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Kostenlose Lebensmittel - Tafeln versorgen immer mehr Rentner

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Bei den Tafeln stehen immer mehr Rentner für kostenlose Lebensmittel an. Nach Angaben des Bundesverbandes der Hilfseinrichtungen hat sich ihre Zahl binnen zehn Jahren verdoppelt.

Senioren bei der Tafel in Hamburg (Archivbild)
Wenn die Rente nicht reicht: Senioren bei der Tafel in Hamburg Quelle: dpa

"Fast jeder vierte Tafelkunde ist mittlerweile Rentner. Das sind in etwa 350.000 Menschen", sagte der Verbandsvorsitzende Jochen Brühl der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Die Zahl der bedürftigen Senioren habe sich binnen zehn Jahren verdoppelt. 2007 seien noch gut 12 Prozent der Bedürftigen Senioren gewesen.

Es sei ein Armutszeugnis für Deutschland, dass die Tafeln überhaupt notwendig seien, sagte die Präsidentin des Sozialverbandes VdK Deutschland, Ulrike Mascher. "Wenn 350.000 Senioren regelmäßig darauf angewiesen sind, bei den Tafeln für kostenlose Lebensmittel anzustehen, dann ist das ein deutlich sichtbares Signal dafür, dass die Altersarmut auf dem Vormarsch ist", sagte sie der Zeitung. Vor allem Erwerbsminderungsrentner lebten wegen der hohen Abschläge auf ihre Renten häufig an der Armutsgrenze, so Mascher. Für immer mehr Rentner würden zudem hohe Mieten ein immer größeres Problem. Der soziale Wohnungsbau müsse daher oberste Priorität haben.

OECD-Studie: Frauen und Geringverdiener benachteiligt

Nach Zahlen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung werden Frauen und Geringverdiener in Deutschland bei der Rente massiv benachteiligt. Einer OECD-Untersuchung von Anfang Dezember zufolge erhalten Frauen in keinem Mitgliedstaat so wenig staatliche Rente im Vergleich zu Männern. Sie haben noch im Durchschnitt nicht einmal halb so viel Rente wie die Männer. Das Risiko für Altersarmut sei damit "besonders hoch für deutsche Frauen", heißt es in der Untersuchung "Renten auf einen Blick 2017".

Aussicht auf Besserung ist der OECD zufolge derzeit nicht in Sicht: Da viele deutsche Frauen in Teilzeit arbeiteten, werde die Rentenerwartung in Deutschland "wahrscheinlich weiter hinter der der Männer herhinken", schreiben die Autoren. Auch Geringverdiener sind laut der Studie überdurchschnittlich benachteiligt: Sie erhalten in Deutschland im Schnitt 55 Prozent ihres früheren Lohns aus der Rentenkasse, während es im OECD-Schnitt 73 Prozent sind, also 18 Prozentpunkte mehr.

Rente Thema bei Sondierungen

Von Altersarmut seien aber auch neue Gesellschaftsgruppen betroffen, so die OECD: Dies gelte vor allem für Selbstständige, die in neuen Arbeitsformen wie dem sogenannten Crowdworking arbeiteten. Dabei vergeben Firmen einzelne Arbeitsaufträge über Internetbörsen. Aber auch Alleinerziehende mit Lücken in ihrer Erwerbsbiographie seien massiv benachteiligt. Die OECD rät der Bundesregierung deshalb zu einem "einheitlichen Rentenrahmen für Angestellte des privaten Sektors, Beamte und Selbstständige, wie er in den meisten anderen OECD-Ländern existiert".

Tatsächlich ist die Rente eines der Themenfelder, das Union und SPD bei ihren Sondierungen besprechen wollen. Verbesserungen dürfte es für langjährige Geringverdiener geben, die im Alter Grundsicherung brauchen. Die SPD strebt für sie eine Solidarrente zehn Prozent über dem Grundsicherungsanspruch an. Das soll Geringverdiener besser vor einem Abrutschen in die Altersarmut schützen. Auch in der CDU will man hier etwas tun, aber wohl anders. Angesichts von Widerstand in der Union ist jedoch zweifelhaft, ob die SPD sich damit durchsetzen kann, die Rente für die kommenden Jahrzehnte grundsätzlich zu stärken: Sie will das Rentenniveau - das Verhältnis der Rente zum Einkommen - mit vielen Steuermilliarden stabil halten. Wegen Kosten von sieben Milliarden Euro ist bei CDU und SPD der CSU-Plan einer erweiterten Mütterrente wenig beliebt.

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