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Krankenkassen kritisieren - Privat gezahlte Leistungen oft nutzlos

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Viele Ärzte empfehlen Untersuchungen, die Patienten privat zahlen müssen. Doch diese Leistungen seien oft nutzlos, warnen nun die Kassen. Die Linke spricht sogar von "Profitgier".

Individuelle Gesundheitsleistungen, kurz: Igel, sind ein großes Geschäft. Sind solche Zusatzleistungen beim Arzt wirklich sinnvoll? Nein, sagt eine neue Studie.

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Die Augeninnendruckmessung ist ein Topseller in deutschen Arztpraxen. Die Untersuchung, mit der Ärzte Grünen Star frühzeitig erkennen können, wurde nach einer Umfrage 22 Prozent der gesetzlich Versicherten angeboten. Der Augeninnendruckmessung dicht auf den Fersen: Untersuchungen zur Früherkennung von Krebs. Etwa der Ultraschall der Eierstöcke (19 Prozent), der Ultraschall der Brust (zwölf Prozent) oder der PSA-Test der Prostata (sieben Prozent).

Gemeinsam haben all diese Leistungen zwei Dinge. Erstens: Patienten müssen sie als sogenannte individuelle Gesundheitsleistungen (Igel) privat zahlen. Und zweitens: Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDS) hält sie in vielen Fällen für mehr oder weniger nutzlos. Der von den gesetzlichen Krankenkassen unterstützte "Igel-Monitor" stuft die zehn häufigsten Igel-Leistungen als negativ, tendenziell negativ oder bestenfalls unklar ein.

Patienten fühlen sich unter Druck gesetzt

"Die Igel-Angebote orientieren sich nicht am nachgewiesenen medizinischen Nutzen, sondern an den Vorlieben einzelner Arztgruppen und an den Umsatzinteressen der Praxen", kritisiert MDS-Geschäftsführer Peter Pick. Zum Teil würden Patienten sogar unter Druck gesetzt, solche Leistungen zu kaufen - obwohl sie oft mehr Schaden als Nutzen brächten.

Beispiel Ultraschall zur Eierstockkrebs-Früherkennung: Bei dieser Untersuchung sei das Wissen um mögliche Schäden und den geringen Nutzen seit langem bekannt, erklärt MDS-Expertin Michaela Eikermann. Diese Erkenntnis werde aber zu wenig in der Praxis umgesetzt. "Wir sehen ein großes Potenzial zur Bereinigung des Igel-Marktes und zum Schutz der Patienten vor unnötigen und schädlichen Leistungen", sagt Eikermann.

Wie die Umfrage des "Igel-Monitors" weiter zeigt, geht nur bei vier Prozent der erbrachten Selbstzahlerleistungen die Initiative von Patienten aus. Demgegenüber stehen mehr als ein Drittel an Patienten, die sich von ihrem Arzt bedrängt und unter Druck gesetzt fühlen.

Individuelle Gesundheitsleistungen (Igel) zeigten häufig keinen Nutzen, sagt Michaela Eikermann vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen. Einige Leistungen seien sogar schädlich.

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Verband der Frauenärzte verteidigt sich

Der Berufsverband der Frauenärzte wirft den Kassen vor, Igel-Leistungen mit dem Monitor in "Misskredit" zu bringen und Misstrauen gegen Ärzte zu säen. Viele dieser Leistungen seien "so sinnvoll, in Studien erprobt und in Leitlinien empfohlen, dass sie eigentlich Kassenleistungen sein sollten", verteidigt Verbandspräsident Christian Albring die Untersuchungen. Das aber wollten die Kassen aus Kostengründen nicht.

Zwar schätzt auch der Berufsverband den "isolierten Ultraschall zum Screening auf Eierstockkrebs" als nicht sinnvoll ein. Es gehe allerdings auch nicht darum, Eierstockkrebs zu entdecken, sondern generell Veränderungen zu beurteilen.

Linke: Ärzte zu gierig

Die Linkspartei wirft den Ärzten "Profitgier" vor. Unnötige und gesundheitsschädigende Angebote müssten gestrichen werden, der Sprecher für Gesundheitsökonomie der Linksfraktion im Bundestag, Achim Kessler.

Igel-Leistungen im Überblick

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