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Ikonen - was wir Menschen anbeten

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Ausstellung in Bremen - Ikonen - was wir Menschen anbeten

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Während Wirtschaft und Kirchen in der Weihnachtszeit mit Bildern um die Aufmerksamkeit konkurrieren, bringt eine Ausstellung die Welten zusammen. Sie eint Ikonen, die wir anbeten.

"Balloon Dog", Exponat von Jeff Koons
"Balloon Dog", Exponat von Jeff Koons
Quelle: dpa

Erst kurz vorbei sind die Tage, in denen die Post neben jeder Menge serieller Spendenaufrufe und Werbeprospekte auch höchst individuell gestaltete Karten aus dem Freundes- und Verwandtenkreis zustellte. Meist lächeln einem da Familien in sorgsam inszenierten Aufstellungen entgegen, die vor allem eines auszusagen scheinen: Wir haben es bis hierher ganz gut geschafft.

Kultische Verehrung - Ausstellung in Bremen

Dabei kann jede Bildproduktion - vom Profistudio bis zum heimischen Laptop - auf das stärkste Bild aufbauen, das die christlich geprägte Kultur hervorgebracht hat: Maria mit dem Kind Jesu. Dieses muss natürlich auch Teil einer Ausstellung sein, die Ordnung in die sich immer wieder erneuernden Bildwelten bringt, die zum Niederknien gemalt, gezeichnet, gehauen oder gepixelt wurden.

Die "Madonna mit Kind" von Masolino da Panicale ist eines der ältesten Exponate der Ausstellung "Ikonen. Was wir Menschen anbeten", die seit Mitte Oktober in der Kunsthalle Bremen der Frage nachgeht, "wie sich auch heute noch mit dem Begriff der Ikone kultische Verehrung und die Idee des Übersinnlichen verbinden lässt".

60 Räume - 60 Werke - "Die Sehnsucht nach starken Bildern"

Etwas profaner ausgedrückt geht es "um die Sehnsucht nach starken Bildern", wie Kunsthallen-Direktor Christoph Grunenberg bei der Vorstellung sagte. Ursprünglich ein Fachbegriff für ein religiöses Andachtsbild wird der Begriff Ikone längst für alles gebraucht, was das Zeug hat, aus Menschen Fans oder Konsumenten werden zu lassen. Eine Tatsache, die die Kulturindustrie ironisch kommentiert, indem sie eine Sängerin namens "Madonna" zur Ikone der Popmusik aufbaute.

Repliken der Mona Lisa von Angelo di Vincenzo
Repliken der Mona Lisa von Angelo di Vincenzo
Quelle: dpa

So schlägt die Ausstellung einen gewaltigen Bogen von den frühen religiösen Bildern über den Geniekult der alten Meister und dem Starkult der Popkultur bis zur allgegenwärtigen Warenästhetik. Dabei wird auf 4.500 Quadratmetern Fläche erstmals die gesamte Bremer Kunsthalle bespielt. Jeder der 60 Räume präsentiert jeweils ein Kunstwerk oder ein Werkgruppe.

Selbst der Künstler wird zur Ikone

Die "Madonna mit Kind" ist dabei eines der wenigen Exponate, die die Kunsthalle aus dem eigenen Bestand beisteuern konnte. Der größte Teil der bedeutenden Einzelstücke besteht aus Leihgaben von Museen und Sammlungen der ganzen Welt. So auch ein Mandylion russischer Herkunft, dem Abbild Christi auf einem Tuch, das für die Frühzeit steht, in der die Kunst der Glaubensausübung und der Künstler einer höheren Macht unterworfen war.

Die Emanzipation der Kunst von der Religion, im Zuge derer Künstler schließlich selbst zu Ikonen werden, repräsentiert unter anderem das "Selbstbildnis mit grauem Filzhut" von Vincent van Gogh, in dem er Elemente der Ikonenmalerei anwendet. Dass es auch in der abstrakten Kunst des 20. Jahrhunderts um die Sichtbarmachung des Übersinnlichen geht, zeigt kaum ein Werk deutlicher als das "Schwarze Quadrat" von Kasimir Malewitsch, mit dem er eine göttliche Kraft vergegenwärtigen wollte und das zu einer Ikone der Kunstgeschichte wurde.

Ironie und Popkultur

Es passt zum Konzept der Ausstellung, das ihr bekanntestes Werk, Leonardo da Vincis Mona Lisa, mit dem auch die ganze Schau beworben wird, gar nicht im Original vor Ort ist. Dafür sind gleich vier Kopien ausgestellt, eine von Marcel Duchamp, in der er dem Lächeln einen Schnurrbart hineingezeichnet hat. Wie der französisch-amerikanische Dada-Künstler, von dem auch seine berühmte Pissoir-Installation "Fountain" ausgestellt ist, haben sich auch die ebenfalls vertretenen Jeff Koons und Andy Warhol ironisch mit der Kunst als Objekt der Anbetung und Verehrung auseinandergesetzt.

Sie schlagen die Brücke in die Abteilung der Ausstellung, die den Untertitel "Was Menschen anbieten" tragen könnte, in der es um die Ikonisierung von Alltagsgegenständen wie Autos oder Marken wie dem dazugehörigen Stern geht. Während dieses Parforcerittes lädt die Ausstellung auch immer wieder zum Eintauchen in reine Farb-Licht- oder Klangwelten ein - oder alles auf einmal, wie bei der Meditation vor mandalaartigen Kreisformen zu indischer Sitarmusik.

Grenze zwischen Vielfalt und Beliebigkeit

Auch wenn die Grenze zwischen Vielfalt und Beliebigkeit mitunter verschwimmt - ein Besuch dieser überaus sinnlichen Schau, die ganz nebenbei die Architektur der Kunsthalle feiert, spiegelt den Spannungsbogen wider, der die meisten im Augenblick im Atem hält: wochenlange Jagd nach schönen Geschenken, um diesen einen Moment auszukosten, in dem man sich entspannt und spirituell aufgeladen vor dem Baum mit der Krippe niederlässt.

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