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Schon wieder Montag ... - Mit dem Fahrrad unterm Schreibtisch

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Wie sieht das Büro der Zukunft aus? Neue Raumkonzepte und Möbelkonstruktionen sind jedenfalls sehr im Trend. Großraum- oder Einzelbüro waren gestern - es entstehen ganz neue Bürolandschaften, sagt Arbeitswissenschaftler Tim Jeske im heute.de-Interview.


heute.de: Herr Jeske, wie sieht das Büro aus, in dem Sie gerade sitzen?

Tim Jeske: Ich sitze in einem Zweierbüro an meinem Schreibtisch. Genauso könnte ich aber auch stehen, denn der Tisch ist höhenverstellbar und lässt sich auf Knopfdruck beliebig hoch- und runterfahren.

heute.de: Entspricht Ihr Büro Ihren Idealvorstellungen?

Jeske: Im Moment bin ich damit sehr zufrieden, ich habe mir den Tisch ja auch selbst ausgesucht und die Veränderungen vorangetrieben. Aber allgemein wird es in Zukunft dahin gehen, Bürolandschaften nach Arbeitstätigkeiten zu strukturieren. Die bestehen aus Ruhezonen, in denen man still und allein arbeiten kann und aus Kommunikationszonen, in denen man sich zu bestimmten Themen oder Projekten austauscht. Dazu können weitere Elemente kommen - wie kleinere oder größere Räume zum Telefonieren oder für Besprechungen, die klar von anderen Bereichen abgegrenzt sind.

heute.de: Was sind die größten Stressfaktoren in herkömmlichen Büros?

Jeske: Im Büro treffen Menschen aufeinander, die unterschiedliche Tätigkeiten ausführen und dabei telefonieren, miteinander sprechen oder konzentriert arbeiten. Es entstehen also Geräusche, die die eigene Arbeit und damit auch den Arbeitsfortschritt stören können. Säßen alle in Einzelbüros, könnte zum Beispiel lautes Telefonieren eine konzentrierte Arbeit nicht stören - gleichzeitig würden aber der Austausch untereinander und gemeinsames Arbeiten erschwert. Deshalb entstehen die beschriebenen Bürolandschaften, in denen man je nach seiner aktuellen Tätigkeit einen passenden Arbeitsplatz nutzen kann.

heute.de: Sie haben das Thema Akustik angesprochen. Gibt es da weitere Möglichkeiten für Verbesserungen?

Jeske: Es gibt immer mehr Mobiliar, für das schallschluckende Materialien verwendet werden - Fußböden, Raumtrenner, Schrankwände oder Deckenverkleidungen. Das kann den Lärmpegel gerade bei offenen Strukturen erheblich senken.

heute.de: Werden die neuen Bürolandschaften die klassische Zweiteilung von Großraum - und Einzelbüros völlig ablösen?

Jeske: Es wird sicher weiter alle möglichen Varianten geben - immer abhängig von der Art des Unternehmens. Wenn es beispielsweise um eine anwaltliche Tätigkeit geht, in der Diskretion wichtig ist, sind weiter Einzelbüros gefragt. Im Entwicklungsbereich und bei Projekten, wo Teamarbeit erforderlich ist und es um den interdisziplinären Austausch mit Kollegen geht, muss ich für geeignete Kommunikationsbereiche sorgen.

heute.de: Welche Rolle spielt das Einzelbüro heute noch als Statussymbol?

Jeske: Es ist eine Frage der Unternehmenskultur, wodurch sich ein Status bestimmt. Die Tendenz geht zu flachen Strukturen und dementsprechend weniger Hierarchieebenen, denen überhaupt Statussymbole zugeordnet werden könnten. Es kann natürlich Situationen geben, in denen die Geschäftsführung zum Beispiel Ruhe und Diskretion braucht - aber dafür gibt es ja die Möglichkeit, sich in eine Ruhezone zurückzuziehen.

heute.de: Häufig ist der eigene Schreibtisch emotional besetzt - als Verlängerung des Privatraums mit Familienfoto und Topfpflanze. Geht das nicht verloren, wenn ich den Schreibtisch teilen muss?

Jeske: Das kommt darauf an, wie Desk-Sharing-Konzepte umgesetzt werden. Das kann man ganz stringent machen, so dass alle Unterlagen überall in digitaler Form vorhanden sind und alle Schreibtische am Morgen wieder gleich aussehen. Denkbar sind aber auch Zwischenformen, in denen es in bestimmten Bereichen - etwa im Ruhebereich – weiter persönliche Arbeitsplätze gibt und in anderen Desk-Sharing betrieben wird.

heute.de: Welche Möglichkeiten gibt es, in bestehenden Büros Stress zu vermindern und die Gesundheit zu fördern - neben höhenverstellbaren Schreibtischen und schalldämpfendem Mobiliar?

Jeske: Seit einiger Zeit kursiert der Spruch: Sitzen ist das neue Rauchen. Man kann unter dem Schreibtisch ein Laufband oder Fahrrad anbringen, auf denen man sich beim Arbeiten bewegt. Es gibt Bürostühle mit instabiler Sitzfläche, damit die Muskulatur in Bewegung gerät. Man kann Bereiche abgrenzen, neben Kaffee auch Wasser und Obst anbieten, Pflanzen aufstellen oder in den Pausen Fitnessübungen anregen. Es gibt viele Kleinigkeiten, die langfristig große Auswirkungen auf die Gesundheit haben.

Das Interview führte Ralf Lorenzen.

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