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Deutsche Autoindustrie - Abgasskandal erfasst Porsche - US-Kartellvorwürfe

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Dieselgate, Kartellverdacht - für die deutsche Autoindustrie kommt es momentan ganz dick. Bei der Edelmarke Porsche ist nun auch eine illegale Abgas-Software entdeckt worden.   Verkehrsminister Dobrindt ordnet erstmals ein Zulassungsverbot an. Aber auch aus den USA droht Ungemach.

Beim Porsche-Modell Cayenne 3 Liter TDI ist eine unzulässige Abschalteinrichtung für die Abgasreinigung festgestellt worden. Das Kraftfahrtbundesamt macht nun europaweit Nachrüst-Auflagen und erlässt ein Zulassungsverbot für Neufahrzeuge.

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Noch hallen die Kartellvorwürfe nach, da ist Dieselgate schon wieder im Spiel: Im Abgas-Skandal gibt es nun mit dem Fall Porsche auch ein Zulassungsverbot für neue Dieselautos. Im Porsche Cayenne mit 3,0-Liter-TDI-Motor sei eine illegale Abgas-Software eingesetzt, sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) am Donnerstag in Berlin. Für europaweit 22.000 Fahrzeuge des Typs wird ein Pflicht-Rückruf angeordnet, es dürfen vorerst aber auch keine neuen Wagen des Typs auf die Straße. Zuvor hatte die Konzernmutter VW angeboten, im Kampf gegen Fahrverbote mehr Diesel per Software-Update umzurüsten als vorgesehen.

Kartellvorwürfe: Ärger in den USA

Die Kartellvorwürfe könnten außerdem rechtlichen Ärger in den USA nach sich ziehen. Kunden beschuldigten VW, Daimler und BMW in einer Klage, mit illegalen Absprachen zu Preisen und Abgastechnik gegen US-Wettbewerbsrecht verstoßen zu haben. Immerhin konnte VW auch einen Erfolg in den USA melden: Die Umweltbehörden stimmten der Umrüstung von über 300.000 manipulierten Dieselwagen zu, die wegen des Abgas-Skandals stillgelegt wurden. In Wolfsburg gab VW unterdessen bekannt, den Gewinn im ersten Halbjahr deutlich gesteigert zu haben.

Dobrindt kündigte ein Zulassungsverbot für die betroffenen Cayenne an, bis eine andere Software zur Verfügung stehe. Es sei eine Technik festgestellt worden, die erkenne, dass ein Fahrzeug auf einem Abgas-Prüfstand stehe. In Tests springe dann eine "Aufwärmstrategie" an, die im realen Verkehr auf der Straße nicht aktiviert werde.

Unzulässige Abgaseinrichtung

Porsche verwendet für die Dieselvariante des Cayenne-Motoren der VW-Tochter Audi. Dort hatten Tests ebenfalls eine unzulässige Abgas-Einrichtung bei einigen Modellen ans Licht gebracht. Die Software habe bewirkt, dass erkannt wurde, wenn das Auto auf einem
Prüfstand war - dann wurden die Abgas-Reinigungssysteme angeschaltet, wie Dobrindt Anfang Juni mitgeteilt hatte.

Audi muss deshalb 24.000 Fahrzeuge zurückrufen. Das Unternehmen bestätigte, dass die Motoren der betroffenen Porsche Cayenne von Audi stammen. Volkswagen wiederum kündigte an, den von Dobrindt geäußerten Verdacht mit Blick auf sein Modell Touareg zu prüfen.

Porsche: Einsatz "selbst gemeldet"

Porsche betonte, den Einsatz einer illegalen Abschalteinrichtung beim Cayenne selbst dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) gemeldet zu haben: "Porsche hat bei internen Untersuchungen Unregelmäßigkeiten in der Motorsteuerungssoftware festgestellt und diese aktiv dem KBA dargelegt." Mit der Behörde sei eine Korrektur durch ein Software-Update vereinbart worden.

Porsche war in der Abgas-Affäre zuletzt stärker ins Visier der Stuttgarter Staatsanwaltschaft geraten. Die Behörde nahm vor rund zweieinhalb Wochen Ermittlungen wegen einer möglichen Manipulation der Abgasnachbehandlung an Diesel-Fahrzeugen auf.

Diesel-Fahrverbot droht

Volkswagen-Konzernchef Matthias Müller hatte zuvor nach einem Gespräch mit Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) gesagt, VW werde anbieten, insgesamt vier Millionen Fahrzeuge nachzubessern und deren Emissionen deutlich zu senken.  Dennoch hält die Ministerin kurz vor dem Diesel-Gipfel am kommenden Mittwoch Fahrverbote in einigen Städten wegen zu hoher Stickoxid-Werte weiter für möglich.

Volkswagen muss wegen des Skandals um manipulierte Dieselmotoren ohnehin über 2,5 Millionen Autos umrüsten - diese sind in den vier Millionen Fahrzeugen enthalten. Bislang ist bei knapp 1,9 Millionen Autos das Update aufgespielt. Die Tochter Audi will angesichts der Diskussion um Diesel-Fahrverbote europaweit bis zu 850.000 Fahrzeuge nachrüsten lassen, in Deutschland sind es rund eine halbe Million Autos, die ebenfalls zu den genannten vier Millionen zählen. Dazu kommen weitere etwa 900.000 Autos, die sich aus VW-Transportern T5 und T6 überwiegend mit Euro-5-Abgasnorm sowie mehreren Modellen etwa von Seat oder Skoda zusammensetzen. Daimler will drei Millionen Autos nachrüsten.

Hendricks: Vertrauen zerstört

Hendricks äußerte sich ungewöhnlich scharf zur Autobranche sowie zur Beziehung zwischen Politik und Herstellern: "Es ist wohl so, dass der Staat es in der Vergangenheit zu häufig an Distanz zur Automobilindustrie hat mangeln lassen." Die jüngsten Vorwürfe über Kartellabsprachen von Konzernen hätten weiteres Vertrauen zerstört.

Am Vorabend hatte der VW-Vorstand den Aufsichtsrat über den Stand in Sachen Kartellvorwürfe informiert - VW ist sich aber keiner illegalen Absprachen bewusst. Allerdings hält das Unternehmen den Austausch zu technischen Fragen für "weltweit üblich". Die EU-Kommission prüft derzeit Informationen, wonach sich VW, BMW, Daimler, Audi und Porsche in verschiedenen Fragen abgesprochen haben sollen.

VW verdoppelt Gewinn

Trotz allem verdoppelte VW den Gewinn im ersten Halbjahr fast. Unter dem Strich verdiente der Konzern knapp 6,6 Milliarden Euro - nach rund 3,6 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Angesichts guter Verkaufszahlen peilt VW im Gesamtjahr nun mehr Umsatz als geplant an: Die Erlöse dürften 2017 um mehr als 4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zulegen. Vorher war VW von bis zu 4 Prozent ausgegangen.

Bei der Ergebnisprognose für 2017 blieb Finanzchef Frank Witter vorsichtig. Vom Umsatz sollten vor Zinsen und Steuern 6 bis 7 Prozent als operativer Gewinn hängen bleiben. Nach dem ersten Halbjahr steht der Wert bei 7,7 Prozent. "Das Ergebnis wurde durch ein Verkaufsplus beflügelt", sagte er. "Ich bin überzeugt: Wir sind für den Wandel der Automobilbranche und für die Zukunftsthemen finanziell gerüstet."

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