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Großbritannien - To Tea or not to Tea

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Seit Jahrzehnten zelebrieren die Briten ihre "Tea Time". Sie gehört zur Insel, wie der Big Ben nach London. Doch die Tradition um den Schwarztee könnte bald aussterben. Denn immer weniger junge Briten machen sich etwas daraus. Bei ihnen sind grüner Tee, Kaffee und Wasser angesagt.

Christoph Peters schreibt auf vergnügliche Art von der glücklichmachenden Kunst, Tee zuzubereiten, und liefert gleichzeitig eine Kulturgeschichte des Heißgetränks. Wir sprechen mit ihm.

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Teetrinken, schwarzer Humor und unbeständiges Wetter prägen das Image vom Leben in Großbritannien. Doch junge Briten kümmert das Klischee der teetrinkenden Nation wenig. Vor allem der traditionelle schwarze Tee gilt als langweilig, egal ob mit Milch oder Zucker. Früchte- und Kräutertees gelten als gesünder, und die Getränke im Coffee-Shop sind viel aufregender. Noch liegen die Tee-Trinker vorn, aber die Kaffee-Fans holen immer weiter auf.

Die Tee-Industrie weiß um ihr angeschlagenes Image, denn mit dem Nationalgetränk der Briten geht es schon lange bergab. Zwischen 1974 und 2014 ist der Verbrauch von Schwarztee um mehr als die Hälfte geschrumpft, so ein Bericht der britischen BBC. Die neuesten Umfragen zeigen ein ähnliches Bild: "Der Konsum ist weiter rückläufig", sagt Richard Caines vom Marktforschungsinstitut Mintel. Zwischen 2013 und 2015 sei der Verkauf von Teebeuteln mit schwarzem Tee um 14 Prozent gefallen. 2016 ging der Konsum um weitere sechs Prozent zurück.

Kaffee läuft Tee den Rang ab

Im Land der Tee-Trinker hat sich in den letzten Jahren eine Kaffee-Kultur etabliert. Auf dem Weg zur Arbeit ist der Kaffee zum Mitnehmen für viele ein tägliches Ritual. Im Büro geht es dann oft mit Tee weiter. Kaffee und Tee, das eine Getränk schließe das andere nicht aus, und viele Briten trinken beides, sagen Marktforscher.

Beim Tee scheiden sich die Geschmäcker der Generationen. Briten über 50 lieben ihre "cuppa", die Tasse Schwarztee prägt ihren Tagesablauf, und sie trinken täglich fünf bis sechs Tassen. "Das Zeug schmeckt mir einfach nicht", sagt Alice Hines. Sie gehört zur Gruppe der 25- bis 34-Jährigen, und wie viele ihrer Altersgenossen bevorzugt sie grünen Tee. "Der Verkauf von Teebeuteln mit grünem Tee ist zwischen 2013 und 2015 um 39 Prozent gestiegen", erklärt Marktforscher Caines, und auch Früchte- und Kräutertees hätten im zweistelligen Bereich zugelegt. "Außerdem trinken die jüngeren Briten viel mehr Wasser, hier gibt es den größten Zuwachs."

Analysten rechnen mit einem weiteren Rückgang beim Schwarztee und einem Anstieg beim Kaffee-Konsum. Im vergangenen Jahr betrug das Einzelhandelsvolumen für Tee rund 90.000 Tonnen und für Kaffee etwa 78.000 Tonnen, so das Marktforschungsunternehmen Euromonitor International. In den nächsten drei Jahren werde sich der Abstand weiter verringern, erklärt Violetta Scola von Euromonitor.

Tee-Pub: Earl Grey Tonic statt Bier

Viele ältere Briten betrauern den Niedergang der Tee-Tradition. Der berühmte "Afternoon Tea" wird heute fast nur noch in Hotels zelebriert. Früher waren Gebäck und Sandwiches am Nachmittag überall üblich, "aber heute wollen alle nur noch gesund essen", klagt der 72-jährige Richard Morris. Er erzählt von den "Tea Ladies", die bis in die 70er-Jahre Teewagen durch die Büros schoben und Angestellte versorgten.

Die Tee-Liebhaber in Großbritannien bieten der Kaffee-Konkurrenz mit ungewöhnlichen Innovationen die Stirn. Einige Restaurants in London bieten spezielle Menüs mit den dazu passenden Teesorten an. Zwei Gourmet-Restaurants beschäftigen sogar Tee-Sommeliers, berichtet die UK Tea and Infusions Association.

Im Londoner Stadtteil Tooting hat Alex Holland das erste Tee-Pub in der britischen Hauptstadt eröffnet. "Bei uns herrscht eine Pub-Atmosphäre, aber statt Gläser mit Bier gibt es Kannen mit Tee", erklärt Holland. Auf der Getränkekarte stehen auch Tee-Cocktails wie Earl Grey und Tonic, und die Kundschaft ist begeistert. "Die Idee ist super", schwärmt eine italienische Touristin.

Tee aus der Region

Im Vereinten Königreich gibt es bereits seit Jahren zwei erfolgreiche
Tee-Plantagen. Im milden Klima von Cornwall in Südengland gedeihen auf dem Anwesen Tregothnan aus China importierte Teesträucher. Tee von einer Plantage in den schottischen Highlands wurde sogar schon im Schloss Balmoral, der Sommerresidenz der Queen, serviert. "Mit Tee ist es ein bisschen wie mit Wein, der Boden und die Lage sind sehr wichtig", erklärt Jamie Russell von der Weeteacompany.

Allerdings: Im Vergleich zur Massenware aus China oder Indien sind Tees aus Großbritannien sehr teuer. Der Preis pro Teebeutel beträgt umgerechnet etwa 45 Cent, fast zehn Mal so viel wie der herkömmliche Beutel Schwarztee. Beim Traditions-Kaufhaus Fortnum und Mason in London kosten 20 Gramm einer preisgekrönten Teesorte von der schottischen Dalreoch-Plantage umgerechnet rund 45 Euro.

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