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Neue Auswertung - Immer mehr Schüler fallen durchs Abitur

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Gute Noten werden häufiger - die Durchfallquote steigt. Experten sprechen von einer Schere, die sich weiter auftut - haben allerdings unterschiedliche Erklärungen dafür.

Abitur-Prüfung in einem Gymnasium (Archivbild vom 20.04.2018)
Die Abitur-Prüfung endet für immer mehr Schüler mit einer Enttäuschung.
Quelle: dpa

In den vergangenen neun Jahren ist die Quote der nicht bestandenen Abitur-Prüfungen fast stetig gestiegen, wie eine Auswertung der dpa zeigt. Zuletzt scheiterte etwa einer von 26 Prüflingen.

Während im Abiturjahrgang 2009 laut Statistik der Kultusministerkonferenz noch 2,39 Prozent der Schüler durchfielen, waren es 2017 schon 3,78 Prozent. Für 2018 liegen noch nicht aus allen Bundesländern Zahlen vor, die Tendenz bestätigt sich jedoch: In vielen Ländern stieg die Durchfaller-Quote erneut. Besonders hoch ist sie in Mecklenburg-Vorpommern, wo 2017 etwa jeder 14. Abitur-Prüfling scheiterte.

"Die Schere öffnet sich immer weiter."
Vorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung, Udo Beckmann

Zugleich aber wird bundesweit auch häufiger die Note 1,0 vergeben. Fast jeder vierte Abiturient hatte 2017 eine 1 vor dem Komma. Die Abinoten werden also extremer. Der Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, meint, der Bildungserfolg sei zu sehr abhängig vom Elternhaus der Kinder. Bei der einen Gruppe könnten die Eltern die notwendige Förderung und Unterstützung privat organisieren, die anderen fielen "durch den Rost". "Die Schere öffnet sich immer weiter", sagt Beckmann.

Im Abitur zeigt sich die Frucht von kontinuierlichem Lernen und kontinuierlichem Leisten - im Positiven wie im Negativen.
Vorsitzende des Philologenverbands, Susanne Lin-Klitzing

Die Vorsitzende des Philologenverbands, Susanne Lin-Klitzing, sieht eher Fehler in der Konzeption des Abiturs. "Im Abitur zeigt sich die Frucht von kontinuierlichem Lernen und kontinuierlichem Leisten - im Positiven wie im Negativen", sagt sie. Schülern werde diese Kontinuität aber nicht abgefordert. Manche würden bereits ab der Unter- und Mittelstufe nur versetzt, weil sie schlechte Leistungen in einem Fach durch gute in einem anderen Fach ausbügeln könnten. "Nur am Schluss, im Abitur, müssen Mathe, Deutsch und eine Fremdsprache verbindlich bestanden werden, da hilft kein Ausgleich mehr", sagt die Erziehungswissenschaftlerin, deren Verband die Gymnasiallehrer vertritt.

Philologin: Kontinuierlicher Lernen wird nicht gefördert

Außerdem werde kontinuierliches Lernen mit den Abitur-Regelungen der Kultusminister nicht genügend gefördert und gefordert, findet Lin-Klitzling. So müssten Schüler in der Oberstufe nur 32 bis 40 ihrer Kurse ins Abitur einbringen. Sie belegten aber deutlich mehr - die Noten in den übrigen Kursen zählten allerdings nicht fürs Abitur. Die Jugendlichen lernten also, dass sie gar nicht immer ihre beste Leistung bringen müssten.

Die Vorsitzende des Philologenverbands plädiert dafür, Abiturienten leistungsgerechter zu bewerten. "Was ich will, ist, dass gute Leistung gut bewertet wird, sehr gute Leistung sehr gut, aber nicht-ausreichende Leistung eben auch nicht-ausreichend." Zur Zeit brauche ein Schüler nicht einmal die Hälfte der Maximalpunktzahl, um eine Prüfung zu bestehen, sagt Lin-Klitzling. Das bereite die jungen Leute schlecht auf Arbeitsleben und Studium vor.

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