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Ikea-Gründer Kamprad ist tot - Möbel-Milliardär mit Spar-Neigung

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Aus seinem kleinen Versandhandel wurde eine der bedeutendsten Möbelketten der Welt, und der Ruf der Sparsamkeit eilte dem Milliardär voraus: Ikea-Gründer Ingvar Kamprad ist tot.

Er gehörte zu den reichsten Menschen der Welt: Ikea-Gründer Ingvar Kamprad ist im Alter von 91 Jahren gestorben.

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Ingvar Kamprad, Gründer des schwedischen Möbelkonzern Ikea, ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Das teilte das Unternehmen am Sonntag über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Kamprad sei in seinem Heim in der Region Småland friedlich eingeschlafen, hieß es. "Ingvar wird von seiner Familie und von Ikea-Mitarbeitern auf der ganzen Welt sehr vermisst werden und in Erinnerung bleiben."

Schon als Siebenjähriger bewies er kaufmännisches Geschick: Mit dem Rad fuhr er nach Stockholm und kaufte Streichhölzer, weil die dort billiger sind. Zuhause verkaufte er sie mit Gewinn an seine Nachbarn. Später erweiterte er sein Sortiment um Blumensamen, Grußkarten und Weihnachtsbaumdekorationen. Den heutigen Möbelriesen gründete Kamprad 1943 mit 17 Jahren. Das I und das K stehen für seine Initialien, E und A für die Bauernhöfe Elmtaryd und Agunnaryd, auf denen er aufgewachsen ist. Anfangs waren Stifte, Portemonnaies, Bilderrahmen, Tischläufer, Uhren, Schmuck und Nylonstrumpfhosen zu Niedrigpreisen im Angebot. Kamprad lieferte die Produkte zunächst per Fahrrad aus. Möbel kamen 1947 dazu. 1951 erschien erstmals ein Katalog, ausgeliefert per Milchmann.

Kurz darauf verlegte sich Kamprad komplett aufs Geschäft mit Möbeln. 1956 wurde mit dem Tisch "Lövet" erstmals ein Möbelstück zum Eigenbau angeboten - die Beine waren nicht mit der Tischplatte verbunden. Im Visier hatte Kamprad von Anfang an den kleinen Mann mit schmalem Geldbeutel. Er war selbst unter einfachen Leuten im schwedischen Småland aufgewachsen. "Ich sah die armen Landarbeiter, die nicht im Haus, sondern im Stall essen mussten", erzählte er 2014. Damals habe er sich eines gemerkt: "Wenn ich jemals mit meinen småländischen Ideen Erfolg haben (...) will, darf ich nie die anderen armen Menschen vergessen."

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Im Visier: der kleine Mann mit schmalem Geldbeutel

Seine Möbel, die in handliche Pakete verstaut werden können, eroberten die Wohnzimmer der Skandinavier und dann die der ganzen Welt. Fünf Jahre nach Eröffnung der ersten Ikea-Hauses in Kamprads Heimatort Älmhult 1958 wurde in Oslo die erste Filiale außerhalb Schwedens gegründet. 1974 öffnete der erste deutsche Ikea in München. In mehr als 40 Ländern kann man inzwischen Billy-Regale und den Wippstuhl Poäng kaufen. Aktuell betreibt Ikea 348 eigene Einrichtungshäuser und 45 Einkaufszentren mit insgesamt 163.600 Mitarbeitern.

Der Milliardär selbst war trotz seines Reichtums für seine Sparsamkeit bekannt. In den 70er Jahren zog er zunächst nach Dänemark und dann in die Schweiz, um Steuern zu sparen. Von 2010 an übergab er die Leitung des Unternehmens nach und nach an seine drei Söhne. Vier Jahre später zog er sich in seine Heimat Småland zurück - nach dem Tod seiner Frau Margaret wollte er seiner Familie näher sein. Kurz zuvor hatte er sich aus dem Aufsichtsrat der Firma, die das Ikea-Konzept vermarktet, zurückgezogen - auch aus gesundheitlichen Gründen. "Ich habe Schwierigkeiten mit meinem Rücken, und deshalb habe ich nicht die Energie, so weiterzumachen wie ich es bisher getan habe", sagte er damals.

Unzulässige Steuerpraktiken

Der Ikea-Konzern ist mittlerweile ein kaum durchschaubares, multinationales Geflecht mit weltweit 34,2 Milliarden Euro Erlös, davon 4,75 Milliarden Euro auf dem größten Einzelmarkt Deutschland. Aus steuerlichen Gründen wandelt Kamprad die Firma 1982 in eine Stiftung mit Sitz in den Niederlanden um. Der Konzern spaltet sich in viele Firmen auf, die in Liechtenstein, Luxemburg, Schweden und den Niederlanden registriert sind. Die Luxleaks-Affäre wirft 2014 ein Schlaglicht auf das Steuergebaren von Ikea. Ende 2017 nimmt die EU-Kommission das schwedische Möbelhaus wegen möglicherweise unzulässiger Steuerpraktiken ins Visier.

Auch Kamprads politische Vergangenheit brachte ihm Kritik ein. Er hatte als junger Mann während des Zweiten Weltkriegs Verbindungen zu schwedischen Nationalsozialisten, wie eine schwedische Zeitung 1994 enthüllte. Nach eigenen Angaben brach Kamprad den Kontakt zu der Gruppierung 1948 ab. In einem Brief an seine Mitarbeiter beschrieb Kamprad seine Nähe zu den Extremisten als den "größten Fehler meines Lebens".

Kamprad war ein Mann der Gegensätze. Er gab selten Interviews, sprach aber viel mit Kunden und Angestellten. Er wurde mit Ikea zu einem der reichsten Menschen der Welt, blieb seiner Sparsamkeit aber immer treu. Die Aura eines Tycoons umwehte ihn nie: In einem Buch über die Firmengeschichte aus dem Jahr 1998 beschrieb er seine Angewohnheit, immer kurz vor Marktschluss Gemüse einzukaufen, um so einen besseren Preis für die Produkte zu erhalten. Seine Kleidung blieb bis zuletzt bescheiden. Und wie es sich für einen Schweden gehört, fuhr er ein schlichtes Modell eines bestimmten Autobauers - einen Volvo.

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