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Krise in Venezuela - Keine Zukunft mit Maduro

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In Venezuela herrscht Ausnahmezustand, seit Monaten befindet sich das Land in der Krise. Zu den wenigen internationalen Wissenschaftlern, die Venezuela überhaupt noch bereisen, gehört Stefan Peters von der Uni Kassel. Mit ihm sprach das 3sat-Wirtschaftsmagazin makro über die aktuelle Lage im Land.

In Venezuela hat nach Angaben von Präsident Maduro ein Polizeihubschrauber zwei Granaten über dem Gebäude des Obersten Gerichts in der Hauptstadt Caracas abgeworfen. Maduro sprach von einem "terroristischen Angriff"

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makro: Venezuelas Hauptstadt Caracas gilt als die gefährlichste Stadt der Welt. Sie sind kürzlich von dort zurückgekommen. Wie müssen wir uns das Leben in Caracas vorstellen?

Stefan Peters: Caracas ist nicht nur eine extrem gefährliche, sondern auch eine sehr ungleiche Stadt. Ein Großteil der Gewaltdelikte konzentriert sich dabei in den Armenvierteln. Hingegen können Sie in Vierteln der oberen Mittelschicht entspannt im Park joggen.

Und dennoch: Smartphones in der U-Bahn oder im Bus sieht man aus Angst vor Überfällen immer weniger, Fenster und Haustüren sind oft vergittert, viele Menschen meiden das Stadtzentrum und gehen abends nicht mehr aus dem Haus. Nachts an roten Ampeln zu halten, traut sich kaum jemand. Hinzu kommt die Versorgungskrise, gerade bei Grundnahrungsmitteln und Medikamenten. Aber auch hier gilt: Je nach Größe des Geldbeutels wirkt sich die Knappheit sehr unterschiedlich aus.

makro: Nicht nur gegen diese Versorgungskrise, auch gegen die Unterdrückung von Opposition und Pressefreiheit demonstrieren die Menschen seit Monaten. Wer stützt die Regierung Maduro eigentlich noch?

Peters: Eines ist klar: Maduro kann heute keine Wahlen mehr gewinnen. Aber trotz der dramatischen wirtschaftlichen und sozialen Krise hat die Regierung weiterhin viele Anhänger. Diese finden sich zum Beispiel in den Armenvierteln und auf dem Land - nicht zuletzt weil diese Bevölkerungsgruppen unter Maduro’s Vorgänger Chávez nicht nur mehr Geld in den Taschen hatten, sondern ihnen oft erstmals Stimme und Würde gegeben wurde. Aber auch in Teilen der - über legale und illegale Geschäfte gut am Chavismus verdienenden - Militärs und der chavistischen Unternehmer – der sogenannten Boliburguesía - gibt es noch einige Unterstützung für die Regierung.

Außerdem: In der internationalen Presse wird meist übersehen, dass nicht alle, die sich von Maduro abwenden, Teil der Opposition sind. Es gibt vielfältige Zwischentöne, die hier kaum gehört werden.

makro: Und im Ausland: auf welche Verbündeten kann Präsident Maduro dort noch zählen?

Peters: In der Region stehen Länder wie Kuba, Bolivien und Nicaragua noch fest an der Seite der Regierung. China unterstützt die Regierung von Maduro - nicht zuletzt auf Grund von Interessen im venezolanischen Rohstoffsektor - sowohl politisch als auch ökonomisch. Aber auch der Iran oder Assad sind Allliierte von Maduro. Der Grund sind hier vor allem gemeinsame Feindbilder.

makro: Wie reagieren die Nachbarländer auf die Zustände in Venezuela?

Peters: Sehr unterschiedlich. Einerseits versuchen konservative Regierungen - in Argentinien, Brasilien, Kolumbien, Peru - die venezolanische Regierung international zu verurteilen; teils wohl auch, um von eigenen Problemen abzulenken. Andererseits spaltet Maduros zunehmender Autoritarismus auch viele linksgerichtete Regierungen und Parteien. Und es gibt wachsende Probleme für direkte Nachbarn: Die Abwanderung aus Venezuela etwa nach Kolumbien, Ecuador, Panama oder Peru nimmt stark zu. Waren dies anfangs die Reichen, die mit ihren Petrodollars Panama oder Miami überschwemmt haben, sind es nun zunehmend weniger betuchte Personen, die keine Zukunft in Venezuela sehen und in den Nachbarländern ein oft prekäres Auskommen suchen.

makro: Maduro beschuldigt die Regierungsgegner, mit Unterstützung der USA einen Staatsstreich gegen ihn zu planen. Wie glaubwürdig ist dieser Vorwurf?

Peters: Es ist kein Geheimnis, dass die USA nicht erst seit Trump lieber heute als morgen einen Regierungswechsel in Venezuela möchten. Aber bei aller zelebrierten Feindschaft sind die Handelsbeziehungen weiter exzellent. Der Großteil der venezolanischen Erdölexporte landet an Tankstellen von CITGO in den USA. Und die Importe aus den USA erfreuen sich weiter großer Beliebtheit in Venezuela. Dort trinken die Besserverdienenden keinen karibischen Rum, sondern Whiskey. Kurz: Die USA sind ein Faktor, aber nicht der primäre Grund für die Krise in Venezuela.

makro: Kann Venezuela mit Maduro aus der Krise wieder herauskommen?

Peters: Nein. Aber auch die Opposition hat keine überzeugenden Lösungen. Das zentrale Problem Venezuelas besteht in der fortgesetzten Erdölabhängigkeit. Einen Bruch hiermit strebt aber weder die Regierung noch die Opposition an. Im Gegenteil: In den aktuellen Auseinandersetzungen geht es primär darum, wer die immensen Erdölreserven des Landes kontrolliert. Gangbare Alternativen, die das Land wirtschaftlich und politisch langfristig stabilisieren, werden vor Ort kaum diskutiert.

Das Interview führte makro-Moderatorin Eva Schmidt

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