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Mehr Sonn- und Feiertagsarbeit - Späte Schicht statt Stille Nacht

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Jeder siebte Deutsche arbeitet regelmäßig an Sonn- und Feiertagen - auch an Heiligabend. Und es werden immer mehr.

Eine Bäckereifachverkäuferin bei der Arbeit.
Quelle: dpa

"Heiligabend bin ich 2017 leider nicht da." Oder: "Bescherung müsst ihr dieses Jahr ohne mich machen - ich hab' Spätdienst." Das hört sich an wie der Plot einer Hollywood-Schnulze, in der der Weihnachtsmann am Ende dafür sorgt, dass die ganze Familie doch glücklich unterm Christbaum sitzt. Ein Happy End, auf das viele deutsche Familien in der Realität verzichten müssen, obwohl Heiligabend dieses Jahr auf einen Sonntag fällt.

Jeder vierte Beschäftigte arbeitet auch am Wochenende

Denn rund ein Viertel der Beschäftigten in Deutschland arbeitet am Wochenende – in absoluten Zahlen sind das mehr als neun Millionen Menschen. Regelmäßig oder ständig hat mehr als jeder Siebte an Sonn- und Feiertagen Dienst. Und die Entwicklung zeigt: Es werden immer mehr.

Während 1996 noch etwa elf Prozent regelmäßig an Sonn- oder Feiertagen arbeiteten, mussten 2016 schon mehr als 14 Prozent der Erwerbstätigen an diesen Tagen ran, so die europäische Statistikbehörde. Das sind in absoluten Zahlen rund fünf Millionen Menschen, weitere rund vier Millionen arbeiten gelegentlich an Sonn- und Feiertagen.

Sonn- und Feiertagsarbeit nimmt in allen Bereichen zu

Dabei ist es ziemlich egal, was man arbeitet. Ob Landwirt, Vorarbeiter, Kassiererin, Straßenbahnfahrer, Krankenschwester, Sachbearbeiter in der öffentlichen Verwaltung oder Kellner, in allen Bereichen wird mittlerweile öfter an Sonn- und Feiertagen geschuftet als noch vor 20 Jahren. Besonders gilt das aber im Gastgewerbe, in Alten- und Pflegeheimen sowie im Wach- und Sicherheitsdienst. Etwa die Hälfte der dort Beschäftigten arbeitet ständig oder regelmäßig an Sonn- und Feiertagen – auch an Heiligabend.

Dann werden in manchen Bundesländern auch bestimmte Geschäfte öffnen, was Kunden die spontane Vorbereitung des Weihnachtsfestes erleichtern soll. Die Gewerkschaft Ver.di hält solchen Last-Minute-Einkäufern aber schon mal vorsorglich den Spiegel vor - und ruft  zum Einkaufsverzicht an Heiligabend auf.  Auch die Beschäftigten im Einzelhandel sollten sich auf Weihnachten vorbereiten können, so die Gewerkschaft.

Linke fordert "gesellschaftliche Anerkennung"

Sich bewusst machen, dass man möglicherweise zu den drei Vierteln gehört, die nicht an Sonn- und Feiertagen arbeiten müssen – "das sollten wir nicht vergessen", sagt die Linken-Abgeordnete Sabine Zimmermann. Sie fordert "gesellschaftliche Anerkennung" für die Betroffenen. Zumindest bei der finanziellen Anerkennung gibt es offensichtlich Nachbesserungsbedarf, denn "längst nicht alle Betroffenen erhalten für ihre Sonn- und Feiertagsarbeit einen materiellen Ausgleich", mahnt Zimmermann.

Viele Tarifverträge sähen zwar Zuschläge vor, allerdings nehme die Tarifbindung ab. Deswegen müsse die neue Regierung entsprechende Tarifverträge wieder stärken. Die zahlreichen Ausnahmeregelungen nach dem Arbeitszeitgesetz müssten eingeschränkt werden. "Sonn- und Feiertagsarbeit muss auf ein notwendiges Maß beschränkt werden." 

Deutschland im EU-Durchschnitt

Deutschland liegt übrigens bei der Sonn- und Feiertagsarbeit etwa im europäischen Mittel (knapp 15 Prozent). Die Portugiesen arbeiten wesentlich weniger zu diesen Zeiten: 2016 waren dort knapp fünf Prozent im Dienst. Spitzenreiter sind die Niederländer. Von ihnen gehen mehr als 20 Prozent regelmäßig an Sonn- und Feiertagen zur Arbeit.

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