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Jeder fünfte Überschuldete - Verschuldet wegen der Miete

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Die finanzielle Belastung vieler Bürger durch steigende Mieten nimmt zu: Vor allem in Ostdeutschland wachse die Gefahr der Überschuldung, warnen Verbraucherschützer.

Ein Plattenbau-Wohnblock in Schwerin. Symbolbild
Vor allem in Ostdeutschland wächst das Armutsrisiko durch steigende Mieten.
Quelle: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Mietschulden sind in Ostdeutschland deutlich weiter verbreitet als im Westen des Landes. Wegen Rückständen für die Wohnung suchte 2018 fast jeder dritte Überschuldete (31 Prozent) im Osten Hilfe bei einer Schuldnerberatung. In den alten Bundesländern kam nur knapp jeder Fünfte (18 Prozent) wegen Mietschulden zu einer Beratungsstelle, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

Die Bürger im Osten haben demnach auch höhere Mietschulden. Mit im Schnitt 1.147 Euro waren die ausstehenden Zahlungen für die Wohnung dort höher als in Westdeutschland (786 Euro). Jedoch haben die Bürger in Ostdeutschland auch niedrigere Wohnkosten: Während diese dort im Schnitt 420 Euro im Monat betrugen, fielen im Westen 512 Euro an, so die Wiesbadener Statistiker.

Verbraucherschützer: Oft Hälfte des Einkommens für die Miete

Verbraucherschützer und Insolvenzrechtsexperten beobachten die insbesondere in Ballungsräumen steigenden Mieten mit Sorge. "Die Belastung durch Mietkosten stellt ein wachsendes Überschuldungsrisiko dar", warnt Christoph Zerhusen von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Die Miete sollte eigentlich nicht mehr als ein Drittel des Nettoeinkommens betragen. "Wir sehen aber immer häufiger, dass sie 50 Prozent und teilweise sogar mehr ausmacht."

In großen Städten sei aktuell kein Ende des Mietpreisanstiegs zu erkennen, sagt Zerhusen. Er appelliert an Betroffene, bei Mietschulden möglichst früh eine der zahlreichen Beratungsmöglichkeiten zu nutzen. "Wohnen ist existenziell."

Immer mehr Mietschulden in Ballungsräumen

Auch Christoph Niering, Vorsitzender des Berufsverbands der Insolvenzverwalter Deutschlands (VID), beobachtet, "dass in Ballungsräumen Mietschulden eine zunehmend größere Rolle spielen".

Bei anhaltenden Preissteigerungen dürfte sich das Problem verschärfen. Sollte sich zudem die Konjunktur deutlich abkühlen und die Arbeitslosigkeit steigen, werde die Lage für die Betroffenen noch schwieriger. "Wenn der Mietmarkt überhaupt auf eine Konjunkturabschwächung nennenswert reagiert, dann nur mit zeitlichen Verzögerungen", erläutert Niering.

29.008 Euro durchschnittliche Gesamtschulden der Beratenen

Verglichen mit den durchschnittlichen Gesamtschulden überschuldeter Menschen in Höhe von 29.008 Euro machten Mietschulden vergangenes Jahr allerdings lediglich einen Anteil von nur drei Prozent aus.

Die Ergebnisse der Überschuldungsstatistik beruhen auf Angaben von 559 der insgesamt rund 1.450 Schuldnerberatungsstellen in Deutschland, wie die Statistikbehörde mitteilte. Die Beratungsstellen stellten anonymisierte Daten von rund 136.000 Beratenen mit deren Einverständnis bereit.

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