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Studie - IG Metall warnt: E-Auto-Umstieg kostet Jobs

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Innovation mit Nebenwirkung: Die Umstellung auf E-Autos könnte Zigtausende Jobs kosten, heißt es in einer Studie. Angestoßen wurde sie von der Autoindustrie und der IG Metall.

Die Herstellung von Elektro-Autos kostet die Branche viele Arbeitsplätze - das ergab eine Analyse von IG Metall, Herstellern, Zulieferern und des Fraunhofer-Instituts.

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Nach Berechnungen des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) könnten - in einem noch relativ günstigen Fall - unter dem Strich rund 75.000 von derzeit 210.000 Jobs in der Antriebstechnik wegfallen. Auch andere Branchen wie Stahlhersteller oder Maschinenbauer würden getroffen. "Je nach Betrieb und Region können die Folgen beträchtlich sein", erklärte Institutschef Oliver Riedel in Frankfurt. Beschäftigte von kleinen Zulieferbetrieben in strukturschwachen Regionen wären am schwersten betroffen.

Den Grund erklärt VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh: Ein Elektroantrieb habe nur ein Sechstel so viele Teile wie ein Benzin- oder Dieselantrieb, eine Batteriefabrik brauche nur ein Fünftel so viele Arbeitskräfte wie ein Motorenwerk und ein E-Auto ein Drittel weniger Arbeitszeit. Andere Studien mit breiterem Ansatz folgern zwar, dass im Wandel der Autoindustrie zu Elektromobilität, mobilen und digitalen Dienstleistungen per Saldo mehr Jobs entstehen als verschwinden. Wichtig aus Sicht der IG Metall sind aber nicht die exakten Zahlen und abstrakte Nettoeffekte, sondern wie ein Arbeiter vom Kolbenmechaniker zum Techniker für Leistungselektronik wird.

IG-Metallvorsitzender Hofmann: Politik muss gegensteuern

Der IG-Metall-Vorsitzende Jörg Hofmann erklärte, die Gewerkschaft wolle mit der Studie keine Angst schüren, aber Unternehmen und Politik aufrütteln, frühzeitig gegenzusteuern: "Da sind zunächst mal die Unternehmen gefordert."
Die Politik müsse den notwendigen Strukturwandel durch eine zielgerichtete Industrie- und Beschäftigungspolitik flankieren, die Unternehmen müssen vor allem mit einer massiven Qualifizierungsoffensive dafür sorgen, dass die Beschäftigten in diesem Wandel nicht unter die Räder kommen, so Hofmann.

In einzelnen Regionen könnte es ohne ein Gegensteuern zu heftigen Problemen am Arbeitsmarkt kommen. Bosch-Konzernbetriebsrat Hartwig Geisel weist beispielsweise auf die Werke im saarländischen Homburg und im fränkischen Bamberg hin, deren 13.000 Beschäftigte nahezu ausschließlich Teile für Verbrennungsmotoren bauen. "Da wird die Luft extrem dünn. Neue Technologien müssen hier angesiedelt werden, um die industrielle Basis zu erhalten", mahnt der Arbeitnehmervertreter.

Fraunhofer-Studienleiter Oliver Riedel sieht auch kleinere, auf Verbrennungsmotor-Komponenten spezialisierte Zulieferer gefährdet. Kern der E-Mobilität ist die Batterie, die bislang vor allem in den Händen chinesischer und südkoreanischer Hersteller ist. "Die Zelle ist der Kolben von morgen", mahnt Hofmann, um Kompetenzen langfristig zu sichern. VW-Betriebsratschef Osterloh setzt sich dafür ein, dass zumindest die nächste Batterie-Generation der Feststoffzelle in Europa gebaut wird. Jetzt noch in die konventionelle Lithium-Ionen-Technologie zu investieren, hält er für falsch.

Montagezeit pro Auto wird geringer

Trotz erheblicher Investitionen in die Elektromobilität - allein VW hat für die kommenden fünf Jahre rund 30 Milliarden Euro angekündigt - würden künftig auch die Markenhersteller weniger Arbeitsplätze bieten, ist Osterloh überzeugt. Ein Elektro-Antriebsstrang bestehe aus 200 Teilen im Vergleich zu rund 1.200 bei konventioneller Technik. Die notwendige Montagezeit pro Auto sinke von derzeit etwa 20 auf unter 15 Stunden. Die IG Metall will nun möglichst für jeden Betrieb eine kleine Studie zu den konkreten Arbeitsplatz-Folgen erstellen.

Auf die Umwälzung hin zu den E-Antrieben seien die Unternehmen vorbereitet, erklärte der Verband der Automobilindustrie (VDA). Gerade die mit der Elektrifizierung verbundenen Beschäftigungseffekte verlangten eine gemeinsame Anstrengung von Industrie, Gewerkschaft und Politik. Der Verband warnte vor zu ehrgeizigen Klimaschutzzielen und forderte eine angemessene Berücksichtigung der beschäftigungsintensiven Plug-in-Hybride als Übergangstechnologie. Zudem müsse der Aufbau der Ladeinfrastruktur europaweit vorangetrieben werden.

Fraunhofer-Studie mit vorsichtigen Annahmen

Das Fraunhofer-IAO aus Stuttgart erarbeitete die Neuauflage der erstmals 2012 angestellten Studie mit Hilfe und Daten der deutschen Autokonzerne BMW, Daimler und Volkswagen sowie den großen Zulieferern Bosch, ZF Friedrichshafen, Mahle und Schaeffler. Das Szenario eines Wegfalls von 75.000 Stellen unter Einrechnen von 25.000 neu entstehenden Arbeitsplätzen ist noch eines mit vorsichtigen Annahmen über den Hochlauf von Elektroautos: Dabei wird für 2030 ein Batterieauto-Anteil von 25 Prozent vorgenommen - diese Zielmarke wollen die Autobauer allerdings schon fünf Jahre früher erreichen, um die CO2-Vorgaben in der EU einzuhalten. Die IAO-Forscher konzentrierten sich auf die Beschäftigungseffekte in der Antriebsproduktion. Bei schnellerem Umstieg auf E-Autos könnten demnach auch bis zu 109.000 oder gut die Hälfte der Beschäftigten ihre Stellen verlieren.

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