Sie sind hier:

Im Kampf gegen den Klimawandel - Greta greift zum Völkerrecht

Datum:

Klimaaktivistin Greta will es nicht bei wütenden Reden belassen: Zusammen mit 15 Kindern und Jugendlichen hat sie bei den UN eine Beschwerde eingereicht. Bringt das auch etwas?

Greta Thunberg
Greta Thunberg
Quelle: reuters

Greta Thunberg (16) und ihre jungen Mitstreiter greifen zum Völkerrecht. Ihren Vorstoß begründen sie mit der UN-Kinderrechtskonvention. Laut einem Zusatzprotokoll können Kinder und Jugendliche als Individualkläger eine Beschwerde einreichen, wenn sie ihre Rechte verletzt sehen.

Der Vorwurf der Kläger: die Politiker tun nichts

Greta sowie die anderen Kinder und Jugendlichen aus zwölf Ländern werfen den UN-Mitgliedsstaaten vor, nicht genug gegen den Klimawandel zu unternehmen. Dadurch würden Kinderrechte verletzt, auf die sich die internationale Staatengemeinschaft in der UN-Kinderrechtskonvention verpflichtet habe. "Die Staats- und Regierungschefs der Welt versagen dabei, die Rechte der Kinder zu beschützen, indem sie weiter nichts gegen die Klimakrise unternehmen", sagte Thunberg bei einer Pressekonferenz in New York.

"Wir wollen sagen, dass es uns reicht." Der UN-Klimagipfel sei eine "riesige Chance" für die Staats- und Regierungschefs der Welt zu beweisen, dass sie es ernst meinten, sagte Thunberg. Sie hoffe auf ein gutes Ergebnis. "Aber wir müssen uns auf das Schlimmste vorbereiten und weitermachen, auch wenn es ein schlechtes Ergebnis gibt."

Die schwedische Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg hat Politikern aus aller Welt eklatantes Versagen beim Klimaschutz vorgeworfen. Thunbergs Rede hier in ganzer Länge (engl.).

Beitragslänge:
4 min
Datum:

"Meilenstein der Kinderrechtsarbeit"

Laut einem Zusatzprotokoll der UN-Kinderrechtskonvention gibt es die Möglichkeit, sich direkt an die Vereinten Nationen um Hilfe zu wenden, wenn ein Land nicht wirksam gegen eine Rechtsverletzung vorgeht. Zu den Ländern, die das Zusatzprotokoll ratifiziert haben, gehört auch Deutschland.

Der deutsche Ableger des UN-Kinderhilfswerk Unicef begrüßt den Vorstoß. "Vor 30 Jahren haben die Regierungen versprochen, dass alle Kinder überleben und gesund aufwachsen können. Die Kinder nehmen sie beim Wort und wenden sich mit der Beschwerde an die UN, um ihre Rechte einzufordern", sagt Ninja Charbonneau. Es handle sich um "einen Meilenstein der internationalen Kinderrechtsarbeit". Die Klimaproteste zeigten, "dass es jungen Menschen gelingt, die Politik unter Druck zu setzen".

Vor 30 Jahren haben die Regierungen versprochen, dass alle Kinder überleben und gesund aufwachsen können. Die Kinder nehmen sie beim Wort und wenden sich mit der Beschwerde an die UN, um ihre Rechte einzufordern.
Ninja Charbonneau von Unicef Deutschland

Doch was genau kann die Beschwerde bewirken? Wir fragen nach beim Soziologen und Bildungsforscher Lothar Krappmann. Er war früher Mitglied im UN-Ausschuss zur UN-Kinderrechtskonvention.

heute.de: Kinder und Jugendliche setzten sich nun auch völkerrechtlich für den Klimaschutz ein. Bringt das was - oder ist das reine Symbolpolitik?

