IG-Metall-Chef konterte das Argument mit der Aussage, wonach die Metaller ohnehin im Schnitt 39,3 Stunden pro Woche arbeiten würden.

Größter Streitpunkt zwischen den Tarifparteien ist jedoch die Forderung nach einem verbrieften Recht auf eine befristete 28-Stunden-Woche, teilweise mit Ausgleichszahlungen. Dies sehen die Arbeitgeber als rechtswidrig an, weil eine solche Regelung eine Ungleichbehandlung gegenüber Beschäftigten bedeuten würde, die bereits in Teilzeit sind. Die IG Metall will aber unnachgiebig bleiben: "Wir werden an dem Punkt nicht locker lassen."

Die Kosten, die ein solches Betreuungs- und Pflegemodell für die Unternehmen bedeuten würde, bezifferte Hofmann auf deutlich unter zwei Prozent der gesamten Lohn- und Gehaltssumme, wenn es alle in Frage kommenden Beschäftigten in Anspruch nehmen würden.

Arbeitgeber schimpfen über "Stilllegungsprämie"

Die Gewerkschaft hält ihre Forderungen auch angesichts der hohen Gewinne in der Metall- und Elektroindustrie und des Dividendenanstiegs von zehn bis 15 Prozent 2017 für angemessen. Was die 28-Stunden-Woche mit Teillohnausgleich betrifft, argumentieren die Arbreitgeber allerdings weniger mit den zu erwartenden Kosten. Ein solcher Lohnausgleich sei "quasi eine Stilllegeprämie für Fachkräfte", hatte Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander die Forderung als indiskutabel bewertet.

Gewerkschaftschef Hofmann erwartet von den Arbeitgebern heute, konstruktiv in die Verhandlungsrunde in Böblingen und die folgenden Termine zu gehen. "Es ist endlich mal Arbeit angesagt", sagte er in der IG-Metall-Zentrale in Frankfurt am Main. Letztendlich ist er sich sicher, dass die Gewerkschaft ihre Forderungen durchsetzen kann: "Ich bin auch der Auffassung, dass wir dort ein ordentliches Ergebnis erzielen werden."

"Das gefährdet Arbeitsplätze"

Im ARD-"Morgenmagazin" forderte allerdings die Gegenseite ein Entgegenkommen der Gewerkschaften. "Das, was die IG Metall uns auf den Tisch legt, das gefährdet eben die Arbeitsplätze und ist nicht im Sinne der Menschen", sagte Stefan Wolf vom Regionalverband Südwestmetall, der die Verhandlungen für die Arbeitgeber führen wird.

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