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Messe ILA startet in Berlin - Luxusprobleme der boomenden Luftfahrt

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Wenn die Wirtschaft brummt, dann fliegen die Menschen häufiger, mehr Waren werden transportiert. Gute Stimmung also in der Branche. Doch der Boom hat auch seine Schattenseiten.

Flugzeugmodel mit der Aufschrift ILA - Berlin Air Show
Flugzeugmodel mit der Aufschrift ILA - Berlin Air Show
Quelle: dpa

Die Internationale Luft- und Raumfahrtmesse (ILA) startet heute in Berlin - dort präsentieren die Hersteller an fünf Tagen ihre Innovationen wie etwa unbemanntes und autonomes Fliegen. Das ist zwar noch weitgehend Zukunftsmusik. Doch Airbus bringt sein Flugtaxi "City Airbus" mit, das senkrecht starten und landen kann und später auch einmal autonom fliegen soll. Unbemanntes Fliegen ist auch einer der Schwerpunkte des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums (DLR), etwa mit dem Projekt UFO (Unmanned Freight Operations). Das soll helfen, unbemannte Frachtflüge in den bestehenden Luftverkehr zu integrieren.

Impulse für technische Entwicklung

Es sollen Impulse ausgehen für die technische Entwicklung in der Branche. Denn so schön gut gefüllte Auftragsbücher für die Hersteller sind: Die Zulieferer kommen ins Schwitzen, und in der Eile werden dann auch Qualitätsmängel deutlich. Die Branche hatte in den letzten Monaten immer wieder mit ernsthaften Zwischenfällen zu kämpfen. Triebwerksprobleme beim Boeing-Langstreckenflieger "Dreamliner" traten auf, das Triebwerk wird von Rolls Royce hergestellt. Deshalb muss der britische Konzern bei 380 schon in Flugzeugen eingebauten Triebwerken des Typs Trent 1000 C weitere Inspektionen durchführen.

Aber auch Airbus erging es nicht besser: So hatten neuartige Dichtungen in Flugzeugen des Typs A 320neo, die seit Dezember ausgeliefert worden waren, zu Triebwerksausfällen beim Start oder im Flug geführt. Zum Teil wurden deshalb Flüge verboten. Bei der A320neo haben Fluggesellschaften die Wahl zwischen dem Getriebefan-Antrieb von Pratt & Whitney und dem Leap-Triebwerk von CFM. CFM ist ein Gemeinschaftsunternehmen von General Electric aus den USA und dem französischen Safran-Konzern. "Diese Hersteller haben ihre Probleme allmählich im Griff", sagt Stefan Schöppner, Luftfahrtanalyst der Commerzbank. Die neuen Triebwerke sollten vor allem auch helfen, effizient und sparsam zu fliegen.

Druck auf Branche wächst

Diese Probleme könnten auch Folge des Drucks sein, der sich in der Branche durch die dick gefüllten Auftragsbücher aufgebaut hat. Weltweit sind im vergangenen Jahr 4,1 Milliarden Menschen in zivilen Flugzeugen gereist - so viele wie nie zuvor. Und die internationale Luftfahrtorganisation IATA rechnet damit, dass deren Zahl im laufenden Jahr weiter steigen wird auf 4,3 Milliarden. Die Kapazitäten klettern dabei langsamer als die Nachfrage,  2017 um 6,3 Prozent, die Nachfrage aber um 7,6 Prozent. Die Menschen aber wollen möglichst günstig fliegen. Das zwingt die Fluggesellschaften dazu, ihre Kosten zu drücken - zum einen durch Konsolidierung. So ist Air Berlin vom Markt verschwunden, die IAG, Muttergesellschaft der British Airways und der Iberia, möchte die Billigairline Norwegian übernehmen, und Lufthansa ist interessiert an Alitalia - sofern die Probleme der italienischen Airline gelöst werden.

Zum anderen aber geben die Fluggesellschaften den Druck auch weiter an die Hersteller. Und diese fordern entsprechend günstige Bedingungen von ihren Zulieferern ein. Gleichzeitig sollen die Flugzeuge wegen der hohen Nachfrage möglichst schnell geliefert werden. Der Erfolg am Markt setzte also alle unter Druck. Deshalb sei inzwischen auch ein Trend zum "Insourcing" zu beobachten, sagt Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt von Expairtise. Soll heißen: Die Hersteller versuchen inzwischen wieder, mehr Produktionsschritte in den eigenen Betrieb zu integrieren und nicht mehr nach außen zu vergeben, damit sie nicht von den Zulieferern abhängig sind und die Qualität besser kontrollieren können.

Experte: Keine Sorge vor Konkurrenz aus China

Die großen Hersteller Boeing und Airbus können über mangelnde Nachfrage nicht klagen, und noch brauchen sie auch nicht die Konkurrenz aus China zu fürchten, meint Eric Heymann, Branchenexperte der Deutschen Bank. Denn die sei noch nicht so weit, dass sie von den Fluggästen und Fluggesellschaften zumindest außerhalb Asiens anerkannt würde. Unter den Herstellern ist auch eine Konsolidierung zu beobachten: So kauft Boeing wahrscheinlich die zivile Sparte der brasilianischen Embraer, die vor allem kleinere Jets produziert. Auch die Lufthansa ist Kunde von Embraer.

Die Riesenflieger sind zwar auch auf der ILA zu sehen, etwa der 100. A380 der Emirates. Die Golf-Airline hält den Riesenflieger von Airbus mit neuen Aufträgen noch etwas länger am Leben. Boeing wird jedoch mangels weiterer Nachfrage seinen "Jumbo", die 747, als Passagierflugzeug auslaufen lassen.

Bundeswehr ist größter Aussteller auf der ILA

Der militärische Bereich spielt auf der ILA ebenfalls eine große Rolle - die Bundeswehr ist der größte Aussteller. Diese Sparte ist für die Branche zwar nicht so wichtig wie die Zivilluftfahrt. Doch wegen höherer Rüstungsausgaben setzte sie nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie in Deutschland vier Prozent mehr um und steuerte 7,8 Milliarden Euro zum Rekord-Gesamtumsatz von 40 Milliarden Euro bei. Zudem stehen wichtige Entscheidungen an: Bei der Bundeswehr etwa muss dringend über die Beschaffung neuer Hubschrauber entschieden werden. Immer noch sei bei der Bundeswehr der CH 53 im Einsatz, der sei aber "steinalt", sagt Heinrich Großbongardt von Expairtise.

Auch die Frage der Nachfolge des in die Jahre gekommenen deutsch-französischen Kampfjets Eurofighters werde man wahrscheinlich in den politischen Gesprächen am Rande der Messe klären. Frankreich ist Partnerland in diesem Jahr, doch wer in Europa könnte sich da noch beteiligen? "Da werden die Karten vielleicht neu gemischt", erwartet Großbongardt. Die ILA, Nummer drei der europäischen Luftfahrtschauen, grenzt sich von den größeren im französischen Le Bourget und der im britischen Farnborogh ab, indem sie den Fokus eben stärker auf den militärischen Teil legt - und die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie in den Mittelpunkt stellt. Das würdigt auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, die am Mittwoch selbst die Messe eröffnen wird.

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