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Ikea - Ein Möbelriese will in die Fußgängerzonen

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Der schwedische Ikea-Konzern will noch mehr Filialen in die Innenstädte holen. Kann das funktionieren?

Ikea Fußgängerzonen-Filiale in Hamburg Altona (Archivbild).
Ikea Fußgängerzonen-Filiale in Hamburg Altona (Archivbild). Quelle: imago

Eine Portion Köttbullar zum Mittagessen? Nach Feierabend noch schnell ein paar Kerzen und Servietten kaufen? "Schnell" und Ikea - das passt einfach nicht zusammen. Bisher kennt man Ikea als riesigen Flachbau an der Autobahn, der Parkplatz größer als ein Fußballfeld. Allein die Anfahrt dauert mindestens eine halbe Stunde, von dem labyrinthartigen Fußweg durch den Möbelriesen ganz zu schweigen.

Erster Citystore seit vier Jahren in Hamburg Altona

Das soll sich in Zukunft ändern. Ikea will in die Stadtzentren. Wie soll das funktionieren? In Hamburg läuft das neue Geschäftsmodell bereits seit längerem. Hier eröffnete das Möbelhaus vor vier Jahren den ersten Citystore - mitten in der Fußgängerzone. Das Konzept geht offensichtlich auf: Ikea Altona hat sich zu einer der besucherstärksten Filialen in ganz Deutschland entwickelt.

Wenn auch nicht ganz ohne Anlaufschwierigkeiten: Obwohl 77 Prozent der Anwohner in einem Bürgerentscheid für den Möbelriesen stimmten, gingen einige Anwohner auf die Barrikaden. Sie befürchteten ein Verkehrschaos - das aber blieb aus. "Tatsächlich kommen sogar 80 Prozent der Kunden ohne Auto", sagt Johannes Ferber, Expansionschef von Ikea Deutschland.

Dabei sei vor allem eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr wichtig. Viele Kunden kämen aber auch zu Fuß, mit Einkaufstrolleys oder mit dem Fahrrad. Die Parkplätze würden kaum benötigt.

Magnetwirkung auch für andere Einzelhändler

Klaus-Peter Sydow hat sein Reisebüro direkt gegenüber. "Ikea hat sich als sehr guter Nachbar erwiesen. Das Unternehmen bezieht alle Einzelhändler in der Umgebung mit ein", sagt der Vorsitzende der "Interessensgemeinschaft Große Bergstraße". Noch vor ein paar Jahren sei der Zustand der Einkaufsstraße desolat gewesen. "Es musste ein großer her, um den Einzelhandel wieder aufleben zu lassen. Jemand mit Magnetwirkung. Durch Ikea wurde die Einkaufsstraße wiederbelebt."

Die neuen Citystores sollen keine Kopie der Ikea-Filiale in Hamburg Altona werden. Ikea-Mann Ferber ist sich aber sicher: "Aus dem Experiment in Altona haben wir unheimlich viel gelernt." Zum Beispiel über das Einkaufsverhalten der Großstadt-Kunden: "Die Menschen kommen häufiger und kaufen weniger." Das Möbelhaus wird hier zum Treffpunkt und Showroom, in dem die Kunden ihre Inspirationen für ihren Online-Einkauf finden.

Die meisten kommen zum Essen und nehmen eher im Vorbeigehen noch ein paar Teelichter, Deko-Kissen und Untersetzer mit. Inzwischen macht der Online-Umsatz bei Ikea mehr als sechs Prozent des Gesamtumsatzes aus - und liegt damit aber noch weit unter dem Schnitt der deutschen Einzelhändler insgesamt.

Brigitte Nolte vom Handelsverband Nord kann diesen Trend nur bestätigen. "Die Unternehmen gehen dahin, wo die Kunden sind." Und das seien vor allem die Fußgängerzonen und Einkaufszentren der großen Metropolen wie Hamburg, Frankfurt oder München. Es gehe nicht nur darum, die Produkte zu verkaufen, sondern darum, die Kunden in die Geschäfte zu holen. "Die nutzen vielleicht das Gastronomie-Angebot, kaufen ein paar Kleinigkeiten und gucken sich das Angebot an, das sie dann online kaufen."

Zentrale Standorte sind hart umkämpft

Neben Ikea fährt beispielsweise auch Globetrotter diese Strategie. Im April 2017 ist der Outdoor-Händler erstmals mit zwei Filialen in Düsseldorf und Hamburg in die Innenstadt gezogen. Die Nähe zum Kunden ist das neue Mantra. Fürs erste will Ikea kaum noch Häuser auf der grünen Wiese bauen. So fallen zum Beispiel die ursprünglich geplanten Filialen in Bottrop und Castrop-Rauxel der neuen Strategie zum Opfer. Dafür ist die nächste Innenstadtfiliale in München schon in der Pipeline.

Ähnlich wie auch vor vier Jahren in Hamburg begegnen die Anwohner dem Vorhaben mit Skepsis. Auch sie befürchten ein Verkehrschaos. "Ikea in der Innenstadt kann man sich erst einmal schwer vorstellen", findet auch Anna Hanusch, Vorsitzende des Bezirksausschusses Neuhausen-Nymphenburg. Hier befindet sich grade die Paketposthalle auf dem Prüfstand - einer von drei möglichen Standorten. "Es muss sichergestellt werden, dass kein massiver Verkehr angezogen wird."

Die junge Grünen-Politikerin befürchtet außerdem, dass Ikea bestehende Geschäfte verdrängen könnte. "Wo aber andere Sachen fehlen, kann das durchaus zu einer Belebung führen." Fest steht: Die Innenstadtfilialen werden kommen. Das schwedische Möbelhaus will ab sofort vor allem eins: Sichtbar sein.

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