Lothar Krappmann
Soziologe und Bildungsforscher Lothar Krappmann.
Quelle: Privat

Lothar Krappmann: Die Kinder und Jugendlichen betreiben keine Symbolpolitik. Sie sind erstaunlich erfolgreich, weil viele Menschen nicht mehr daran glauben, dass ihre Regierungen das Notwendige tun. Eine völkerrechtliche Beschwerde kann ein weiterer Teil der Anstrengungen der "Fridays for Future"-Bewegung sein, um Druck auf die politisch Verantwortlichen auszuüben.

heute.de: Aber kann hier das Völkerrecht wirklich helfen?

Krappmann: Vielleicht hat dieser Schritt keine große formale Erfolgsaussicht. Wenn diese Beschwerde allerdings juristisch zerredet wird, wird das die Kinder und Jugendlichen in ihrer Auffassung bestärken, dass die Verantwortlichen sich mit allen Mitteln aus der Verantwortung stehlen.

heute.de: Die Vereinten Nationen gelten schon länger als zahnloser Tiger. Auch beim Klimaschutz?

Krappmann: Die UN sind nur so stark, wie die mächtigen Mitgliedsstaaten es erlauben. Immerhin bieten sie immer noch ein Forum, in dem entscheidende Fragen der Menschheit diskutiert werden. Die Welt wäre ärmer und hoffnungsloser ohne die Öffentlichkeit, die UN-Gremien herstellen. Das Klima-Thema wird den UN erhalten bleiben, bis den Menschen das Wasser bis zum Hals stehen wird. Umdenken vollzieht sich langsam.

heute.de: Gehen wir vom besten Fall aus: Was könnte die völkerrechtliche Beschwerde erreichen?

Krappmann: Die Auseinandersetzungen über die Beschwerde, wie auch immer sie ausgeht, werden die Bemühungen vorantreiben, einen Menschenrechtsvertrag über die Lebensgrundlagen aller Menschen auf dieser Erde auszuarbeiten. Das Recht auf Entwicklung setzt sich als kollektives Recht aller Menschen und Völker durch. Ein Recht auf Schutz dieser Entwicklung gegen die Zerstörung dieser Grundlagen ist dringend.

"Wir alle haben den Weckruf der Jugend gehört" - das sagt Angela Merkel beim Klima-Sondergipfel der Vereinten Nationen in New York. Sehen Sie die Rede der Kanzlerin hier in ganzer Länge.

Beitragslänge:
4 min
Datum:

Konkrete Änderungen? Erst einmal nicht

Auch wenn der Vorstoß der Kinder und Jugendlichen bei vielen Anklang findet - konkret ändern wird er erstmals nichts. "Der UN-Kinderrechtsausschuss ist kein Weltgericht, aber die Regierungen sollten die Beschwerde der Kinder sehr ernst nehmen", sagt Ninja Charbonneau von Unicef. "Im besten Falle setzt dadurch eine Diskussion ein, die zu einem Umdenken führt. So wird noch deutlicher, dass Klimawandel und Umweltzerstörung die Lebensgrundlagen von Millionen Kindern gefährden und die Zeit drängt."

Ähnlich sieht es Lothar Krappmann. "Die Beschwerde ist keine Klage, die Sanktionen zur Folge haben könnte. Sie ist Teil der Auseinandersetzungen darüber, ob Kinder und ihr Leben nicht sehr viel mehr Gewicht in der Klimapolitik haben müssen." Was sowohl der Unicef-Vertreterin als auch dem Wissenschaftler Hoffnung macht: Die Kinder und Jugendlichen fordern kein Wolkenkuckucksheim. Sondern, wie Krappmann betont: "Sie setzen sich für eine Sache ein, von der auch die Erwachsenen profitieren."

Dem Autoren auf Twitter folgen: @raphael_rauch.

Trump und Thunberg trennen Welten. Auch beim UN-Klimagipfel treffen sie offiziell nicht aufeinander. Doch ein ungeplanter gemeinsamer Moment geht im Internet viral.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um Ihnen ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier können Sie mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.