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IG-Metall-Tarifkommission - Metaller für Lohnplus und kürzere Arbeitszeit

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Es ist nur ein Stimmungsbild, aber schon ein recht konkretes: Die IG Metall will in der kommenden Tarifrunde mehr Geld und das Recht auf eine befristete Arbeitszeitverkürzung aushandeln. Die Arbeitgeber sind wenig begeistert.

Für die anstehende Tarifrunde peilt die IG Metall die Forderung nach einem Lohnplus von um die sechs Prozent an. Außerdem soll für alle Beschäftigten ein Anspruch auf eine befristete Arbeitszeitverkürzung auf bis zu 28 Wochenstunden ausgehandelt werden.

Die Große Tarifkommission der IG Metall im Südwesten beschloss am Donnerstag in Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart eine entsprechende Resolution. Auch in den sechs anderen Metalltarifbezirken trafen sich die Gremien, um über ihre Forderungen zu beraten - mit ähnlichen Ergebnissen.

"Hochriskante Wette auf die Zukunft"

Sehr zum Verdruss der Gegenseite: Niedersachsens Metall-Arbeitgeber lehnen das von der IG Metall für die anstehende Tarifrunde angepeilte Lohnplus von 6,5 bis 7 Prozent ab. "Der Forderungsrahmen von bis zu sieben  Prozent passt nicht zum Ausblick unserer Unternehmen. Das wäre eine hochriskante Wette auf die Zukunft", warnte der Hauptgeschäftsführer von Niedersachsenmetall, Volker Schmidt, in Hannover.

Auch die Forderung nach Arbeitszeitverkürzung passe angesichts des Fachkräftemangels nicht in die Zeit. Mancher Betrieb könne wegen fehlender Fachkräfte mittlerweile nicht mehr jeden Auftrag annehmen. Eine 28-Stunden-Woche stelle die seriöse Personalplanung vor kaum lösbare Herausforderungen: "Dass die IG Metall nun die Forderung nach einer Arbeitszeitverkürzung mit dieser saftigen Entgeltforderung verschränkt, macht einen Tarifkompromiss nicht gerade leichter."

Kein Anzeichen für Verschlechterung

"Die wirtschaftliche Situation ist gut, ist sehr gut", sagte hingegen der Bezirksleiter der IG Metall Baden-Württemberg, Roman Zitzelsberger. Anzeichen für eine Verschlechterung gebe es nicht. Verglichen mit der vorangegangenen Tarifrunde 2016 könne man noch einen Schritt mutiger sein. Damals war IG Metall mit einer Forderung von fünf Prozent gestartet. Die Metallarbeitgeber im Südwesten nannten die Vorstellungen der Gewerkschaft "eine schwere Hypothek" für die anstehende Tarifrunde.

Auch in Nordrhein-Westfalen schwebt der IG Metall den Angaben zufolge eine Forderung in einem Korridor um sechs Prozent vor. Im Bezirk Mitte wurden ebenfalls sechs Prozent vorgeschlagen, in Niedersachsen wurden 6,5 bis 7 diskutiert, Bayern legte sich nicht auf eine genaue Zahl fest.

Gewisse Orientierungswirkung

In der Metall- und Elektrobranche in Baden-Württemberg sind rund 900. 000 Menschen tätig. In ganz Deutschland sind es 3,9 Millionen, von denen knapp die Hälfte (1,8 Millionen) in Firmen mit Tarifbindung arbeitet. Auf Firmen ohne Bindung hat der Tarifvertrag aber eine gewisse Orientierungswirkung.

Mit der sogenannten kurzen Vollzeit will die Gewerkschaft nach eigenen Angaben dem Wunsch vieler Menschen Rechnung tragen, Arbeit und Privatleben besser miteinander vereinbaren zu können. Für 24 Monate sollen Beschäftigte ihre Arbeitszeit auf bis zu 28 Stunden pro Woche herunterfahren und anschließend entscheiden können, ob sie in die reguläre Vollzeit zurückkehren oder weiter verkürzt arbeiten wollen. Für bestimmte Gruppen wie Schichtarbeiter oder Beschäftigte, die zu Hause Kinder zu betreuen haben oder Angehörige pflegen, will die IG Metall einen Zuschuss aushandeln.

Vorhaben kritisiert

Der Verband der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie kritisierte das Vorhaben und warnte davor, dass sich der Faktor Arbeit weiter verteuere. Südwestmetall-Chef Stefan Wolf nannte die "alimentierte Arbeitszeitverkürzung für große Teile der Belegschaften" einen extremen Kostentreiber. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) hingegen betonte, es sei gut, dass die IG Metall die Arbeitszeit zu einem zentralen Punkt in der anstehenden Tarifrunde machen wolle.

Der Vorstand der IG Metall gibt seine Forderungsempfehlung am 10. Oktober ab. Zwei Wochen später beschließen die Tarifkommissionen in den Bezirken, mit welcher Forderung sie in die Verhandlungen gehen wollen, wiederum zwei Tage später legt der Vorstand die endgültige Forderung fest. Erstmals verhandelt wird dann im November.

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